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Durlach, Henriette Elisabeth, gen. Henny

10.4.1879 in Bremen – 4.11.1960 in Bremen

Henny war die Tochter des Kaufmanns August Durlach und seiner Ehefrau Wilhelmine Adeline, geb. Meyer in Vegesack. Sie hatte zwei Schwestern: Wilhelmine Elisabeth Anna (1878) und Emma Hermine (1880) sowie zwei Brüder: Otto Vincenz Heinrich Ernst (1882) und Carl Georg Victor (1884). Die Familie war mit der bekannten Bremer Silberschmiede Wilkens und mit dem Schriftsteller Rudolf Alexander Schröder eng verwandt.

Henny Durlachs berufliches Leben begann 1902 als Volontärin in der Lesehalle und dort wurde sie 1904 fest als Assistentin angestellt. Im August 1911 schied sie auf eigenen Wunsch aus dieser Stelle aus, ging nach Berlin, durchlief eine Ausbildung für den mittleren Bibliotheksdienst und plante damit in einen in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhundert stark nachgefragten Beruf für Frauen zu gehen. Allerdings wurde sie noch vor Ende der Ausbildung von Johann Focke gefragt, ob sie als Assistentin an das Historische Museum kommen wollte. Sie beendete aber zunächst die Ausbildung und wurde anschließend 1913 im Museum eingestellt. Sie organisierte den Museumsumzug aus dem Anbau des Doms in das neue Museumsgebäude in der Großenstraße im Stephaniviertel 1913 schon mit.

1949 ging sie in Pension. Anlässlich ihres 70. Geburtstages wurden ihre hervorragenden Kenntnisse zur bremischen Kulturgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts und ihre zahlreichen Vorträge sowie ihre journalistischen Beiträge, in denen sie ihre Kenntnisse anschaulich in Bremer Tageszeitungen vermittelte, gewürdigt. Im Rahmen der Feier wurde ihr auch ein sehnlicher Wunsch erfüllt: ein Fahrrad. Zwei junge Damen übereichten ihr ein Veloziped aus dem 19. Jahrhundert, „das als Damenrad verkleidet mit seinem über ein Meter hohen Vorderrad und seinen Holzfelgen so recht an Urgroßvaters Zeiten erinnerte.“ Gleichzeitig wurde sie öffentlich als eine „Mischung männlicher Durchsetzungskraft, weiblicher Einfühlung und wissenschaftlicher Gründlichkeit“ beschrieben. Auch ihren 75. Geburtstag feierte sie im Focke-Museum. Sie erlebte noch 1953 die Neueröffnung des Focke-Museums zunächst im Herrenhaus des Gutes Riensberg, das zwischen 1936 und 1945 als Hauptquartier einer SS-Abteilung gedient hatte, und das von Margarete von Post dem Bremer Staat für gemeinnützige Zwecke gestiftet hatte (ursprünglich war geplant, hier ein Haus für „bedürftige, gebildete Bremerinnen“ einzurichten).

1914 wurde Henny Durlach zur Museumsbeamtin ernannt. 1918 – anlässlich Fockes 70. Geburtstag – wurde die Einrichtung in Focke-Museum für bremische Altertümer umbenannt. 1927 wurde das Museum unter dem neuen Direktor, dem Kulturwissenschaftler Ernst Grohne, erweitert. Henny Durlachs Spezialgebiet war die Kulturgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts Bremens und die Betreuung des Denkmalarchivs. Die Eröffnung des Neubaus neben den bestehenden Häusern des Gutes Riensberg 1963 konnte Henny Durlach, die über drei Jahrzehnte im Museum gearbeitet hatte, nicht mehr erleben, sie starb nach schwerer Krankheit 81jährig.

Publikationen:
Bremen vor 150 Jahren, in: 150 Jahre Bremer Clubleben, Ein Beitrag zur Kulturgeschichte Bremens, Hrsg. Club zu Bremen, 1933 Bremen 1933
Die Familie Pavenstedt in Bremen 1675-1891, Bremen 1933
Die öffentlichen Feste im alten Bremen, Bremen 1934
Durlach, Henny: Bremen Sögestraße 36/38. Die Geschichte einer Straße und einer Papierhandlung geschrieben zum 75-jährigen Jubiläum der Firma G.A. Dörrbecker. 1861-1936 Bremen, Bremen o. J.
Durlach, Henny/de Porre, Eugen/ Gutmann, Hermann: 125 Jahre Leben, Arbeiten und Handeln in der Sögestrasse 1861-1986, Bremen 1986

Literatur und Quellen:
Cyrus, Hannelore: Porträt Henriette Durchlach in: Bremer Frauen von A – Z, Bremen S. 438, Bremen 1991
Domdey, Ute: Die Geschichte des Gutes Riensberg, in: Riensberger Gräber erzählen, Aus dem Leben Bremer Frauen, Bremen 1997, S. 10 – 14
ebda. Margarethe von Post, S. 14 – 23
Fliedner, Siegfried: in: Bremische Biographien 1912 bis 1962, Bremen 1969
Personalakte Henny Durlach im Staatsarchiv Bremen
Schwarz, Christa: Dokumente zur Geschichte des bibliothekarischen Frauenberufs im wissenschaftlichen Bibliothekswesen Deutschlands. 1907 bis 1921. Berlin 1967 WK 9.4.49, 12.4.49

Bildquelle: Weser-Kurier 10.4.

Edith Laudowicz und Dr. Uta Halle