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Janson, Ida Caroline Wilhelmine

28.2.1847 in Kassel – 5.10.1923 in Bremen

Ida war das älteste von 11 Kindern des Lehrers Johann August Martin Janson (1816-1878) und seiner Ehefrau Emilie, geb. Schulz. Nach dem ersten Schulunterricht in Kassel besuchte sie ab 1860 die Höhere Töchter-Bürgerschule in Bremen, deren Leitung ihr Vater im selben Jahr übernommen hatte, danach das 1863 angeschlossene Lehrerinnenseminar. In Paris sowie durch spätere Ferienaufenthalte in der französischen Schweiz vervollkommnete sie ihre Kenntnisse der französischen Sprache.

Als ihr Vater 1878 starb, übernahm sie als Älteste die pädagogische und wirtschaftliche Leitung der als Privatunternehmen betriebenen A.M.Janson Schule. Obwohl sie die bestandene Prüfung als „Vorsteherin“ und die Konzession des Bremer Senats vorweisen konnte, wurde den Eltern der Schülerinnen versichert, dass sie ihr Amt nur einige Jahre bis zum Eintritt eines ihrer Brüder ausüben werde, den der Vater zu seinem eigentlichen Nachfolger bestimmt habe. Dass sie der Schule dann 25 Jahre vorstand, hing mit ihrer Unterstützung durch die Pädagogin, Schriftstellerin und engagierte Vertreterin der Frauenbewegung Mathilde Lammers, vor allem damit zusammen, dass die Anstalt unter Ida Janson zur meistbesuchten Höheren Mädchenschule Bremens wurde: Hatte die Zahl der Schülerinnen vor ihrem Amtsantritt mit nur 323 einen Tiefstand erreicht, war sie nach ihrem Weggang auf 21 Klassen mit mehr als 700 jungen Mädchen gestiegen.

Die „Vorsteherin“, die – anders als ihr Vater und der ihr 1907 folgende Bruder Dr.Gustav Janson – nie als „Direktorin“ angesprochen wurde, organisierte trotz schwieriger Finanzlage die wiederholte Erweiterung des Schulgebäudes an der Wilhadistraße 1. Den zunehmenden Mangel an Räumlichkeiten für den Turnunterricht, der seit 1872 in der A.M.Janson Schule obligatorisch war, glich sie durch die Anmietung „der großen Turnhalle des neben unserem Schulhause gelegenen Vereins Vorwärts“ aus und sorgte, „um den Weg über die Straße zu vermeiden“[1], für einen direkten Zugang. Außerdem pachtete sie am Osterdeich „einen größeren, von schattigem, dichtem Gebüsch umgebenen Spielplatz“, „um unseren Schülerinnen“ neben dem „Garten hinter dem Schulgebäude“ „weitere Gelegenheit zu bieten, sich durch angemessene Bewegung im Freien körperlich und geistig frisch zu erhalten.“[2] Dabei wurde durch periodische Turnvorführungen der Kontakt zu den Eltern verstärkt. Die gleiche Energie setzte sie für die geistige Erziehung ihrer Schülerinnen ein. Sie erweiterte deren Fremdsprachenerwerb durch die Einführung des Französischen 1896, die des Lateinischen 1904. Ihr Unterricht in den Fächern Deutsch, Geschichte und Französisch verlief offenbar – wie auch der des gesamten Kollegiums und dem Zeitgeist entsprechend – sehr streng. Nach dem Visitationsbericht der Behörde vom 12.März 1890 war „rühmend hervorzuheben…die gute und musterhafte Disciplin…der Schülerinnen während des Unterrichts.“[3] Andererseits förderte sie deren Eigeninitiative und vermittelte ihnen Wissen auf hohem Niveau. So wurde Ida Jansons Behandlung von Goethes Drama „Tasso“ im selben Bericht als beispielhaft für den Deutschunterricht hervorgehoben.

Wie Dr.Ferdinand Dewers, der 1933 die Leitung der A.M.Janson Schule übernahm, in einem biografischen Lexikon schrieb, stellte Ida Janson „sich restlos in den Dienst der Schule…forderte“ aber „von den Mitarbeitern…die gleiche Einsatzbereitschaft und Arbeitsfreude“; dabei war ihr Unterricht, den sie besonders im Seminar erteilte, „sorgfältig überlegt und gehaltvoll. Gerechtigkeit und Kameradschaft kennzeichneten ihr Verhalten gegenüber den Lehrkräften“, die trotzdem „frei waren in ihrem Schaffen.“[4]

Eine Frage ist, wie sie auf die öffentliche Kritik ihrer Kollegin Agnes Heineken an der Tatsache reagiert hätte, dass es in Bremen sechs staatliche höhere Jungenschulen, aber keine staatlichen Mädchenschulen gab. Jedenfalls schloss sie sich, obwohl sie nach der Übergabe der Schulleitung an ihren Bruder Dr.Gustav Janson 1907 weiter am Lehrerinnenseminar unterrichtete, der solidarischen Kündigung einiger Kolleginnen nach der Entlassung Heinekens durch den neuen Schulleiter nicht an.

Anders als die Leistungen ihres Vaters und ihres Bruders wurden die Ida Jansons in den Presseberichten zum 50jährigen Jubiläum der A.M.Janson Schule nur am Rande erwähnt.[5] Auch lehnte die Senatskommission für das Unterrichtswesen, die Dr.Gustav Janson schon zwei Jahre nach seinem Amtsantritt zum Professor erhoben hatte, das Gesuch mehrerer Lehrerinnen, Ida Janson nach 25jähriger verdienstvoller Leitung der Schule die gleiche Ehrung zu erweisen, ab; ihr sei „für die langjährige Wirksamkeit zur Erziehung der weiblichen Jugend sowie der Ausbildung von Lehrerinnen bei geeigneten Anlässen“ bereits „die vollste Anerkennung…zum Ausdruck gebracht worden.“[6]

Ida Janson starb nach langer, geduldig ertragener Krankheit im Alter von 76 Jahren.

Anmerkungen:
[1] Brief von Ida Janson an die Eltern März 1896 StAB 4,36-92.
[2] Brief von Ida Janson an die Eltern April 1896 StAB 4,36-92.
[3] Visitationsbericht 12.März 1890 StAB 4,36-92.
[4] Dewers, Ferdinand: Janson, Ida. In: Bremische Biographie 1912-1962, Bremen 1969, S.259f.
[5] Bremer Nachrichten 24.3.1904, 8.4.1904.
[6] Schreiben der Senatskommission für das Unterrichtswesen an B. Heidelberg 1.6.1909 StAB 4,36-92.

Literatur und Quellen:
Bremer Nachrichten 1909, 1934, 1952.
Bremische Biographie 1912-1962, Bremen 1969, S.259f.
Bremische Biographie des 19.Jahrhunderts, Bremen 1912, S.235f.
Cyrus, Hannelore: Janson, Ida. In: dies. u.a. (Hrsg.): Bremer Frauen von A bis Z, Bremen 1991, S.223f.
StAB 4,36-92.
StAB 4,36-96.

Romina Schmitter