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Bullenkamp, Anni Sophie, verh. Webner

23 9.1899 in Bremen – 15.8.1983 in München

Anni Sophie wuchs mit drei Brüdern und zwei Schwestern in der Familie des Fleischermeisters Carl Bullenkamp und der Hausfrau Sophie B.in Bremen Hastedt auf. Während ihrer Kindheit half Anni Sophie in der elterlichen Fleischerei.

Von 1915 bis 1918 bildete der Vater sie als Fleischergesellin aus. Am 17. Oktober 1925 wurde sie die erste Fleischermeisterin Deutschlands, und zwar mit Auszeichnung. Die Ausbildung zur ersten Fleischergesellin und später zur Meisterin wurde unter anderem durch den 1.Weltkrieg begünstigt, da die meisten Gesellen eingezogen waren. Ihre praktische Prüfung bestand darin einen Bullen zu schlachten, welchen sie zuvor mit einem Hammer niederschlagen musste. Eine Bremer Zeitung schrieb im Jahre 1925 über sie: „Sie beschränkt sich nicht auf Kleinvieh. An einem der letzten Montage fiel, durch ihre kräftige Hand, ein stattlicher Ochse, mussten dann noch 25 Schafe und 23 Schweine, alle an einem Morgen unter ihrem Messer rasch an der Schlachtbank enden! All ihr Handhaben verrät die gründliche Lehre des Vaters, aber auch ein ernstes, unverdrossenes Aufgehen in dem gewählten Berufe.“ Die geschlachtete Ware transportierte sie mit einem Bernadinergespann vom Schlachthof an der Bürgerweide zum Laden nach Hastedt. Sie war nicht nur als erste Fleischermeisterin tätig, sondern war auch Bremens erste Motorradfahrerin. So reiste sie, für die Zeit ungewöhnlich, mit dem Motorrad bis nach Rom. Später bildete sie ihren Bruder als Gesellen aus. Diesem wurde jedoch aufgrund einer ernsten Augenkrankheit die Ausführung des Berufes unmöglich. Der Vater, Carl Bullenkamp, verkaufte in den dreißiger Jahren den Laden.

Sie galt als eine willensstarke und in ihrem Fach kompetente Frau, was sich auch ihre Zunft zu Nutze machte, indem sie des Öfteren zu Vorträgen geladen wurde. Im Jahre 1925 ging sie die zweite Ehe mit dem Schornsteinfegermeister Dietrich Webner ein und gebar 1926 ihren Sohn Dietrich. Ihr Mann bekam als Schornsteinfegermeister den Bremer Bezirk Brill zugeteilt. Eine Verordnung der damaligen Zeit besagte, dass der Schornsteinfegermeister in seinem Bezirk leben und seine Ehefrau im Haus ansprechbar sein musste, um ihren Mann jederzeit über Notfälle zu informieren. Demzufolge konnte sie nicht mehr berufstätig sein. Während des 2.Weltkrieges wurde sie dienstverpflichtet und ging vorübergehend wieder ihrem Beruf nach.

Obwohl sie nach dem Krieg ihren Beruf als Fleischerin nach dem Krieg nicht mehr ausführte, war ihre Leidenschaft für das Handwerk jedoch nicht erloschen. Bei den Fleischereien in Bremen und umzu erkundigte sie sich nach bestimmten Fleischsorten, war sehr wählerisch und stellte einige Produkte weiterhin selbst her.

Literatur und Quellen:
Kilian, Inge/Lück, Brigitte: die Erste, Von der ersten Bürgermeisterin bis zur ersten Busfahrerin, Bremerinnen auf neuen beruflichen Wegen, Hrsg.: Der Senator für Frauen, Gesundheit, Jugend, Soziales und Umweltschutz. ZGF Bremen 2008, S.16
Das Bild ist dieser Broschüre entnommen.

Autorenkollektiv ZGF (mit Ergänzungen)