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Kappenberg, Ella

24.3.1897 in Halle (Saale) – 4.9.1988 in Lilienthal bei Bremen

Nach dem Studium von Philosophie, Germanistik und Geschichte in München und Jena verbrachte die Tochter eines Bankangestellten ihre Referendarzeit in Magdeburg, um 1929 eine Stelle als Studienrätin am Bremerhavener, von Dr. Alwin Wode geleiteten Lyzeum anzutreten. Nach dessen Schließung wechselte sie 1941 zur Geestemünder Oberschule für Mädchen.

Während des Nationalsozialismus konnte sie die Mitgliedschaft in der NSDAP vermeiden, wurde jedoch wegen nicht systemkonformer Äußerungen mehrfach denunziert und entging einer drohenden Verhaftung im März 1945 nur wegen der allgemeinen Auflösungserscheinungen kurz vor Kriegsende.

1947 wurde sie – gegen anfängliche eigene Bedenken – zur Rektorin der Theodor-Storm-Schule (Mädchenschule) berufen. Zugleich wurde sie vom Schuldezernenten Walter Ballof (SPD) beauftragt, eine Volkshochschule ins Leben zu rufen. Diese Aufgabe nahm sie ebenso wie dann die Leitung der VHS (bis 1956) – beides auf ehrenamtlicher Basis – mit Elan, Sachkenntnis und Überzeugungskraft wahr. Es gelang ihr, zahlreiche einheimische und auswärtige Dozenten zu gewinnen und das Kulturleben zu bereichern. Ihrem Naturell gemäß den Schwerpunkt auf schöngeistige Fächer – Literatur, Kunst, Musik, Theater, Philosophie – legend, vernachlässigte sie jedoch keineswegs den Bereich der Fremdsprachen, der praktischen Alltagsbewältigung und der beruflichen Fortbildung. Mit insgesamt 40.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern konnte sie eine beachtliche Bilanz ihres achtjährigen Wirkens für die VHS ziehen.

Obwohl die Aufgaben der Erwachsenenbildung der überzeugten Pädagogin näherlagen als die mit der Leitung der Theodor-Storm-Schule und des ihr 1950 im Zuge einer Reform zusätzlich übertragenen Schulkombinats (Oberlyzeum) unweigerlich verbundene Verwaltungstätigkeit, setzte sie sich energisch für die Interessen des ihr anvertrauten Bereichs ein. Sie förderte insbesondere die musische Ausbildung, für die sie eine Reihe engagierter Kollegen und Kolleginnen gewinnen konnte, stand aber als langjährige Mädchenschullehrerin der 1956 eingeführten Koedukation skeptisch gegenüber.

Seit 1959 im Ruhestand in Worpswede lebend, widmete sie sich u.a. der Hobbymalerei, bei der sie Landschaftsmotive bevorzugte. 1978 zog sie in ein Seniorenheim nach Lilienthal, wo sie ein Jahr nach ihrem 90.Geburtstag, den sie mit großer Anteilnahme von Freunden und Bekannten begangen hatte, verstarb. Sie blieb zeitlebens unverheiratet.

Die Volkshochschule ehrte sie 2008, indem sie anlässlich der von ihr veranstalteten Bremerhavener Frauenwoche der Aula ihren Namen gab.

Literatur und Quellen:
Bickelmann, Hartmut (Hrsg.): Bremerhavener Persönlichkeiten aus vier Jahrhunderten, Brhv. 2.Aufl. 2003, S.158-159 (Erstveröffentlichung), dort weitere Nachweise.
Bremerhaven 1945-1955. Wiederaufbau in Wort und Bild, Brhv.1955, S.48.
Nordsee-Zeitung 9.3.2008.
StadtA Brhv., 3 Alben aus dem Nachlass von E.K. mit Fotos ihrer Gemälde.
50 Jahre Volkshochschule Bremerhaven, Brhv.1997, S.16-36.

Hartmut Bickelmann