Artikel

Breyer, Felicie Marie, geb. Susemihl

16.9.1890 in Bremen – 1989 in Bremen

Felicie stammte aus einer alten bremischen Honoratiorenfamilie, in der es zu den guten Traditionen gehörte, sich mit Kunst, Literatur und Wissenschaft auseinander zu setzen. Ihre Mutter Lissy Susemihl-Gildemeister war Schriftstellerin und in einer Vielzahl bremischer Frauenvereine tätig. Ihr Großvater war Otto Gildemeister, der Literaturwissenschaftler und Bürgermeister, ihre Großmutter Felicie G., geb. Meyer, die von Louise Kugler erzogen worden war.

Sie heiratete den Juristen Dr. Arthur Breyer, gebar zwei Kinder und führte zunächst das beschauliche Leben einer Gattin „von Stand“. 1915 gehörte sie noch zu jenen Frauen, die gegen die Teilnahme deutscher Frauen an der Den Haager Friedenskonferenz (1915) protestierten. Sie war Mitunterzeichnerin der von ihrer Mutter Lissy Susemihl initiierten Protest- und Unterschriftensammlung, die insbesondere gegen die Bremer Friedenskämpferin Auguste Kirchhoff gerichtet war.

Doch die im 1.Weltkrieg erfahrenen Schrecken machten sie zur Pazifistin. Sie wandte sich der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit zu, wurde Mitglied der Sektion in Bremen und avancierte zur Delegierten, die nationale Tagungen besuchte und über sie berichtete.[1]

Der Faschismus beendete die Tätigkeit des deutschen Verbandes der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit. Doch sie behielt internationalen Kontakt. Ein Brief vom 8.7.1935 aus Österreich mit dem Programm der Liga und einer Einladung zur Konferenz nach Genf führte zu intensiv gegen sie gerichtete Aktivitäten von Sicherheitsdienst und Geheimer Staatspolizei. Es wurde eine 3monatige Postkontrolle angeordnet. Felicie Breyer zog sich in die Privatheit der Familie zurück. Auch nach dem Kriege knüpfte sie an ihre einstige Tätigkeit nicht mehr an. Offensichtlich unterlag sie dem Druck der Familie, die an Mutter- und Hausfrauenpflichten erinnerte, die die öffentliche Tätigkeit auf so „linkem Terrain“ ohnehin beargwöhnt hatte, und spielte die als angemessen erachtete Rolle einer für die Familie tätigen Ehefrau.

Sie starb hochbetagt in einem Altersstift.

Anmerkungen:
[1] Bremer Nachrichten 17.10.1929.

Literatur und Quellen:
Bremer Nachrichten, 21.2.1929
Breyer, Felicie: Der Parteibonze herrscht, in: Bremer Nachrichten, 17.10.1929
StAB 4,65-II.E.11.c.3., Bd.2

Hannelore Cyrus