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Koll, Magdalene, gen. Magda

22.5.1879 in Hamburg – 11.2.1962

Über die Familie und Kindheit der Magda Koll ist nichts bekannt.

„Mein Lebensschicksal ist meine Kunst“, sagte Madga K.,[1] das war die Quintessenz ihres Lebens. Sie hatte nach ihren eigenen Angaben eine lange und vielfältige Ausbildung hinter sich, sie nannte „eigentlich drei Anläufe zur Kunst“,[2] die allerdings durch familiär und finanziell bedingte Arbeitsjahre als Grafikerin unterbrochen wurden.

Sie arbeitete ab 1897 als Porträtzeichnerin in Hamburg, ging dann 1900 auf Anraten von Lichtwark nach Berlin an die Steglitzer Werkstatt zu Prof. Ehmcke, der damals bekanntesten und modernsten Schule auf dem Gebiet des Buchgewerbes, und 1903 nach München auf die Künstlerinnen-Akademie. Ab 1911 musste sie für zwei Jahre nach Hamburg zurückkehren, vermutlich wegen des Todes ihres Vaters. Ab 1913 arbeitete sie für Prof. Ehmcke, sowie für einige Firmen – u.a. Auto Hansa – als Reklamezeichnerin. Sie bekam einen Preis beim Wettbewerb der Künstlerhilfe, erhielt 1918 ein Stipendium (Bremen) und konnte damit nach München in die Schriftschule zu Prof. Anna Simons gehen. 1918 bis 1921 wurde sie Assistentin an der Kunstgewerbeschule in München.

1924, zurückgekehrt nach Bremen, arbeitete sie noch einige Zeit als Angestellte und später als freie Grafikerin und finanzierte sich daneben durch ihren Verdienst als Lehrerin an Berufs- und Handelsschulen, dem Frauenerwerbs- und Ausbildungsverein und der Volkshochschule.

Sie muss nach Aussagen von jüngeren Künstlerkolleginnen eine sehr beeindruckende Persönlichkeit gewesen sein, die noch bis ins hohe Alter künstlerisch tätig war. Sie pflegte freundschaftliche Kontakte zu Kolleginnen, u.a. mit Gustava Tölken und besprach ihre Arbeiten mit wesentlich jüngeren Bildhauerinnen, wie Ingeborg Siese, die eine Porträtbüste von ihr modellierte. Viele kannten sie als hervorragende Schriftlehrerin. Die besondere Qualität sowohl ihrer freien als auch der Auftragsarbeiten lag in ihrer im positiven Sinne plakativen Behandlung der Motive. Sie besaß ein sicheres Gespür für die grafische Gestaltung und setzte oft pastellig-matte Farben gezielt und eigenwillig zur Unterstützung ein. In der Abstraktion ging sie so weit, wie die Technik (insbesondere Holz- und Linolschnitt) es forderte oder der Gegenstand eine leise ironisch-karikaturistische Überzeichnung vertrug. Anklänge an den japanischen Holzschnitt lassen dessen Kenntnis vermuten, zumal die Kunsthalle schon damals eine gute Sammlung beherbergte.[3] Sie selbst sagte: „Die angewandte Kunst fordert den ganzen Menschen…wenn sie Kunst sein soll. Das ist ja gerade das Bemerkenswerte an ihr, dass sich das Schöpferische immer wieder unterordnen muss. … Das kostet manche Überwindung. Aber eines Tages zeigt sich vielleicht doch, dass wir persönlich da am Stärksten sind, wo wir am meisten von uns selbst aufgeben zu müssen glaubten.“[4]

Ausstellungen beschickte sie nur sporadisch. 1949 wurden zahlreiche Werke von ihr in einer gemeinsamen Ausstellung mit Hans Buch und Werner Sehlbach mit dem Titel „Bild und Schrift“ in der Kunsthalle gezeigt. Der Weser-Kurier schrieb über ihr Schaffen:„ Im Kupferstichkabinett sind Zeichnungen, Linolschnitte, Aquarelle von Magda Koll vereint. Die Siebzigjährige, als Schriftkünstlerin Verlagen, öffentlichen Institutionen und Firmen seit Jahrzehnten vertraut, steht noch heute mitten in der Arbeit. Einst Schülerin von Anna Simons, hat sie in ihrem reichen Schaffen das Antlitz mancher Ehrenurkunde bestimmt, bremische Verlagszeichen entworfen und ihrer lebendigen Phantasie Spielraum gelassen, so dass sie sich eine großen Kreis an Freunden und Verehrern gewann.“[5]

Als sich 1953 Bremer Künstler und Künstlerinnen zur „Bremer Sezession“ zusammenschlossen, gehörte auch sie dazu.[6] 1955 waren Werke von ihr in einer Ausstellung Bremer Künstlerinnen und Künstler im Graphischen Kabinett zu sehen.

Im Mai 1950 und 1959 zeigte das Kupferstichkabinett in der Kunsthalle anlässlich ihres Geburtstages je eine Ausstellung von ihr. In der letztgenannten Ausstellung waren neue Ölbilder, Aquarelle und farbige Linolschnitte von ihr zu sehen.[7]

Außer der Kommunalen Galerie, die 30 Arbeiten, davon 24 Farbdrucke kaufte, besitzt das Focke-Museum mehrere Werke, davon auch heute noch einige in der Vorbildersammlung. Im Staatsarchiv Bremen befinden sich zahlreiche Plakate der Künstlerin.

Publikationen:
Die Schilder- und Plakatschrift: Anleitung zur Erlernung der Quellstift-, Feder- und Lackschrifttechnik und ihrer Anwendung im Entwerfen von Schildern und Plakaten, 1921
Von Magda Koll für den Schünemann-Verlag geschaffenes Logo

Anmerkungen:
[1] BZ 21.7.1936.
[2] ebda.
[3] Jacob, Inge: Magda Koll, in: Cyrus, H. u.a. (Hrsg.), S.108.
[4] BZ 21.7.1936.
[5] Weser-Kurier 24.5.1949.
[6] Weser-Kurier 10.10.1953.
[7] Weser-Kurier 27.5.1959.

Literatur und Quellen:
Bremer Zeitung 21.7.1936.
Cyrus, Hannelore u.a. (Hrsg.): Bremer Frauen von A bis Z, Bremen 1991.
Cyrus, Hannelore: Zwischen Tradition und Moderne. Künstlerinnen und die bildende Kunst in Bremen bis Mitte des 20.Jahrhunderts, Bremen 2005, S.122-126.
Elmshäuser, Konrad: Bremer Plakatkunst vor dem Ersten Weltkrieg, in: Bremisches Jahrbuch 93 (2014), S. 9-25.
Vollmer, H.: Lexikon der Bildenden Künste des 20. Jahrhunderts, Leipzig 1953.
Weser-Kurier, 24.5.1949, 10.10.1953, 27.5.1959.
Zeit ohne Verhältnisse, Katalog, Bremen 1985.

Inge Jacob (mit Ergänzungen)