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Sander-Plump, Agnes, geb. Plump

1.5.1888 in Bremen – 23.12.1980 in Lilienthal

Agnes, Tochter von Agnes Plump, geb. Melchers, und dem Getreidegroßhändler Hermann Plump, wuchs mit fünf Geschwistern in Bremen auf. Die Familie Plump hatte künstlerische Ambitionen: ihr Vater wollte selbst Maler werden, seine Schwester Bertha Plump wurde es.

Sie fiel bereits in ihren ersten Schuljahren durch ihr Zeichentalent auf. Sie erhielt den ersten Zeichenunterricht bei der Bremer Malerin Margarethe von Reinken. 1907 und 1908 war sie an der Kunstgewerbeschule in Bremen in den Klassen von Magnussen (Porträt) und Schäfer (Akt) eingeschrieben.

1909 heiratete sie den Tabakkaufmann F.Sander. In der nur kurz andauernden Ehe bekam sie drei Kinder, die sie zum Porträtieren anregten. Ihre beiden Töchter Ursula Sander-Lohmann und Hanna Sander-Lutz wurden wie sie Malerinnen.

Um 1910 lernte sie in Berlin Max Beckmann, Hans Meid und Wilhelm Gerstel kennen, die ihr wichtige künstlerische Impulse vermittelten. 1919 studierte sie bei Corinth in Berlin. Im Jahre 1924 unternahm sie mit Minne Beckmann, der Ehefrau des Malers Max B., eine Reise nach Paris. Im Jahre 1926 ließ sie sich in Worpswede nieder. Dort widmete sie sich sehr intensiv dem Kinderporträt.

1936 entstand ein Selbstporträt (Kunsthalle), auf dem sie sich vor der Staffelei stehend, in voller Größe darstellt. In diesem gelungenen, schon fast abstrakt zu nennenden Werk ist ihr Gesicht nur leicht durch einen Hell-Dunkel Kontrast angedeutet. Eine mutige Selbstdarstellung, die ganz im Gegensatz zur geforderten Kunstauffassung des Nationalsozialismus stand.

Sie war Mitglied der GEDOK[1]. Mit vielen Ausstellungsbeteiligungen in jungen Jahren, insbesondere in den 30er Jahren, und mit einigen Ausstellungen im hohen Alter stellte sie sich der öffentlichen Kritik, von der sie positiv aufgenommen wurde.

Sie ist durch eine Vielzahl von Kinderbildnissen dem Gedächtnis der Bremerinnen bewahrt. Diese Bildnisse geben Zeugnis ihres künstlerischen Könnens und sind Ausdruck einer tiefen Berührung zwischen Malerin und Modell. Die Palette der von ihr Dargestellten reicht vom Säugling über den jungen Menschen hin zum Erwachsenen. Aber auch Stillleben von Puppen, Porträts (u.a. von Lisel Oppel), Selbstbildnisse und – seltener – Landschaften, sind in ihrem Werk zu finden. Ihre realistische Wiedergabe zeichnet sich durch hohes technisches Können, eine sicher gesetzte Umrisslinie, die plastische Durcharbeitung der Oberfläche und durch einen bewussten Einsatz der Farben aus.

Als Kinderbuchautorin und -illustratorin veröffentlichte sie 1949 „Geheimnis der Kinder“ und 1980 „Doris, Kinderjahre in einer Hansestadt 1893-1900“, wo sie unbeschwerte Kindheitserinnerungen mit etwa 40 Zeichnungen aus den 60er Jahren darstellte.

1964 verlieh ihr die Niedersächsische Landesregierung das Verdienstkreuz am Bande mit den Worten: „Agnes Sander-Plump gehört zu den Kunstschaffenden, die das Sehnen der Menschheit nach Schönheit, Harmonie und Wohlklang befriedigt haben.“[2]

Ihre Werke sind im Focke-Museum, in der Kunsthalle Bremen, in der Kommunalen Galerie und in der Galerie Cohrs-Zirus in Worpswede zu sehen. Ihr Nachlass befindet sich im Atelier Dieter Weiser in Worpswede[3], viele ihrer Arbeiten sind in Privatbesitz.

Publikationen
Geheimnis der Kinder, Bremen 1949
Doris, Kinderjahre in einer Hansestadt 1893-1900, Bremen 1980

Anmerkungen:
[1] Die Künstlervereinigung wurde 1926 in Hamburg von Ida Dehmel (1870–1942) als „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ gegründet.
[2] Wulff, Gerd: Agnes Sander-Plump.
[3] http://www.worpswede-fotografie.de/bilderarchiv/kategorie1.php.

Literatur und Quellen:
Jöhnk, Carsten: Bremer Bildnisse, in: Kunst und Bürgerglanz in Bremen, Focke Museum, Bremen 2000, S.150.
Kloos, Werner: Agnes Sander-Plump, Focke Museum, Bremen 1968.
Krahé Frauke: Allein ich will. 20 Malerinnen aus Bremen, Worpswede und Fischerhude, Lilienthal 1990, S.148−153.
Meyer, Rainer: Überleben nach dem Krieg. In: Zeit ohne Verhältnisse. Kunst in Bremen nach 1945, Kommunale Galerie, Bremen 1985, S.17.
Weser Kurier 1.5.1958.
Wulff, Gerd: Blickpunkt Worpswede. Porträts bildender Künstler der Gegenwart, Osterholz-Scharmbeck 1981.

Gisela Hildebrand (mit Ergänzungen)