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Maske, Ida

5.5.1897 in Bremen – 5.6.1987 in Bremen-Lesum

Ida war die Tochter des Bremer Blumenhändlers Hans Maske und seiner Ehefrau Emma, geb. Osmers. Sie wuchs im Rembertiviertel in Bremen auf. Sie besuchte von 1903-1913 die Kippenbergschule und von 1913-1917 das Realgymnasium.[1]

Nach dem Abitur hätte sie gern den ungewöhnlichen Beruf der Fliegerin erlernt, doch auf Anraten ihrer Eltern studierte sie in Göttingen, München und Jena Chemie, Physik und Mathematik für das höhere Lehramt. Im Jahre 1922 legte sie in Göttingen ihre wissenschaftliche Prüfung ab und kehrte nach dem Referendariat 1925 nach Bremen zurück. Dort begann sie ihre Tätigkeit als Studienrätin zunächst am Lyzeum Vietor,[2] unterrichtete dann im Lyzeum in der westlichen Vorstadt, heute Lange Reihe in Walle, und arbeitete von 1942-1945 im Lyzeum an der Karlstraße.[3]

Während der Diktatur des „Dritten Reichs“ ließ sie sich nicht von der nationalsozialistischen Ideologie einnehmen, sondern erteilte diesen Denk- und Handlungsweisen eine entschiedene Absage. Nach dem Kriege wurde ihr 1945 die Schulleitung der Mädchenoberschule An der Kirchheide in Bremen-Vegesack übertragen. Drei Jahre später erhielt sie ihre Ernennung zur Oberstudiendirektorin und übte ihren Dienst bis zu ihrer Pensionierung im Herbst 1959 aus.

Sie hatte die schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe einer Schulleiterin in der Zeit übernommen, in der nicht genügend Lehrkräfte zur Verfügung standen und ein großer Mangel an Lehr- und Lernmitteln bestand. Sie leitete ihre Schule unter Einsatz aller ihrer Kräfte streng nach Gesetz und Ordnung. Ihr Streben innerhalb der Vielfalt der pädagogischen Aufgaben galt besonders der Verwirklichung von Gerechtigkeit und der Linderung sozialer Missstände. Wo es ging, rief sie zu tätiger Hilfe auf und half selbst idealistisch und selbstlos. Im Sinne Alberts Schweitzers wollte sie „für Menschen, die eines Menschen bedürfen“, Mensch sein. So engagierte sie sich immer wieder mit höheren Geldspenden für die 3.Welt und für die Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel. Außerdem kam es vor, dass sie begabten Schülerinnen aus eigenen Mitteln das Studium finanzierte, wenn diese aus sozial schwachen Familien kamen und ein Hochschulbesuch nicht möglich gewesen wäre. Oder sie erteilte bei Bedarf kostenlos Nachhilfeunterricht. Aus diesem Denken und Handeln heraus legte sie schon zu Lebzeiten testamentarisch fest, dass ihr 1927 mit den Eltern gemeinsam erworbenes Haus in Lesum nach ihrem Tode den Anstalten in Bethel vermacht werden sollte. Sie betrachtete sich im Sinne des Astronomen Johannes Kepler als jemand, der nicht für sich selbst in die Welt gestellt worden ist, sondern als jemand, der seine Gaben empfangen hat, um damit auch anderen nützlich zu sein.

Für Ida M. war die Schule stets wichtigster Lebensinhalt. Dabei maß sie alten Werten und Traditionen großes Gewicht bei, während sie pädagogischen Neuerungen allgemein wenig aufgeschlossen gegenüberstand. Als z.B. in den 50er Jahren das benachbarte Gerhard-Rohlfs-Gymnasium die als progressiv eingestufte Koedukation einführte, wandte sich die Pädagogin entschieden gegen eine solche Praxis an ihrer Schule. Sie begründete ihre ablehnende Haltung aber nicht mit pädagogischen Argumenten, sondern fürchtete lediglich, die Mädchen könnten von den Jungen belästigt und abgelenkt werden. In ihrer Abschiedsrede äußerte sie sich zu pädagogischen Neuerungen so: „Das organisatorische Wachstum einer Schule verträgt ebenso wenig Störungen und Experimente wie das Wachstum einer Pflanze, die verkümmert, wenn man sie öfter aus der Erde nimmt, um zu sehen, ob sie schon Wurzeln geschlagen hat.“[4]

Anmerkungen:
[1] heute Gymnasium an der Hermann-Böse.-Str.
[2] heute Schule an der Carl-Schurz-Str.
[3] Das Schulgebäude existiert heute nicht mehr.
[4] Abschiedsrede

Literatur und Quellen:
Maske, Ida: Abschiedsrede anlässlich ihrer Pensionierung; Norddeutsche – Volkszeitung 1.10.1959
Schütze, Johannes, Oberstudiendirektor i.R.: Interview mit der Verfasserin im Mai 1991
Zinke, Lisa (Cousine Ida Maskes): Interview mit der Verfasserin Mai 1991.

Helga Fuhrmann