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Rogge, Alma

24.7.1894 in Brunswarden – 7.2.1969 in Bremen-Rönnebeck

Alma entstammte einer alteingesessenen Bauernfamilie bei Rodenkirchen in der oldenburgischen Wesermarsch. Ihre Eltern, Auguste und August Rogge, bewirtschafteten einen großen Hof, der schon seit Generationen im Familienbesitz war. Alma Rogge verbrachte nach eigener Aussage eine glückliche Kindheit und Jugend. Die Sprache, die ihr von Kindheit an vertraut war, und die sie später als wesentliches Ausdrucksmittel ihrer Dichtkunst verwandte, war Plattdeutsch.

Ihr Werdegang wich zunächst nicht von dem damals üblichen ab. Sie besuchte zuerst zwei Jahre lang die Volksschule in ihrem Heimatort und dann für weitere sechs Jahre die „Höhere Bürgerschule“ in Rodenkirchen.

Danach blieb sie für kurze Zeit auf dem elterlichen Hof, um Aufgaben im Haushalt und in der Landwirtschaft zu übernehmen. Sie zeigte jedoch wenig Freude an diesen Tätigkeiten und träumte bereits als Kind davon, einmal Dichterin zu werden. So ermöglichten die Eltern ihr eine Weiterbildung und schickten sie für ein Jahr von 1911-1912 auf ein Pensionat nach Bad Kreuznach.

Der dortige Unterricht, besonders in Literatur, begeisterte sie und bestärkte sie in ihrem Wunsch, ein Studium aufzunehmen. Durch den Einfluss des plattdeutschen Sprach- und Märchenforschers Wilhelm Wisser ermutigt, mit dessen Tochter Hanna sie seit der Pensionats-Zeit befreundet war, wagte sich die 18jährige an ein erstes Bühnenstück. Das Lustspiel „Up de Freete“, das 1916 mit großem Erfolg in Rodenkirchen uraufgeführt wurde, war bereits ein Jahr später im Thalia-Theater in Hamburg zu sehen.

Durch die Resonanz auf ihr Erstlingswerk bestärkt, setzte sie sich nun in der Familie mit dem Wunsch durch, die Hochschulreife zu erlangen. Als 21jährige nahm sie Privatstunden und holte 1918 an der Städtischen Oberrealschule in Delmenhorst ihr Abitur nach. Noch im selben Jahr begann sie in Göttingen das ersehnte Universitätsstudium mit Literatur, Kunstgeschichte und Philosophie. Ihr Bildungsweg führte sie über Berlin und München 1925 an die Hamburger Universität, wo sie das Niederdeutsche als Studienfach mit hinzunahm. Sie promovierte 1926 über „Das Problem der Gestaltung im deutschen Lustspiel“. Ihrem ersten Bühnenwerk folgten noch während der Studienzeit weitere plattdeutsche Lustspiele, Erzählungen und Gedichte. In einem Interview in der Reihe „Gespräche mit plattdeutschen Autoren“ bekannte sie, dass sie am liebsten in Plattdeutsch schreibe, weil sich vieles in dieser Sprache besser ausdrücken lasse. Plattdeutsch sei knapper und bildhafter. Nach ihrem Studium fand Alma Rogge 1927 im Bremer Verlag Carl Schünemann, der ihr die Schriftleitung der Monatsschrift „Niedersachsen“ anvertraute, eine Anstellung.

Diese Tätigkeit führte die Autorin mit vielen Schriftstellerinnen, Schriftstellern, Heimatforschern und bedeutenden Persönlichkeiten des Norddeutschen Raumes zusammen. Als die Zeitschrift „Niedersachsen“ 1932 nach Hannover verkauft wurde, ließ sich Alma Rogge als freie Schriftstellerin in Bremen nieder. Im Jahre 1929 hatte sie ihr einziges Drama „In de Möhl“ vollendet, das beim Erscheinen als literarisches Ereignis begrüßt wurde und ihr 1930 den niederdeutschen Literaturpreis einbrachte. Die Zeit als freie Schriftstellerin bis zum Ausbruch des 2.Weltkrieges war besonders fruchtbar. Ihre Erzählungen sowohl in plattdeutscher als auch in hochdeutscher Sprache fanden einen ständig wachsenden Leserinnenkreis. Für ihre Erzählungen aus dem Leben der Schiffer und Sielwärter ihrer heimatlichen Marsch- und Moorlandschaft erhielt sie 1936 zusammen mit Wilhelm Scharrelmann und Moritz Jahn den Literaturpreis der Stadt Hannover. Alma Rogge blieb in Bremen und baute sich zwischen Blumenthal und Farge am Steilufer der Weser ein Reetdachhaus. Zu ihrer Hausgemeinschaft gehörte bald ihre Pensionsfreundin Hanna Wisser-Thimig, mit der sie eine lebenslange Freundschaft verband. Häufig waren auch berühmte Persönlichkeiten wie Agnes Miegel, Ina Seidel, Else Hoppe, Waldemar Augustiny und Moritz Jahn zu Gast. Ihr Nachbar war der Schriftsteller Manfred Hausmann.

Während des 2.Weltkrieges erschien kaum etwas Neues von ihr. Sie war jedoch häufig unterwegs, um aus ihren Werken zu lesen. Mit ihrer tiefen Stimme galt sie als beste Interpretin ihrer eigenen Erzählungen und Anekdoten. Ab 1940 wurde sie wieder freie Mitarbeiterin bei der Zeitschrift „Niedersachsen“.

Nach dem Kriege hatte sie noch einmal eine erneute Schaffensperiode. Es erschienen ein Roman, ein Jugendbuch und einige Lustspiele. Zu ihrem 70.Geburtstag wurde der Schriftstellerin 1964 der Quickborn-Preis für ihr Werk verliehen.

Den Stoff zu ihren Dichtungen fand die Lyrikerin und Heimatdichterin stets in eigenen Erlebnissen und in der Umwelt. So tragen denn auch zahlreiche ihrer Erzählungen autobiographische Züge. In ihren Geschichten überwiegt meistens das Heitere und Humorvolle. Aber es gibt auch die ernste Alma Rogge, wie der erst nach ihrem Tode erschienene Gedichtband „Land aus dem ich geboren bin“ (1970) und der Erzählband „Die Rosenuhr“ (1984) beweisen. Aus all ihren Dichtungen spricht eine tiefe Kenntnis, Liebe und Verbundenheit zur heimatlichen Marschlandschaft und zu den Bewohnern. Im Februar 1969 erlag Alma Rogge einem Krebsleiden und fand auf eigenen Wunsch ihre letzte Ruhestätte in Rodenkirchen.

In Bremen Vegesack wurde die „Alma-Rogge-Straße“ nach ihr benannt.

Publikationen:
Hörspiele:
De Straf (1926)
De Vergant-Schoster, Hamburg 1922 (1955)
In de Möhl, Hamburg 1930, (1953)
Dor harr’n Uhl seten (1955)
Op de Freete, Hamburg 1918 (1955)
Twee Kisten Rum (1956)
De Straaf, Hamburg 1924 (Originalhörspiel) (1963)
De Vergant-Schoster (1964)
Twee Kisten Rum (Originalhörspiel) (1966)
Sine, Vertellen in Ollenburger Platt, Hamburg 1929
Auswahl, Hamburg 1934
Leute an der Bucht, Bremen 1935
Dieter und Hille, Bremen 1936
Hinnerk mit’n Hot, Bremen 1937
Twee Kisten Rum/Schmuggel an der Bucht, Hamburg 1939
In der weiten Marsch, Bremen 1939
An Deich und Strom, Gütersloh 1943
Theda Thorade, Bremen 1948
Der Nagel unter Lenas Fenster, Bremen 1949
Pille und die Mohikaner, Berlin o.J. (um 1950)
Hochzeit ohne Bräutigam, Bremen 1952
Seid lustig im Leben, Bremen 1953
Dar harr’n Uhl seten, Hamburg 1954
Diertje van Dornum, Leipzig 1955
Land aus dem ich geboren bin, Bremen 1970
Grüße an alle, Bremen 1978
Die Rosenuhr, Bremen 1984

Literatur und Quellen:
Kessling, Gisbert/Mews, Hans-Joachim (Hrsg.): Gespräche mit plattdeutschen Autoren, Neumünster 1964.
Mitteilungen aus dem Quickborn, Vereinigung für Niederdeutsche Sprache und niederdeutsches Schrifttum 1951/52.
Munzinger-Archiv, Internationales Biographisches Archiv 29.3.1969 13/69-K-8969.
Neidthardt, Elisabeth: Alma Rogge. Eine Personalbiographie, Hamburg 1962.
Strahlmann, Thea: Alma Rogge. Eine Biografie, Oldenburg 1994.

Helga Fuhrmann (mit Ergänzungen)