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Feldhusen, Anna

17.11.1867 in Bremen – 12.6.1951 in Bremen

Über die Kindheit und Familie der Künstlerin Anna F. ist wenig bekannt. Sie stammt aus einer Bremer Kaufmannsfamilie und schon als junges Mädchen hatte sie sich für den Beruf der bildenden Künstlerin entschieden.

Ihr Studium absolvierte sie ab 1892 in München bei Lina Kempter (1856-1925), Oskar Graf (1870-1955) und Maximilian Dasio (1865-1954). Dieser Ausbildungsweg galt für eine höhere Tochter des 19.Jahrhunderts als „etwas völlig Unmögliches“. Das mag für die „normale“ bürgerliche Tochter gegolten haben. Die jungen Frauen jedoch, die um ihre künstlerischen Qualitäten wussten, besaßen Mut und Willen, ein anderes, „unbürgerliches“ Leben zu wählen. Um eine gute Ausbildung zu bekommen und herausragende Leistungen zu bringen, waren sie bereit, diesen Schritt aus der Sicherheit der gesellschaftlichen Anerkennung zu tun. „Allein, ich will…“ stand auf ihrem Exlibris. Das Selbstbildnis der 32jährigen Anna F. als Malerin an der Staffelei (1899, Öl) zeugt von dieser Freiheit und ihrem Selbstbewusstsein. Vermutlich erkannte sie selbst ihre Begabung für die Graphik. Dasio führte sie in die grafischen Techniken der Radierung und Lithografie ein. In Worpswede wurde sie Schülerin von Fritz Mackensen (1866-1953) und Hans am Ende (1864-1918). Auf letzteren fiel die Wahl, weil jener als Meister der Radierung galt. Auch holte sie sich Anregungen während ihrer Aufenthalte in Dötlingen bei Georg Müller vom Siel (1865-1939). Hier traf sie sich auch mehrmals mit ihrer Malerfreundin Marie Stumpe (1877–1946) und der Radiererin Marie Stein-Ranke (1873-1964), die zu den herausragenden Porträtradiererinnen in Deutschland gehörte.

Ihr Interesse galt vor allem dem Stillleben und der Landschaft. Figürliche Darstellungen finden sich im Werk der Künstlerin nur wenige. Es zog sie in die Natur, um dort Motive für ihre Werke zu finden. Immer wieder tauchen die Heide und das Moor in ihrem umfangreichen Werk auf. Bei ihren täglichen Wanderungen beobachtete sie das Spiel von Licht und Schatten und brachte das Gesehene mit expressiven breiten Pinselstrichen auf die Leinwand.

Der Schwerpunkt ihres Werkes lag in der Radierkunst. Sie beherrschte die Technik der mehrfarbigen Radierung exzellent und nutzte die Möglichkeiten der Technik auf unterschiedliche Weise. Ihre mittenzentrierten, präzise gestalteten Ausschnitte – oft führte ein Weg oder ein Fluss ins Bild – in der die Linie vor der Farbe das Bild herstellt, zeigen ihr Können. Ihre Hauptmotive waren Bremer Stadtansichten, Gebäude und Gassen, Veduten-hafte Anblicke der Stadt von der Weser her, oft begrenzte Ausschnitte aus der Bremer Altstadt, sind präzise Wiedergaben der Situation, kleinteilig, sehr exakt und gut durchkomponiert. Es handelt sich dabei vorrangig um Strichätzungen. Die oft komplementär gesteigerte Farbe wurde zur Unterstützung der Stimmungslage eingesetzt, entweder direkt als Farbradierung im Mehrfarbendruck oder nachträglich mit Aquarellfarben darüber belegt. Zentral bleibt aber immer das grafische Liniengefüge, die Farbe wird lediglich hinzukomponiert. Oft entstanden hierbei von einer Platte unterschiedliche Einfarbendrucke.

In ihren Worpsweder Landschaften befinden sich einige von 1903/04, die im Gegensatz zu der oft kleinteilig detaillierten Auffassung eine sehr viel großzügigere flächige Behandlung des Motivs aufweisen, was sicherlich auch durch die verwendete Aquatinta-Technik bedingt ist. Die Ausdrucksqualität wird nicht durch unterschiedliche Farben, sondern auch durch die samtigen, technikbedingten Schwärzungen erreicht. In diesen stimmungsvollen Blättern schwingt das romantische Erbe Worpswedes mit.

Sie führte ihr Leben lang ein eigenes Atelier. Zusätzlich zu dem Bremer Arbeitsraum behielt sie ihr Atelier in München bzw. Dachau bei und nutzte in den Wintermonaten die anregende Atmosphäre dieser Orte und der dortigen Künstlerkolonie. In diesem „Klima“ fühlte sie sich wohl, woraufhin sie ihren Lebensmittelpunkt in die Künstlerkolonie Worpswede verlegte. Ihre kleine Wohnung in Dachau behielt sie aber, um jederzeit für einige Wochen dorthin zurückkehren zu können.

Sie kämpfte direkt und indirekt für die Rechte von Künstlerinnen, indem sie 1902 dem „Bremer Malerinnenverein“, 1922 dem „Bremer Künstlerbund“ und 1929 der GEDOK[1] beitrat. Anna Feldhusen war ebenfalls Mitglied im Bund der Düsseldorfer Künstlerinnen. Sie war für lange Zeit die einzige Malerin, die einen Gewerbeschein als Kunstmalerin beantragte und auch erhielt. Sie signierte ihre Bilder mit dem Hinweis: Bremische Malerin und Graphikerin. Ihre Kunst verkaufte sie bis ins hohe Alter.

Vielen war sie vom Weihnachtsbasar der Domgemeinde Bremen vertraut, wo man ihre Drucke kaufen konnte. Mehreren Generationen war und ist sie noch mit ihren Heimatansichten in Bremer Schulbüchern im Gedächtnis. Von ihrer hohen Produktivität zeugt u.a. das Kontokorrentbuch der Künstlerpresse in Worpswede. Es weist über 150 Aufträge mit mehr als tausend Blättern aus. Sie beschickte von 1903 bis 1943 regelmäßig Ausstellungen, meist Verkaufsausstellungen, im Graphischen Kabinett der Kunsthalle und in der Kunstschau der Böttcherstraße. Einige ihrer Radierungen wurden in die Vorbildersammlung des Gewerbemuseums – dem heutigen Focke-Museum – aufgenommen[2]. Sie illustrierte Kalender, Zeitschriften und Bremer Lesebücher. 1948 ehrte sie das Graphische Kabinett zu ihrem 80.Geburtstag mit einer Einzelausstellung. In den 80iger Jahren wurden ihre Bilder in Auktionen gehandelt.

Das heute zur Verfügung stehende Werk von Anna Feldhusen besteht aus einem großen graphischen und einem sehr kleinen malerischen Teil. Der grafische Teil setzt sich hauptsächlich aus Bremer Stadtansichten und Landschaften um Worpswede zusammen. Der malerische Teil besteht vorwiegend aus Blumenstillleben und Landschaftsbildern, überwiegend mit Moor- und Heidemotiven, in Aquarelltechnik und Öl. Anna Feldhusen war eine hervorragende Radiererin. Dieser Teil ihres Werkes ist durch eine große Sammlung des Focke-Museums gut überliefert. Die Kommunale Galerie besitzt fünf Drucke und das Focke-Museum erwarb zwischen 1928 und 1949 36 Werke von ihr, 2001 kamen weitere 7 und 2015 eine weitere Grafik hinzu. Wie der Schenker erzählte, hatte die Grafikerin zwischen 1929 und 1939 häufiger auf dem Teerhof gezeichnet. Für die Erlaubnis, anschließend ihre Künstlerutensilien bei seiner dort wohnenden Familie unterstellen zu dürfen, habe sie sich mit diesen Grafiken bedankt. Des Weiteren ist ein Kalender mit 12 Lithographien sowie Aquarelle und Federzeichnungen im Besitz des Focke-Museums. Sowohl die Stadtansichten Bremens als auch die Landschaften um Worpswede, werden seit Ende der siebziger Jahre in Bremen auf Auktionen mit zunehmendem Erfolg gehandelt.

Eine Ausstellung im Overbeck-Museum „Hermine Overbeck-Rohte und Bremer Malerinnen um 1900“ zeigte 1992 neben Hermine Overbeck-Rohte auch Anna Feldhusen, Toni Elster, Elisabeth Noltenius, Anna Plate, Margarethe von Reinken und Fanny Retemeyer und ermöglichte einen Einblick in ihr malerisches Werk. Es wurden Bilder aus Privatbesitz, Landschaften und Blumenstillleben, präsentiert.

Bilder von ihr sind im Internet zu finden und u.a. in der Worpsweder Galerie Girschner.

Anmerkungen:
[1] Die Künstlervereinigung wurde 1926 in Hamburg von Ida Dehmel (1870–1942) als „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ gegründet.
[2] Die Bilder/Mappen sind dort heute nicht mehr vorhanden.

Literatur und Quellen:
Aschenbeck, Nils: Künstlerkolonie Dötlingen, 2005, S.26 und 50.
Feldhusen, Anna: Katalog der Galerie Girschner, Worpswede 1981.
Jacob, Inge: Anna Feldhusen, I in: Hermine Overbeck-Rohte und die Bremer Malerinnen um 1900. Hrsg. von der Stiftung Fritz und Hermine Overbeck e.V., Bremen 1992.
Krahé‚ Frauke: Allein ich will, Lilienthal 1990.
Overbeck-Museum, Vegesack.
Schönbohm, Bärbel in: …und sie malten doch! Fischerhude 2007, S.62–64.
Vollmer, H: Allgem
Wikipedia, Zugriff 12.4.2015.

Inge Jacob (mit Ergänzungen)