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Schaefer, Margret

24.3.1922 in Bremerhaven –  12.12.2013 in Bremen

Margret war die einzige Tochter des Kapitäns Karl Sasse und seiner Frau Emma, geb. Marwede.

Nach dem Abitur 1939 und Reichsarbeitsdienst in Bremerhaven studierte sie von 1939-1940 Pädagogik in Hamburg. Von 1940-1943 war sie Volontärin im Ressort Feuilleton des Hamburger Fremdenblatts, ab 1943 arbeitete sie zunächst als Redakteurin der Nordwestdeutschen Zeitung (NWZ), später der Nordseezeitung (NZ) bis 1950 in Bremerhaven.

Am 17.9.1942 heiratete sie den Oberleutnant zur See Erik Schaefer. Am 6.1.1945 wurde die Tochter Christiane geboren, am 15.6.1951 der Sohn Christof.

Ab 1950 begann ihre Friedensarbeit gegen Wiederaufrüstung. Sie war mit Gustav Heinemann ab 1952 aktives Mitglied in der Gesamtdeutschen Volkspartei (GVP) und schrieb für die Gesamtdeutsche Rundschau, die von Gustav Heinemann und Helene Wessel herausgegeben wurde.

1954 zog sie nach Bremen. Ab 1960 verfasste sie journalistische Beiträge für die Bremer Nachrichten, den Weser-Kurier (ab 1967) und andere Zeitungen wie Der Morgen (Mannheim), Westfälische Zeitung und verschiedene Kirchenzeitungen.

Ab 1965 schrieb sie überwiegend feuilletonistische Beiträge für Radio Bremen, den Deutschlandfunk, den Saarländischen Rundfunk und andere Sender. Ihre Ehe wurde 1965 geschieden.

Ab 1969 war sie als „Kurtreffenleiterin“ beim Landesverband der Evangelischen Frauenhilfe Bremen e.V. angestellt, die auch ein Kurheim für Frauen im Harz betrieb. Margret Schaefer erkannte in der Müttergenesungsarbeit, dass junge Mütter mehr brauchten als körperliche und seelische Stabilisierung und dass sie einen Hunger hatten nach gesellschaftlicher Teilhabe. Sie erfand die Vormittagsseminare für Frauen und leistete damit Pionierarbeit in der Erwachsenenbildung für vorwiegend nicht berufstätige Frauen. Themen waren die Rolle der Frau in der Gesellschaft und in Partnerschaft und Familie.

Ab 1970 wurden diese Seminare mit begleitender Kinderbetreuung in Bremer Gemeindehäusern angeboten und stark nachgefragt: Es gab zehn und mehr Parallelseminare mit jeweils zehn Veranstaltungen. Zielgruppe waren Mütter mit kleinen oder heranwachsenden Kindern und Mütter aus unvollständigen Familien. Im Mittelpunkt der Seminare standen Fragen zur Rolle der Frau in der Gesellschaft sowie psychologische, soziale und politisch-emanzipatorische Aspekte. 1972 wurde dann der erste Bildungsurlaub für Frauen aus unvollständigen Familien mit Kindern angeboten: „Die Frau in der Familie ohne Vater“. Tausende von Frauen nahmen an diesen Seminaren teil.

Margret S. organisierte die Veranstaltungen, leistete eigene Seminarbeiträge und suchte und verpflichtete zahlreiche Dozentinnen. Es gelang ihr, die Bremer Volkshochschule, die Landeszentrale für politische Bildung, die Universität Bremen und das Bildungszentrum Jagdschloss Göhrde als Kooperationspartner zu gewinnen. Die Konzeption erreichte überregionale Anerkennung als „Bremer Modell“, lange bevor die Landeskirche daran dachte, ihren vereinzelten Formen von Bildungsarbeit eine besondere organisatorische Form zu geben.

Die Seminare erwiesen sich dann als ein entscheidender Baustein für das 1974 gegründete Bildungswerk der Bremischen Evangelischen Kirche. Sie waren in Kooperation mit der Bremer Volkshochschule so erfolgreich, dass sich die Bremische Kirche mit der neu geschaffenen Einrichtung erfolgreich um die Landesanerkennung bewerben konnte, als im Januar 1975 das Bremer Weiterbildungsgesetz in Kraft trat.

Margret S. baute von 1977 bis 1984 ihre Tätigkeit aus. Sie bekam eine Ganztagsstelle und kooperierte bei der Bildungsarbeit mit der Universität Bremen.

Ab 1979 engagierte sie sich außerdem in einer Abrüstungsinitiative und der Friedensarbeit mit den „Frauen für den Frieden“. Sie arbeitete an Manuskripten zur Rolle der Frauen (Ehefrauen und Töchter) in Familien kriegführender Männer/Täter – Männer in der Antike und Neuzeit (Kassandra/Klytämnestra und im Nationalsozialismus).

Ziel ihrer Arbeit war eine Stärkung der Position der Frau unter kritischer Betrachtung der gesellschaftlich wirksamen Kräfte und Mächte sowie des politischen und ökonomischen Systems, Gerechtigkeit im gesellschaftlichen und globalen Kontext.

Durch eigene Kriegserfahrungen geprägt war ein zweiter Schwerpunkt die Reflektion und Auseinandersetzung mit destruktiven und restaurativen politischen Entwicklungen wie z.B. Kalter Krieg und Wiederaufrüstung. Hier lag ihr Augenmerk auf der medialen und publizistischen Beeinflussung der Meinungsfreiheit. Ihr Anliegen war es, den Kindern und Enkelkindern eine friedvollere und gerechtere Welt zu schaffen.

Ihre Verdienste liegen auf zwei Gebieten: Sie hat Pionierarbeit geleistet als Bildungsreferentin der Frauenhilfe und auf nachhaltige Weise Frauen gefördert und begleitet. Manche dieser Frauenbildungskurse gibt es heute noch.

Sie ist nach kurzer Krankheit 91jährig verstorben.

Literatur und Quellen:
Die Leistungen von Margret Schaefer wurden in zwei Veröffentlichungen des Ev. Bildungswerks von 1981 und 1982 dokumentiert.
Schaefer, Margret: Frauen auf dem Weg, 1980.

Ingeborg Mehser