Artikel

Plate, Anna

26.8.1871 in Bremen – 23.7.1941 in Löbichau bei Dresden

Anna war die Tochter eines Richters, ihre künstlerische Ausbildung begann in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts bei Kunz Meyer und Gottfried Hofer. In München setzte sie ihre Studien bei Schmid-Reutte fort. Hier setzte sie sich auch künstlerisch mit dem Werk Leibls auseinander. Ab 1897 studierte sie in Paris an der Akademie Colarossi. Dort bestanden ihre Studien aus dem systematischen Kopieren von Courbet, Manet und Renoir, deren deutliche Einflüsse laut Kritik der Zeit in ihrem späteren Werk zu finden sind. Weitere Reisen nach Frankreich in späteren Jahren dienten ebenfalls Studienzwecken.

Ab 1919 war sie im Bremer Malerinnen Verein, nach dessen Auflösung in der GEDOK[1]. Von 1922 bis 1943 beteiligte sie sich an Ausstellungen im Graphischen Kabinett und in der Kunsthalle Bremen.

„Sicheres, meisterliches Können“ und „eine kundige Hand, die selbst aus dem einfachsten Motiv ein Meisterwerk machen“, wurden ihr von den Kritikern ihrer Zeit zugesprochen. So schrieb E. Waldmann 1920: „Und so ist es vor Anna P.s Stilleben natürlich leicht, von Manet und Courbet und Renoir zu sprechen, und die Künstlerin selbst wäre die letzte, die nicht freudig anerkennte, was sie diesen Meistern verdankt. Aber das hindert nicht, dass sie eine durchaus eigene Art kultiviert. Auf der Basis eines ganz außerordentlichen Könnens und technischen Verstehens entfaltet sie eine Frische des Naturgefühls, einen Geschmack, eine Sicherheit für Lichtwerte sowohl wie für den edlen stofflichen Reiz der Oberfläche, wie sie in Deutschland nicht sehr häufig ist.“[2]

1925 verließ sie Bremen und ging nach Dresden. Dort war sie Mitglied im Künstlerbund Dresden und in der Dresdner Kunstgenossenschaft sowie im Loschwitzer Kreis. 1931 fand zu Ehren ihres 60.Geburtstages in Loschwitz und 1941 anlässlich ihres Todes eine Einzelausstellung im Graphischen Kabinett statt.

Sie war eine Malerin, die in Bremen große Anerkennung und Würdigung bis ins hohe Alter fand. Zahlreiche Stillleben, Blumenaquarelle, Straßenbilder und Porträts zeugen von ihrem reichen Schaffen. Die Kunsthalle Bremen besitzt ein Blumenstilleben, ferner das Gemälde „Vorstadthäuser“ und einige Aquarelle. In der Kommunalen Galerie findet sich ein Stillleben in Öl. Das Focke-Museum besitzt die „Straße in Vegesack“ in Öl von 1941, eine zeichnerisch und malerisch genau abbildende, eher akademische Arbeit in hellen, pastosen Tönen, weiterhin noch zwei Porträts: „Adele Wolde“, ausgeführt in farbiger Kreide um 1910 und das Ölbild „Malvina Elisabeth Schütte“, ebenfalls um 1910 entstanden und ihr zugesprochen.

Werke:
Adele Wolde. Porträt, farbige Kreide, um 1910
Malvina Elisabeth Schütte. Porträt. Öl auf Leinwand, um 1910
Pfirsichstilleben. Öl auf Leinwand, um 1910
Blumenstilleben. Öl auf Leinwand, vor 1911
Blumenstrauß. Öl auf Leinwand, 1915
Hinter dem Bremer Theater. Öl auf Leinwand, vor 1919
Beschauliche Straße. (Vegesack?), Öl auf Pappe, 1921
Vorstadthäuser. Öl auf Leinwand, um 1930
Stillleben, Katerfrühstück. Öl auf Leinwand, 1936
Straße in Vegesack. Öl auf Leinwand, 1941
Stillleben mit Früchten und Flaschen. Öl auf Leinwand, o.J.
Fleischstilleben. Öl auf Leinwand, o.J.

Anmerkungen:
[1] Die Künstlervereinigung wurde 1926 in Hamburg von Ida Dehmel (1870–1942) als „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ gegründet.
[2] Waldmann, S.273.

Literatur und Quellen:
Bremer Nachrichten 7.1.1936, 19.1.1941.
Cyrus, Hannelore: Die „Altmeisterin“ Anna Plate, in: Zwischen Tradition und Moderne. Künstlerinnen und die bildende Kunst in Bremen bis Mitte des 20. Jahrhunderts, Bremen 2005, S.57–63.
Dressler, Willy Oskar (Hrsg.): Dresslers Kunsthandbuch, Berlin 1930. Bd.2, S.770.
Gerkens, Gerhard/Heiderich, Ursula: Katalog der Gemälde des 19. und 20.Jahrhunderts in der Kunsthalle Bremen bis 1973, Bremen 1973.
Hartnacke, Wilhelm: Weihnachtsausstellung bremischer Künstler. In: Niedersachsen: Zeitschrift für Kultur, Geschichte, Heimat und Natur 21, 1915, S.98.
Krahé, Frauke: Allein ich will. 20 Malerinnen aus Bremen, Worpswede und Fischerhude, Lilienthal 1990, S.128–131.
Mocci, Grit: Kleiner “Diener” für die Blaustrümpfe. In: PLUSZ 17/98, „Künstler am Dresdner Elbhang” Band 2, S.347.
Rohling, Ludwig: Käthe Lassen. Das Werk der Malerin, Flensburg 1956.
Schönbohm, Bärbel: Anna Plate, in: und sie malten doch! Geschichte der Malerinnen. Worpswede – Fischerhude – Lilienthal, Hrsg.: Lilienthaler Kunststiftung, Bremen 2007, S.74.
Thieme-Becker: Allgemeines Lexikon der Bildenden Kunst, Leipzig 1933, Bd. 27, S.139.
Waldmann, Emil: Bremer Künstler, in: Niedersachsen: Zeitschrift für Kultur, Geschichte, Heimat und Natur 25, 1920, S.272–274, hier S.273.
Wolde, Lutz: Trauerrede bei der Gedächtnisfeier für Anna Plate im Graphischen Kabinett, 11.9.1941, unveröffentlicht, Archiv des Graphischen Kabinetts, Bremen.

Gisela Hildebrand