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Baczko, Elisabeth Felicitas Emma Therese von

1868 Mainz – Todesdatum unbekannt

Elisabeth von Baczkos Eltern waren Hermann von Baczko, geb.1822 und Ottilie geb. Hesselbarth. Ihre Schwester Felicitas wurde 1877 geboren.

Sie lernte das Tischlerhandwerk in den von Paul Schultze-Naumburg geleiteten Saalecker Werkstätten, und wurde eine herausragende Innenarchitektin und Möbeldesignerin.

Warum sie 1905 nach Bremen kam, ist nicht bekannt. Von 1909 bis 1913 lebte sie in einer gemeinsamen Wohnung mit Anna Goetze sowie ihrer aus Berlin zugereisten Schwester Felicitas. Die drei Frauen organisierten gemeinsame Ausstellungen und beteiligten sich an diversen Fördervereinen. Sie fühlte sich den Zielen der Vereinigte Werkstätten für Kunst im Handwerk 1 verbunden, deren Mitglied sie ab 1910 war. Den Mitgliedern ging es um ökonomische Gestaltung, gekoppelt mit ausgeprägtem Verständnis für das jeweils zu wählende Material. Elisabeth von B. war ab 1917 im Vorstand des Bremer Frauenclubs, ab 1918 gehörte sie dem Frauenbund zur Förderung deutscher Bildender Kunst, Ortsgruppe Bremen an und trat 1928 der GEDOK bei.

1906 schuf sie die komplette Innenausstattung eines Kinderheims, das in der Mainstraße in einem ehemaligen Bauernhaus geschaffen wurde. Dieses Kinderheim wurde für Alleinstehende und berufstätige Mütter eingerichtet. Die Presse lobte ihre Arbeit enthusiastisch: „Die grüngetönten Wände, oben durch einen zierlichen Fries von der weißen Decke geschieden, geben im Verein mit dem grünen Linoleum, den weißlackierten Fenstern und Türen diesen Räumen einen solchen Anstrich von Behaglichkeit, dass man sich sogleich wohlfühlt, und es auch den Kindern gewiss nicht schwer fallen wird, sich hier einzugewöhnen.“2

Ebenso angetan war man von der Ausstattung des Neubaus Vereinskrankenhaus zum Roten Kreuz, für das sie zusammen mit Heinrich Vogeler die Kranken-, Kinder- und Schwesternzimmer gestaltete. Die Möbel waren „meist weiß gestrichen und mit kleinen farbigen Schablonen diskret verziert, die sich nach der Farbe des Wandanstriches richten. Durch Einbeziehen des Spiegels zum Waschtisch erhält auch dieses Möbel eine ansprechende Gesamtform, bei Schrank und Divan beruht die Wirkung auf einer feinen Flächengliederung. Über dem Ganzen liegt eine Stimmung heller und gesunder Sauberkeit und harmonischer Ruhe. Auch geschmackvolle Garten- und Rohrmöbel sind aus den Händen E.v. Baczkos hervorgegangen, wie sie sich auch mit Erfolg auf dem Gebiete der Gartenarchitektur und der Schmuckarbeiten betätigt hat.“3

Ihre Arbeiten wurden durch den engagierten Einsatz der Kunstkritikerin, Ausstellungsmacherin und Schriftstellerin Anna Goetze (geb. 1859) und des Kunstkritikers Karl Schäfer der Öffentlichkeit bekannt gemacht.“4 Durch diese öffentliche Würdigung erhielt sie viele kleine, aber auch einige große Aufträge. Sie entwarf Kinder- und Gartenmöbel, Musik- und Damenzimmer wie das Beispiel von 1909, entstanden in den Vereigten Werkstätten. Ausgehend von biedermeierlichen Idealen zeigte sie einfache, farbig strukturierte, mit wenigen aber betonten Möbelstücken gestaltete Räume. Das übereinstimmende und heute noch geltende Urteil lautete: Elisabeth von B. versteht sich auf eine neue Ethik des Wohnens.

Warum sie 1913 zusammen mit ihrer Mutter eine andere Wohnung bezog, ist genau so wenig bekannt, wie die Gründe für ihren Umzug 1933 nach Berlin, wo sie 1935 unter dem Namen Baszkiewicz wie ihre Schwester in der Nassauischen Straße 16 gemeldet war.In den weiteren Jahrgängen des Adressbuches findet sich ihr Name nicht mehr.

Sie beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen, die große Aufmerksamkeit fanden:
1905/06 Gewerbemuseum
1905/06 Kunstsalon Leuwer
1906 Internationale Kunstgewerbeausstellung Dresden
1907 Worpsweder Kunsthalle
1909 mit H:Vogeler und Felicitas von Baczko im Gewerbemuseum,
1910 Weltausstellung Brüssel
1913 Kunsthalle
1925 Werkbundtage

Anmerkungen:
1. in Bremen wurde am 1. März 1907 ein Ausstellungs- und Verkaufslokal der Vereinigten Werkstätten (Am Wall 138) eröffnet und in Bremen-Hemelingen eigene Werkstätten unter der Leitung von Gottfried William Schröder eingerichtet. 1910 wurde auch der Hauptsitz nach Bremen verlegt, wo er bis 1939 verblieb
2.  Aschenbeck, Nils: Reformarchitektur: Die Konstituierung der Ästhetik der Moderne, Basel 2016, S.212
3. Mundt Dr. Albert: Monatsheft für freie und angewandte Kunst, Bd. 26,Leipzig, S. 337-338
4. Jacob, Inge

Literatur und Quellen:
Aschenbeck, Nils: Schlichte Werkbundmöbel – die Innenarchitektin Elisabeth von Baczko, unveröffentlichtes Manuskript, Bremen 1991
Jacob, Inge: Bremer Frauen von A – Z, Bremen 1991, S.70
Schaefer, Karl: Neue Arbeiten von E. von Baczko.
Bildquelle Damenzimmer und Krankenzimmer in: Kunstgewerbeblatt. NF 20, E.A. Seemann, Leipzig 1909, S. 201–204,http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstgewerbeblatt1909/0208
Berliner Adreßbuch, 1935, Teil 1, S. 65

Inge Jacob (mit Ergänzungen von Edith Laudowicz)