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Nonnen, Rebecka, gen. Becke, geb. Timmermann

Anfang 1644 in Lehe – 17.6.1719 in Lehe[1]

Rebecka gehörte zur weitverzweigten Leher Familie Timmermann und war die Ehefrau des Hausmanns Claus Nonnen (1640-1694), der einer vermögenden Kaufmannsfamilie des Fleckens entstammte. Er nahm als einer der führenden Kaufleute Lehes am Seehandel und an der Grönlandfahrt[2] teil und besaß Anteile an mehreren Schiffen. Nach dessen Tod führte sie das Unternehmen, z.T. zusammen mit ihrem Sohn Johann Nonnen, erfolgreich fort. Schwerpunkt der Reederei, für die sie auch Waren zur Ausrüstung und Proviantierung der Schiffe lieferte, war neben der Grönlandfahrt der Ostseehandel, bei dem sie zeitweise an vier Schiffen beteiligt war, die in Lehe und Wremen beheimatet waren.

Ein zweites Standbein war der regionale Handel mit einheimischen Produkten, insbesondere mit Flachs und Bier. In diesem Zusammenhang stand sie in regelmäßigen geschäftlichen Beziehungen zum Flecken Lehe; dass diese wirtschaftliche Betätigung durchaus lukrativ war, geht daraus hervor, dass sie dem Flecken mindestens einmal ein Darlehen gewährte.

Ihr Sohn Johann (27.3.1670-9.12.1750), der seit 1679 die Lateinschule in Bremen besucht und danach eine kaufmännische Lehre absolviert hatte, eröffnete – unabhängig von seinem weiteren geschäftlichen Engagement in Lehe – später in der Hansestadt ein eigenes Handelshaus, heiratete 1700 Johanna Barkey, die Tochter seines ehemaligen Lehrherrn, des Eltermanns Berend Barkey, und stieg 1717 zum Ratsherrn auf. Wohl über seine hervorragenden gesellschaftlichen Verbindungen gelang es auch seinen beiden in Lehe geborenen Schwestern, in höchste bremische Kreise Eingang zu finden. Veronica (1682-1724) ehelichte 1703 Johanns Schwager, den Kaufmann Anthon Barkey, während Adelheid (1680-1762) im folgenden Jahr die Ehe mit dem späteren Eltermann und Ratsherrn Burchard Deneken schloss.

Auf diese Weise avancierte Becke N. nicht nur zur Stammmutter der angesehenen bremischen Familie Nonnen, aus der Ratsherren, Theologen, Bibliothekare und Juristen hervorgingen; in Verbindung mit dem rasanten gesellschaftlichen Aufstieg ihrer drei Kinder steht ihr Name generell für eine ungewöhnliche familiäre Beziehung zwischen Lehe und Bremen in einer speziellen historischen Phase. Ihre Bedeutung als Person liegt vor allem aber darin, dass sie zu den ersten Frauen im Gebiet der heutigen Stadt Bremerhaven gehört, die als eigenständige und erfolgreiche Gestalterinnen des Wirtschaftslebens sichtbar in Erscheinung getreten sind.

Anmerkungen:
[1] Datum der Beisetzung.
[2] Walfang und Robbenschlag.

Literatur und Quellen:
Bickelmann, Hartmut (Hrsg.): Bremerhavener Persönlichkeiten aus vier Jahrhunderten, Brhv. 2.Aufl. 2003, S.236-237 Erstveröffentlichung, dort auch ein Artikel zu Johann Nonnen.
Die Maus, Gesellschaft für Familienforschung e.V., Bremen: „Das Goldene Buch“, Bl.11, 51, 213; Graue Mappen, Deneken 8, D 003, D 005, D 014, D 020.
Prange, Ruth: Die bremische Kaufmannschaft des 16. und 17.Jahrhunderts in sozialgeschichtlicher Betrachtung, Bremen 1963, S.74, 80-81, 124-125, 226, 138, 197.
Scheper, Burchard: Eine Nachricht über die Familie Nonnen in Lehe und die Grönlandfahrt im 17.Jh., in: Jahrb. der Männer vom Morgenstern 60 (1981), S.219-224.
StA Stade, Ev.-ref. Kirche Lehe, Kirchennebenbuch 1719, Begr. (Kopie im StadtA Brhv.).
Tiedemann, Claus: Die Schiffahrt des Herzogtums Bremen zur Schwedenzeit (1645-1712), Stade 1970, S.58-64, 142, 148, 154-157, 162, 166-171,186, 190, 194, 198, 202, 206-209.

Hartmut Bickelmann