Artikel

Jensen, Elisabeth, gen. Elise, geb. Johannsen

1.1.1877 in Uelzen – 28.5.1924 in Bremerhaven

Die Tochter eines Arbeiters lebte seit ihrer Heirat (1899) mit dem bei Kiel aufgewachsenen Tischler Heinrich Jensen (geb. 1872) zunächst in Hamburg und dann 12 Jahre in Kiel, wo ihre vier Kinder geboren wurden. Im Zusammenhang mit der beruflichen Veränderung ihres Mannes, der damals eine Stellung als Geschäftsführer des Holzarbeiterverbandes annahm, kam die Familie 1911 nach Bremerhaven.

Im sozialdemokratisch-gewerkschaftlichen Milieu der Hafenstadt begann Elise J. sich bald politisch zu engagieren und vermochte dabei gegenüber ihrem Mann, der später als erster Parteisekretär (1920-1923) und Stadtverordneter (1914-33, Vorsteher 1919-25) für die SPD wirkte, schließlich eine eigenständige politische Rolle zu erringen. Als begabte, vielfach auch kämpferische Rednerin und aufgrund ihrer sachkundigen Beiträge fand sie offenbar großen Zuspruch.

Bei der Wahl zur bremischen Nationalversammlung am 9.3.1919, bei der bereits das Frauenwahlrecht galt, kandierte sie auf Platz 2 der Liste der Mehrheitssozialdemokraten für den Wahlkreis Bremerhaven und zog als erste Bremerhavenerin zusammen mit vier weiteren Genossen in die konstituierende Versammlung ein. Bei den Wahlen für die Bremische Bürgerschaft konnte sie im Juni 1920 ihren Sitz wiedergewinnen und ihn dann auch 1921 und 1923 behaupten. Eine Reichstagskandidatur für den Wahlkreis Ost-Hannover (1920) blieb hingegen erfolglos.

In ihrer parlamentarischen Arbeit, die sie durch Beiträge in der örtlichen Parteizeitung Norddeutsche Volkstimme und durch rege Mitarbeit in den Parteigremien begleitete, setzte sie sich insbesondere für sozial- und frauenpolitische Belange ein, wozu die Aufhebung der Kinderarbeit, die Einrichtung von Haushaltungsschulen, die rechtliche Gleichstellung von ehelichen und unehelichen Müttern sowie eine angemessene Wohnungsversorgung gehörten. Als Mitglied der Deputation für Gefängnisse sprach sie sich für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern sowie für die gesonderte Heimunterbringung von werdenden und stillenden Müttern aus. Darüber hinaus initiierte sie erfolgreich bauliche Veränderungen und die Vergabe von Arbeiten an Strafgefangene.

Angesichts des noch geringen politischen Interesses von Arbeiterfrauen suchte sie diese durch die Parteipresse zu mobilisieren und ihre Mitwirkung in parlamentarischen Gremien durch Quotierung bei der Vergabe von Listenplätzen zu stärken. Ihr im November 1923 wiedererrungenes Mandat konnte sie wegen einer tödlichen Erkrankung nur ein halbes Jahr lang ausüben. Das Schicksal ihres Mannes und ihrer Kinder nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten liegt im Dunkeln.

2001 wurde eine Straße im Stadtteil Lehe nach Elise Jensen benannt.

Literatur und Quellen:
Bickelmann, Hartmut (Hrsg.): Bremerhavener Persönlichkeiten aus vier Jahrhunderten, Brhv. 2.Aufl. 2003, S.150-151 (Erstveröffentlichung), dort weitere Nachweise.
Vogt, Karin: Für Elise Jensen – Straße in Lehe, in: Heimat Nordseeküste 2008, S.92-93.
Windhövel, Ulrike: Elise Jensen, in: Renate Meyer-Braun (Hrsg.): Frauen ins Parlament! Porträts weiblicher Abgeordneter in der Bremischen Bürgerschaft, Bremen 1991, S.93-106.

Hartmut Bickelmann