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Hocke, Clara, geb.Taphorn, „Mutter Hocke“

12.4.1901 in Bremen – 28.11.1981 in Bremen

Über die Kindheit und Jugend Clara Hockes ist nichts bekannt. 1925 heiratete sie den Tischlermeister Heinrich Hocke und zog mit ihm in das um 1600 erbaute Haus Schnoor Nr. 14. In den wirtschaftlich schweren 1920er Jahren erstand das musikalische Ehepaar seine erste Drehorgel um die Arbeitslosigkeit besser zu bewältigen. In beiden erwachte die Liebe zu diesem Instrument und sie zogen mit den vielen fahrenden DrehorgelspielerInnen durch die Stadt. Während der Freimarktszeit im Herbst übernachteten viele von ihnen in den Schnoorhäusern, das war Hoch-Zeit für Jung und Alt. Für die Hockes bedeuteten diese Wochen darüber hinaus Freundschaft, Kameradschaft und die Verbundenheit mit Angehörigen einer fidelen, drehorgelbegeisterten Großfamilie.

Nach dem 2. Weltkrieg übernahm Sohn Friedrich die Tischlerei und das Ehepaar Hocke baute den Drehorgelverleih auf. Im gleichen Haus wohnte ein Orgelbauer, der vielleicht den Anstoß gab und vermutlich die technischen Grundkenntnisse vermittelte. In den 1950er, besonders in den 1960er Jahren, begann das Geschäft zu florieren, vor allem weil ein „Brauch“ in Bremen erfunden wurde: das Domtreppenfegen – ein harmloser Spaß, den Geburtstag eines unverheirateten 30-jährigen Mannes öffentlich zu feiern. Vor dem Krieg war das Domshoffegen für ledige Männer und das Putzen der Kirchturmspitze von St. Ansgarii für Frauen bekannt, dies waren jedoch nur Androhungen unnützer Arbeiten für „unnütze“ Leute. Das Domtreppenfegen hingegen findet tatsächlich statt, allerdings ist seine Entstehung unbekannt. Es ist zu vermuten, dass sich dieser Brauch erst durch die Existenz von „Mutter Hockes Drehorgelverleih“ einbürgern konnte, denn durch das populäre, nostalgische Instrument erhält das Domtreppenfegen seine besondere Note.

Nach dem Tod ihres Mannes[1] führte Clara Hocke das Geschäft allein weiter. Im Laufe der Jahre hatte sich „Mutter Hocke“ auch zu einer perfekten Mechanikerin entwickelt, die penibel auf ihre Instrumente achtete und sie in ihrer Werkstatt im hinteren Teil des Hauses selbst wartete und reparierte.

Der einstmals einzige Drehorgelverleih Bremens blieb noch jahrelang auch nach dem Generationenwechsel eine berühmte, feste Adresse. Das Haus im Schnoor wurde schließlich verkauft und der Verleih zog in die Bremer Neustadt. Im Geschichtenhaus im Schnoor erinnert eine Schauspielstation an die legendäre „Mutter Hocke“.

Anmerkungen:
[1] Jahr unbek., vermutl. Mitte 1960er Jahre.

Literatur und Quellen
Gutmann, Hermann: Bremer Bräuche, S. 87-92.
Holzner-Rabe, Christine: Stark. Mutig. Einfallsreich., S. 78-82.
Mündliche Beschreibungen verschiedener NachbarInnen.
Schwarzwälder, Herbert: Das Große Bremen-Lexikon, S. 329.
Weser Kurier 21.10.1978, 1.12.1981, 5.12.1981. 

Christine Holzner-Rabe