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Laubner-Padelt, Margret, geb. Padelt

15.8.1900 in Königsberg – 1965 in Bremen

Margret wuchs in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Der Vater war Direktor der Landwirtschaftlichen Lehranstalten, die Mutter eine sehr eindrucksvolle Erscheinung. Margaret plante ihre Ausbildung zur Malerei frühzeitig und sehr bewusst. Mit 16 Jahren nahm sie Zeichenunterricht bei Anna Feldhusen und Malunterricht bei Elisabeth Hausmann. Sie ging danach sporadisch auf die Bremer Kunstgewerbeschule. Sie studierte bei den Professoren Perks, Menz und dem Tierbildhauer Laubner, den sie viele Jahre später heiratete. Sechs Wochen war sie auch bei Jäckel in Berlin. Längere Zeit in Berlin oder Paris hätten ihr das „nötige Feuer“ gegeben, um aus der provinziellen Kunst Bremens aussteigen zu können, so die Einschätzung von Künstlerkollegen. Sie soll aber nicht den Mut dazu gehabt haben, wie eine Zeitzeugin vermutete. Die Ausbildung sicherte ihr jedoch im Zeichnerischen und Malerischen solide Grundkenntnisse.

Zusammen mit ihrer Mutter – zum Bruder herrschte ein gespanntes Verhältnis – konnte sie kaum von der Rente des im Krieg gefallenen Vaters leben. So begann sie, Porträts von Bremer Familien, besonders von Kindern, zu malen und wurde hierin von einer Freundin, die die Kontakte herstellte, unterstützt. Als die Mutter gegen Ende des Krieges ebenfalls starb, stand Margret P. vor dem Nichts.

Sie behielt nur eine Dachstube in Bremen und lebte sehr ärmlich in Moorhausen/Lilienthal in ihrem Atelier, einem ehemaligen Schafstall. Nach Kriegsende malte sie, durch dieselbe Freundin vermittelt, Porträts von amerikanischen Soldaten und deren Frauen und auch weiterhin von Bremer Familien und sicherte so ihren Lebensunterhalt, wenn auch sehr kärglich. Sie wurde als eine schöne Frau beschrieben mit „wunderschönem kupferfarbenem Haar, weißer Haut, grünen Augen und fruchtigem Mund“, die aber sehr schüchtern und scheu war und sich vor fremden Menschen fürchtete. „Sie war eben keine für ein flottes Künstlerleben“, wie eine Zeitzeugin berichtete. Ihr Wesen war ihr bei der Beschaffung und Ausführung von Aufträgen wohl eher hinderlich. Sie war nie neidisch oder missgünstig, hatte ein sicheres Urteil über ihre eigene Kunst und die der anderen. Durch ihre Dauerbronchitis und viele Krankheiten – später war sie fast taub – und durch ihre eher schwierige Ehe wurde sie immer eigensinniger, den Menschen abgewandter. Sie machte mehrere Selbstmordversuche und soll schon vor ihren Klinikaufenthalten nicht mehr gemalt haben. Zum Schluss habe sie nur noch Teller mit Kartoffelstempeln bedruckt, die „so spröde und stachelige kleine Machwerke waren, wie ihr eigenes, zerstörtes Leben“ (Zeitzeugin). Sie beteiligte sich in der Zeit von 1928 bis 1948 in der Kunstschau in der Böttcherstraße mit Blumenstilleben und Arbeiten, die als „von innen her gesehene“ (Kinder-) Porträts gelobt wurden, an Ausstellungen.[1]

Sie selbst soll als Vorbild Leibl genannt haben.[2] Zwischen 1932 und 1948 beschickte sie mit der GEDOK[3] die Ausstellungen im Graphischen Kabinett und 1952 bis 1954 mit dem Künstlerbund die in der Kunsthalle. Auch auf der Kunstausstellung der Gaukulturtage Weser-Ems in Oldenburg 1944 war sie vertreten.

Die Werke der Künstlerin sind von unterschiedlicher Qualität. Es gibt die eher lieblichen Kinderbildnisse, die wohl den Unterhalt sichern sollten, aber auch das kühn gesehene, realistisch dargestellte „Arbeitermädchen“, dem jede Niedlichkeit fehlt. Es lässt entfernt an Paula Becker-Modersohn denken. Porträts von hohem technischem Können stehen neben Tuschzeichnungen von spielenden Tieren und schlafenden Säuglingen, daneben wieder das hervorragende ausdrucksstarke Bildnis einer alten Frau.

Die Bremer Kommunale Galerie[4] erwarb 22 ihrer Arbeiten (Ölbilder, Aquarelle, Grafiken und eine Kohlezeichnung). Die Kunsthalle besitzt zwei Ölbilder „Arbeitermädchen“, „Schlafendes Kind“ und eine Kohlezeichnung.

Anmerkungen:
[1] BZ 11.11.1933.
[2] BN 12.9.1937.
[3] Die Künstlervereinigung wurde 1926 in Hamburg als „Gemeinschaft Deutscher und Österreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ gegründet.
[4] seit 2003 Graphohek in der  Zentralbibliothek Bremen.

Literatur und Quellen:
Augustiny, Waldemar: Ausstellung des Künstlerbundes in der Kunsthalle, in: Weser-Zeitung, Morgenausgabe, 15.11.1931.
Bremer Nachrichten, 15.11.1931, 12.9.1937, 12.11.1937.
Bremer Zeitung, 11.11.1933.
Kain, Robert: Ausstellung des Bremer Künstlerbundes in der Kunsthalle, in: Bremer Nachrichten, 15.11.1933.
Katalog: Zeit ohne Verhältnisse, Kunst in Bremen nach 1945, Bremen 1985.
Krahé, Frauke: Allein ich will. 20 Malerinnen aus Bremen, Worpswede und Fischerhude, Lilienthal 1990
Vollmer, Hans (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler des 20. Jahrhunderts, Leipzig 1953–1962, Bd. 3, S.537.
Westermanns Monatshefte 147, 1929/30, S.638; 148, 1931, S.393, Taf. gegenüber, S.346.

Inge Jacob (mit Ergänzungen)