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Kreipe, Frida, geb. Aumann

15.1.1894 in Lehe – 26.1.1980 in Bremerhaven

Die Tochter des Lehrers Chr. Aumann ergriff zunächst ebenfalls den Lehrerberuf. Nach der Ausbildung kehrte sie nach Lehe zurück, wo sie eine Anstellung an der Knabenabteilung der Körnerschule fand. Sie musste ihre Tätigkeit allerdings 1922 nach ihrer Heirat mit dem Lehrer und späteren Rektor Heinrich Kreipe (1892-1966) aufgeben, da zum damaligen Zeitpunkt verheiratete Frauen wegen des großen Lehrerüberschusses und des Beamtinnen-Zölibats nicht mehr unterrichten durften. In der Folgezeit betätigte sie sich in der Sozialfürsorge der Arbeiterwohlfahrt (AWO) bis zu deren gewaltsamen Auflösung durch das NS-Regime im Jahre 1933.

Dieses Engagement resultierte aus einer politischen Orientierung, die vermutlich durch ihren Mann gefördert wurde, der von 1924 bis 1933 ein Mandat als Bürgervorsteher (Stadtverordneter) der SPD in Wesermünde ausübte. Sie selbst trat 1924 in die SPD ein. Die Jahre 1933-1945 überstand das Ehepaar, nach der Entlassung des Ehemanns aus dem Schuldienst und unter ständiger Überwachung durch das NS-Regime, in bescheidenen finanziellen Verhältnissen und in innerer Emigration.

Nach dem Ende des 2.Weltkrieges gehörte Frida K. zusammen mit ihrem Mann zu dem kleinen Zirkel von Sozialdemokraten, die sogleich Schritte zum Wiederaufbau der Partei und des politischen Lebens unternahmen. Während er in den Schuldienst zurückkehrte, um dort bis 1959 Leitungsfunktionen zu übernehmen (zuletzt in der Lessing-Schule), wandte sie sich der Kommunalpolitik zu. Von 1946 bis 1947 gehörte sie der von der amerikanischen Militärregierung ernannten Stadtvertretung Wesermünde an. Danach, in den Jahren 1947-1951 und 1955-1963, war sie Mitglied der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung. Parallel dazu wirkte sie von 1947 bis 1955 als Bremerhavener Abgeordnete in der Bremischen Bürgerschaft mit. In beiden Gremien widmete sie sich vor allem der Schul- und Kulturpolitik sowie Wohnungsbaufragen. Gesundheitliche Gründe zwangen sie 1963, auf eine erneute Kandidatur für das Stadtparlament zu verzichten.

Die Stadt Bremerhaven ehrte Frida Kreipe 1970 durch Ernennung zur Stadtältesten.

Literatur und Quellen:
Bickelmann, Hartmut (Hrsg.): Bremerhavener Persönlichkeiten aus vier Jahrhunderten, Brhv. 2.Aufl. 2003, S.177-178, Erstveröffentlichung.
Adamietz, Horst: Das erste Kapitel, Bremen 1975, S.65, 410.
ders.: Die 50er Jahre. Bremer Politiker 1951-1959, Bremen 1978, S.321.
Einwohnerbuch Bremerhaven 1920, Behördenteil (Schulen).

Uwe Jürgensen