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Eicke, Frieda Auguste

3.4.1893 in Bremen – 26.6.1970 in Bremen

Frieda ist als zweite Tochter der Caroline Friederike Luise Eicke, geb. Danielsmeyer und des späteren Hotelbesitzers Heinrich Wilhelm Eicke (Hotel Alberti, Bahnhofstrasse, Bremen) aufgewachsen und genoss mit ihren beiden Schwestern und ihrem Bruder das Leben einer bürgerlichen Tochter in der Hansestadt. Nach dem Besuch der Höheren Töchterschule von A. Kippenberg und einem einjährigen Aufenthalt in der Schweiz begann sie ihre künstlerische Ausbildung in Düsseldorf (1913/14). Es folgten Bremen (1916-1918) u.a. mit den Lehrern Kleinhempel, Magnussen und Menz und Leipzig (1918-1921) u.a. mit den Lehrern Steiner-Prag, Delitsch und Soltmann, deren Vorbildcharakter in ihren graphischen Arbeiten deutlich zum Ausdruck kommt.

Ihr Werk fand die Schauspielerin Ernestine Zielke auf dem Boden der von ihr gemieteten Wohnung des Familienbesitzes der Eickes in Bremen-Horn. Sie säuberte die Leinwände und rettete das Werk Frieda Eickes vor dem Verfall und der möglichen Vernichtung. Der Fund auf dem Dachboden umfasst etwa 50 großformatige männliche und weibliche Akte und Frauendarstellungen in Öl – alle vermutlich in ihrer Studienzeit in Leipzig gemalt – zehn Landschaftsbilder und ein Porträt der Mutter in Öl, viele Zeichnungen (Aktskizzen, Menschendarstellungen, Landschaften, Tier- und Pflanzenbilder, Porträts und drei Selbstporträts), etwas Graphik: Linol- und Holzschnitte, Radierungen, Plakate sowie einige Aquarelle. Der größte Teil der Arbeiten, obwohl selten signiert und datiert, lässt sich zeitlich den Studienaufenthalten in Düsseldorf, Bremen und Leipzig zuordnen.

Ihre Stärke lag in der Erfassung der weiblichen Figur, die sie einerseits durch den das Volumen umfassenden Strich und andererseits durch die Expressivität der Farbe besonders darzustellen verstand. Den männlichen Akten dagegen fehlt es deutlich an Einfühlungsvermögen in Körper- und Charakterdarstellung. In den vorsichtigen Ansätzen zur Abstraktion ihrer weitgehend naturalistisch abbildenden Darstellungsweise und in der Steigerung der Expression durch die Farbe hätten Entwicklungsmöglichkeiten gelegen, die aber vermutlich von ihren Lehrer-Vorbildern nicht unterstützt wurden.

Über die zwanziger Jahre, nach dem Studium in Leipzig, ist weitgehend nichts bekannt. Letzte Hinweise auf ihre künstlerische Tätigkeit sind die Eintragungen auf der Schülerliste 1930 in der Maloberklasse (Akt) von Perks (Kunstgewerbeschule Bremen) und die Lithographie „Der Hund Flap“ von 1933. Obwohl sie Mitglied im Bund Bildender Künstler war, hat sie nachweislich keine Ausstellung beschickt. Bei den einzigen bekannten Veröffentlichungen handelt es sich um drei eher schwache Illustrationen aus der Leipziger Zeit in den Ausgaben der „Deutsche Frauenzeitung“ von 1920/21.

Ab etwa 1940 übernahm sie die Verwaltung und Bewirtschaftung des riesigen Horner Familienbesitzes und pflegte etwa zehn Jahre die Eltern bis zu deren Tod. Nach dem 2. Weltkrieg verbrachte sie ihr weiteres Leben mit der jüngeren Schwester Lily; ließ für sie beide ein Haus sowie drei andere kleine Häuser bauen, die sie der Michaelis-Brudergemeinschaft in Bremen-Horn vererbte.

Als gesellige und kulturinteressierte Frau entwickelte Frieda Eicke eine Vorliebe für die Oper und die italienische Sprache. Zu ihrem engen Freundinnenkreis gehörten Prof. Perks, dessen Haus, Hund und Garten sie während seiner Abwesenheit oft versorgte, R. Stöcklin und Käte Knorr-Dressler aus Berlin, Studienkolleginnen aus Leipzig sowie Margaret Laubner-Padelt.

Weshalb sie die Malerei aufgab, lässt sich nicht endgültig klären. Dass häusliche Verpflichtungen, die politische Situation und/oder die Erkenntnis der Grenzen der eigenen künstlerischen Fähigkeiten eine Rolle gespielt haben könnten, lässt sich nur vermuten. Ihr Werk – wie das vieler malender Frauen – wird, wenn nicht posthum in einer regionalen Ausstellung gewürdigt, auch weiterhin in Vergessenheit bleiben.

1970 wurde die Geschwister-Eicke-Stiftung von ihrer Schwester ins Leben gerufen. „Der Zweck der Stiftung liegt in der Förderung der Ausbildung von Psychagogen und Kinderanalytikern im Lande Bremen, um durch Anwendung tiefenpsychologischer Erkenntnisse bei der Behandlung von Eltern, Kindern und Jugendlichen einen notwendigen und wesentlichen sozialpsychologischen Beitrag zu leisten.“ – Die Stiftung gewährt Aus- und Weiterbildungsteilnehmern eine Ausbildungsbeihilfe (zinsloses Darlehen) und unterstützt ferner die Ausstattung der Ambulanz für Säuglinge, Kinder und Jugendliche. Die Stiftung besteht weiterhin, sehr viele Aus- und Weiterbildungsteilnehmer haben dieses Angebot genutzt, für viele war es Voraussetzung zur Aufnahme der Aus- und Weiterbildung.

Gisela Hildebrand, Inge Jacob (mit Ergänzungen)