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Borcherding, Johanna Maria Catharina, gen. Hanna

5.3.1876 in Vegesack – 20.11.1960 in Vegesack

„Die Bedeutung dieser ungewöhnlichen Persönlichkeit liegt nicht im gedruckten Wort, sondern in ihrem unmittelbaren Wirken…“, schrieb der Vegesacker Lehrer Heinrich Beilken in seiner Biographie über Johanna Borcherding. Johannas Mutter, Anna Gesine Schäffer (24.01.1852 – 22.09.1896), entstammte einer alteingesessenen Kapitänsfamilie Vegesacks. Der Vater, Johann Friedrich Borcherding (5.4.1849-4.3.1924) war Lehrer und Naturforscher (Konchyliologe). Sie hatte eine Schwester, die 1884 geboren wurde.

Es heißt, dass ihre Liebe zur Heimat und Natur besonders durch ihren Vater, den sie auf zahlreichen Spaziergängen und Exkursionen begleitete, die geweckt worden sei. Sie wuchs in Vegesack auf und wurde im Lehrerinnenseminar von A.M. Janson in Bremen ausgebildet. Sie war von 1895 bis 1933 im Schuldienst tätig. Zunächst begann sie ihre Schullaufbahn 1895 für fünf Jahre im Kreis Bersenbrück, der Heimat ihres Vaters. Dann ging sie nach Vegesack zurück und arbeitete vom 1900-1927 am dortigen Lyzeum. Anschließend wechselte sie zur Volksschule über, wo sie bis 1933 unterrichtete. Ihre Liebe zur Natur prägte auch sehr ihren Unterricht. So erzielte sie z.B. erfreuliche Erfolge bei der Leitung des Schulgartens. Ferner widmete sie einen großen Teil ihrer Schaffenskraft dem Verein für Naturkunde, dem Heimat- und dem Museumsverein in Vegesack und dem Verein für niedersächsische Volkstumskunde in Bremen. Vor allem aber gilt sie als Mitbegründerin des Stadtgartens in Vegesack. Als 1929 der damalige Vegesacker Bürgermeister Dr. Wittgenstein zur Gründung eines Stadtgartens am Weserufer aufrief, fand er in ihr eine besonders engagierte Mitstreiterin.

Nachdem es schließlich gelungen war, das Stadtgartengelände im Anleiheweg anzukaufen, übernahm sie als anerkannte Expertin für die heimische Flora sofort begeistert die praktische Leitung der Anlage des Gartens. Es gelang ihr in kürzester Zeit Kinder wie Lehrkräfte als freiwillige Helferinnen und Helfer außerhalb der Schulzeit in die Gestaltung des Gartens einzubeziehen. Ohne ihre ideelle Tätigkeit zusammen mit der einiger Gleichgesinnter und des Stadtgartenvereins wäre es nicht zu diesem Naherholungsgebiet an der Unterweser gekommen, denn Vegesack war damals noch selbständig und verfügte lediglich über ein dünnes Finanzpolster.

Sie war zeit ihres Lebens eine begeisterte Lehrerin. Als sie 1933 aus dem Schuldienst aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden musste, war sie erleichtert, nicht dem Gewissenszwang der beginnenden nationalsozialistischen Diktatur unterworfen zu werden. Auch nachdem Vegesack 1939 Bremen eingemeindet worden war, blieb der Stadtgartenverein bestehen und übte weiter unter ihrer regen Mithilfe seine Tätigkeit aus. Nach dem Krieg wurde der verwüstete Garten aus eigenen Mitteln wieder restauriert und bepflanzt. Für ihre aufopfernde Tätigkeit wurde ihr 1951 die Ehrenmitgliedschaft des Vereins verliehen. Nach ihrem Tod wurden ihr und einigen anderen Vegesacker Bürgern, die maßgeblich an der Verschönerung des Stadtgartens beteiligt waren, zu Ehren im ersten Abschnitt des heute wesentlich erweiterten Stadtgartens eine Sonnenuhr aufgestellt.

Literatur und Quellen:
Beilken, Heinrich: Bremische Biographien 1912 bis 1962, Bremen 1969
Bremer Nachrichten 1.12.1955
Norddeutsche Volkszeitung 20.5.1955
Ortsfamilienbuch Bremen und Vegesack, Familienbericht Borcherding
Weser Kurier 23.11.1954; 3.3.1956
Bildquelle: Verein für Computergenealogie e.V., http://grabsteine.genealogy.net/tomb.php?cem=19&tomb=76&b=H

Helga Fuhrmann