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Loesche, Elisabeth

24.4.1896 in Bautzen – 1.9.1967 in Bremen

Elisabeth, Tochter eines Offiziers, besuchte in Leipzig die Höhere Mädchenschule und anschließend eine sozialpädagogische Frauenschule. Diese Ausbildung ermöglichte ihr eine qualifizierte berufliche Tätigkeit als Erzieherin und Leiterin eines Kindergartens. Sie gehörte in Leipzig einem Kreis der Bekennenden Kirche an. Nach 1945 schloss sie sich der CDU in der sowjetischen Besatzungszone an und wurde Mitglied des Leipziger Parteivorstandes.

1948 siedelte sie mit ihrem Mann nach Bremen über, weil dieser an der hiesigen Pädagogischen Hochschule eine Stelle erhalten hatte. Hier übernahm sie die Leitung des CDU-Frauenausschusses, was sie auch schon in Leipzig getan hatte. Ferner arbeitete sie als Vertreterin der CDU im 1946 gegründeten überparteilichen Bremer Frauenausschuss (BFA) mit. Hier leitete sie mit großem Engagement den Arbeitskreis Wohnungsbau und Wohnungsfragen. Als der BFA 1952 an das Vorhaben ging, eine Anlage mit kleinen Wohnungen für allein lebende Frauen zu gründen, wurde sie die Vorsitzende des zu diesem Zweck gegründeten Vereins „Bremer Frauenwohnheim e.V“. Schirmherrin wurde Helene Kaisen, das finanzielle Rückgrat bildete die Sparkasse Bremen. Vereinszweck war, sich „der Behebung der Wohnungsnot alleinstehender berufstätiger Frauen [zu] widmen.“[1] Vorbedingung für das Mieten einer der Wohnungen war also die Berufstätigkeit der Bewerberin. Elisabeth L., die 1951 für die CDU in die Bürgerschaft eingezogen war, bildete zusammen mit der FDP-Bürgerschaftsabgeordneten Elly Ley den Motor bei der Realisierung des Frauenwohnheims am Hauptmann-Böse-Weg in Schwachhausen. Im Februar 1954 konnten die ersten Frauen einziehen. Sie war es auch, die sich als Vertreterin des BFA in die großen neuen Wohnungsbauvorhaben dieser Jahre einmischte und von den Wohnungsbaugesellschaften eine für die Hausfrau günstige ergonomische Küchenplanung forderte.

Bis 1959 blieb sie Abgeordnete; in den Jahren von 1951 bis 1955 und von 1957 bis 1959 saß sie als Schriftführerin im Bürgerschaftsvorstand. Schwerpunkt ihrer parlamentarischen Tätigkeit war die Arbeit in der Deputation für das Wohnungswesen. Die Bekämpfung der großen Wohnungsnot war in den 50er Jahren eine der zentralen Aufgaben des Parlaments.

Die Abgeordnete Loesche konnte sich auch eine Aufgabe auf einer höheren parlamentarischen Ebene vorstellen; denn 1953 kandidierte sie für den Bundestag, allerdings auf einem aussichtslosen Platz der CDU-Landesliste. Im Juli 1959, wenige Monate vor der anstehenden Bürgerschaftswahl, verließ sie zusammen mit Fritz Thielen (der später zur NPD ging) und Cäcilie Triebel die CDU-Bürgerschaftsfraktion und wechselte zur weiter rechts stehenden DP (Deutsche Partei) über. Ihr hatte der politische Kurs, den die CDU in der Großen Senatskoalition mit der SPD seit 1951 verfolgte, nicht zugesagt. Sie war eine grundsätzliche Gegnerin dieser Koalition. Bei der Bürgerschaftswahl im Oktober 1959 kandidierte sie denn auch auf der Liste der Deutschen Partei, allerdings nicht an aussichtsreicher Stelle. Den Sprung ins Parlament schaffte sie nicht wieder. Anfang September 1967 starb sie im Alter von 71 Jahren, offenbar unerwartet, denn noch kurz vor ihrem Tode hatte sie sich auf der Liste der DP wieder für die bevorstehende Bürgerschaftswahl aufstellen lassen.

Anmerkungen:
[1] StAB 7,1077-56.

Literatur und Quellen:
Adamietz, Horst: Die fünfziger Jahre. Bremer Parlamentarier 1951-1959, Bremen 1978.
Handbuch der Bremischen Bürgerschaft 3. und 4.Wahlperiode (1951-1959).
Weser Kurier vom 22.2.1952 und vom 27.2.1954 (Frauenwohnheim).
Weser Kurier 5.9.1967 (Nachruf).
Zeitzeugenberichte.

Renate Meyer-Braun