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Ewel, Maria

30.9.1915 in Königsberg – 27.1.1988 in Bremen

Maria war die Tochter von Otto Ewel, Maler und Professor an der Königsberger Kunst- und Gewerbeschule, und die jüngste von vier gleichfalls künstlerisch begabten Schwestern. 1928 besuchte sie bereits mit dreizehn Jahren als Abendschülerin die Kunst- und Gewerbeschule in Königsberg und arbeitete in der Keramikklasse bei Franz Andreas Threye. Ihre künstlerische Ausbildung verfolgte sie an den Kunstgewerbeschulen in Dresden (1936-1939) und Bremen (1946-1954), wo sie vorwiegend bei Kubica studierte.

Von 1948 bis 1956 war sie mit der Restaurierung von Fassaden für die Denkmalpflege beschäftigt, unter anderem des Gewerbehauses, der Stadtwaage, des Essighauses, der Sparkasse am Markt und des Gebäudes Schlachte 31. Diese Tätigkeit fand im Rahmen der Baudenkmalspflege statt und diente zur Finanzierung des Studiums. Ab 1956 war sie als freischaffende Bildhauerin in Bremen tätig; im gleichen Jahr reiste sie nach Florenz, um sich mit den Werken der Frührenaissance und der Etrusker auseinanderzusetzen. Sie war Mitglied des Bundes Bildender Künstler (BBK) und der Künstlergilde-Esslingen. 1959 erkrankte Maria Ewel an Gelenkrheumatismus. In den ersten Jahren ihres Leidens war sie noch in der Lage, zahlreiche große Arbeiten auszuführen, aber in den letzten Jahren musste sie die Steinbildhauerei einschränken und sich mehr und mehr der modellierten Plastik zuwenden. Die meisten dieser Arbeiten sind in Bronze gegossen. Von 1960-1984 beteiligte sie sich an Gruppenausstellungen in Bremen, Essen, Ratzeburg, Regensburg und Düsseldorf. Mit drei Einzelausstellungen wurde ihre künstlerische Persönlichkeit 1974 in Pforzheim, 1983 in Ellingen und 1985 in Bremen gewürdigt. Die Kommunale Galerie ist im Besitz von Bronzeplastiken, Zeichnungen und einem ihrer Holzschnitte.

Die Bildhauerin „Maria Ewel ist klassisch, zeitlos, modern, und darum haben ihre Werke über alle Richtungen hinweg Bestand und Gültigkeit“, urteilte der Kunstexperte Gert Duwe über die Künstlerin. Ihr plastisches Oeuvre ist Ausdruck einer Kunst, deren Kern die Reduktion auf das Wesentliche, Spezifische eines Tieres oder des Menschen ist. Ihre Werke sind nicht einfach Abbild der Wirklichkeit, sondern stehen als Zeichen für das Animalische, für die Bewegung, für Dynamik und Kraft. Die Gestaltung bewegt sich daher auch zwischen realistischem Abbild und zeitlos geklärter Form.[1] Maria E., die große Tierplastikerin, die sich in der Tradition von Renée Sintenis und Gerhard Marcks bewegte, hatte in wochenlangen Studien Bewegungen, Haltungen und Eigenarten des jeweiligen Wesens studiert, um am Ende eine Idee, eine Kraft oder einen charakteristischen Wesenszug in Stein, Bronze oder einem ihr entsprechenden Material zu realisieren. Nicht das Starre, Verhaltene, Stillhaltende zog sie an, sondern das spannende Bewegte, sich jederzeit Verändernde. Zeitweise widmete Maria E. sich dem Porträt (Rebecca Meyerhoff, Bronze 1974, Widmund Jäger, Zementguss 1956) und der menschlichen Figur (Mädchen mit Reifen, Bronze 1966, Spielende Mädchen mit Ball, Bronze 1966).

1982 schuf Sie ihre letzte Plastik, eine Bronze-Tiergruppe, die in der Halle des Postamtes in Rastede aufgestellt ist.

Sie wurde 1985 mit dem Ostpreußischen Kulturpreis der Landsmannschaft Ostpreußen ausgezeichnet.

Einige Beispiele ihres Werkes sind auf öffentlichen Plätzen in Bremen zu besichtigen:

„Bär“ (Bronze, 1950):Terrasse des Kindertagesheimes am Waller Park
„Großer Tiger“ (Beton, 1955): Grünanlage am Hohentorsplatz
„Panther“ (Bronze, 1958): Pausenhof der Grundschule im Stadtteil Borgfeld
„Mädchen mit Reifen“ (Bronze, 1967): vor der Bürgermeister-Smidt-Schule
„Bär mit Ball“ (Bronze, 1957): Schulhof der Bürgermeister-Smidt-Schule
„3 Pinguine“ (Bronze, 1968): Pausenhof der Sonderschule Friedehorst in Burglesum.
Nicht mehr vorhanden sind: „Junger Löwe“ (Muschelkalk, 1951), auf dem Gelände des Schulzentrums Habenhausen am Bunnsackerweg im Stadtteil Obervieland, „Wal“ (Styropor mit Polyester, 1970): der ca. 3,5 m lange Wal befand sich auf einer kleinen Insel inmitten eines Schwimm-Beckens des Freibades Blumenthal, „Fliegender Schwan“ (Bronze) auf dem Hastedter Friedhof.

Anmerkungen:
[1] Klassisch und zeitlos modern, Der deutsche Wissensalmanach, http://www.wissen48.net/x/Klassisch_und_zeitlos_modern_-905332.html, Zugriff 18.8.2015.

Literatur und Quellen:
Albinus, Robert: Königsberg Lexikon, Würzburg 2002
Die Bildhauer der Bremer Bauhütte, Katalog, Bremen 1986
Duwe, Gert: Maria Ewel, Das Plastische Gesamtwerk, o.J.
Schwarzwälder, Herbert: Das Große Bremen-Lexikon, Bremen 2003
www.kunst-im-oeffentlichen-raum.de
Wikipedia, Maria Ewel, Zugriff: 12.4.2015

Gisela Hildebrand (mit Ergänzungen)