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Tölken[1], Therese Marie Gustava

15.7.1891 in Bremen – 21.8.1983 in Bremen

Gustava war die Tochter von Eberhard Tölken (1848 – 1901) und Auguste Theodore, geb. Plump (20.1.1857-24.4.1919). In der Familie wurden die „Schönen Künste“ gepflegt. Die Mutter zeichnete und einer der drei Brüder, August, wurde in Bremen als Bildhauer bekannt.

Gustava wurde in Paris im Atelier des Malers Lovis Corinth ausgebildet und ging nach längeren Aufenthalten in Paris und Karlsruhe schließlich nach Berlin. Im 2.Weltkrieg wurde ihr Atelier durch Bombenangriffe zerstört. Sie kehrte nach Bremen zurück – hier griff sie auf das zurück, was sie in Berlin in den 20er und 30er Jahren malte, teilweise reproduzierte sie Werke aus der Erinnerung. Die Bilder zeigen deutlich den Einfluss des Berliner Realismus und Namen wie Jeanne Mammen und George Grosz werden wach, wenngleich Gustava Tölken die Schärfe der Satire fehlt. Sie beteiligte sich aktiv an den Ausstellungstätigkeit des Bremer Künstlerbundes.

Starken Einfluss auf ihr künstlerisches Schaffen hatte der Zirkus. „Gustava Tölken illustrierte die Welt der Fahrenden nicht. Bei ihr erfuhren die Clowns und Gaukler eine Überhöhung ins Symbolhafte.“[2]

Puppen, Roboter, Harlekine an oft surreal oder futuristisch gestalteten Orten, bilden ihr Oeuvre in Öl, in Aquarell, als Druck, Zeichnung, Holzschnitt oder Lithographie. Sie illustrierte Sartres „Das Zimmer“ und Anais Nins „Die Maus.“[3]

Ihre Bilder zeigen eine starke Dynamik, in der sich zeichnerisches und technisches Können und ein freier Umgang mit dem Thema in Fläche und Raum spiegeln. Kennzeichnend für ihre Werke sind karikaturhaft vereinfachende und übertreibende Darstellungen der Menschen und Gegenstände in einem besonderen Milieu. Die Gesamtfläche ihrer Bilder ist mit sicherem Strich voll durchgearbeitet. Die starke Wirkung entsteht durch die Reduktion der Form in der Fülle und durch starke Hell-Dunkel-Kontraste.

Witz, Phantasie, Skurrilität, wie in den nachsehenden Versen aus der Feder der der 84jährigen:

„..wenn der Äquator über Bremen läuft
das Tohuwabohu in allen Kneipen säuft
und das Mondkalb, schwarz wie ein Mohr
steht staunend vor dem Stadtviertel Schnoor.“[4]

zeigen sich ebenso in den Bildern der Malerin und Schriftstellerin: ihre Bilder, meist undatiert und unsigniert, führen in eine Welt der Träume, der Phantasie, des Grotesken, des Unbewussten, in eine Zwischenwelt, in der Realität, Zeitgeschehen und Traum zueinander finden.

Ihre grafische Qualität zeigt sich auch in den Buchillustrationen ihrer eigenen Bücher „Wackerpolli“, und „Dragon“, in welchem sie die Verwandlungsgeschichte von Herr und Hund beschrieb. Ihr Gesamtwerk hinterlässt einen geschlossenen Eindruck von gleichbleibend guter Qualität, in dem sich weder Brüche noch stilistische Änderungen zeigen.

Sie lebte in ihrer eigenen Welt. Sie war eine vorurteilsfreie, eigenwillige, widerspenstige, ungebundene Frau mit starker persönlicher Ausstrahlung. Eher im Verborgenen arbeitend, war sie gesellig und einsam zugleich. Zu ihren Freundinnen gehörten die Malerinnen Margarethe von Reinken, Magda Koll, die Bildstickerin Luise von Riesen, die Keramikerin Elisabeth Pluquet und die Malerin Isa Hasse, bei der sie zeitweise wohnte. Für Gustava Tölken war dies die produktivste Phase ihres Schaffens in Bremen.

Sie beteiligte sich an den Ausstellungen des Künstlerbundes Bremen 1953/54, 1956, 1963, 1971, 1973, das Graphische Kabinett zeigte 1954 Werke von ihr. Sie hat nur einige Bilder verkauft. Im Februar 1964 fand eine Ausstellung ihrer Bilder bei Dr. H. Hansen in Bremen statt, 1981 eine in der Galerie am Steinernen Kreuz in Bremen.

Die Kommunale Galerie Bremen besitzt fünf Bilder von ihr, zwei zur Ausleihe angebotene befinden sich in der Graphothek und fünf weitere in der Kunsthalle.

Publikationen:
Wackerpolli, Berlin 1940
Dragon, Bremen 1946
Wenn der Äquator über Bremen läuft, Bremen 1975

Anmerkungen:
[1] Unterschiedliche Schreibweise: auch Toelken.
[2]WK 7.9.1981.
[3] Beide Lithographien sind im Besitz der Kunsthalle Bremen.
[4] Tölken 1975.

Literatur und Quellen:
Bremer Nachrichten 8.2.1964.

Gisela Hildebrand (mit Ergänzungen)