Kunst in der Knochenhauerstrasse

Christiane Scholz-Stenull: In all den Jahren

Ausstellung vom 6. September  – 29. November 2017

Im voll besetzen Saal der ZGF (Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau) wurde diese Ausstellung mit 43 Bilder in unterschiedlichen Größen in Malerei, Zeichnung, Collage – ergänzt durch Nähte bzw. Näh-Stiche von Anka Bolduan eröffnet.

In ihrer Begrüßungsrede wies Ulrike Hauffe auf den auch für sie sinnträchtigen Titel der Ausstellung hin und erinnerte an den Beginn der Ausstellungsreihe „Kunst in der Knochenhauerstraße“ 1994. Die erste dokumentierte Ausstellung war BLAU VON ANDERSWO mit Bildern und Objekten von Barbara Baum (15.3. – 17.5.1995).  Bis heute konnten jährlich 4 Kunst- oder Themenausstellungen präsentiert und damit zahlreiche Künstlerinnen gewürdigt werden. Damit gelingt es uns, ein Ziel des Bremer Frauenmuseums zu verwirklichen: nämlich Frauen – hier sind es die Künstlerinnen – zu beachten, zu würdigen und vor dem Vergessen zu bewahren. Denn durch die Ausstellungen in diesem langen Zeitraum konnten zahlreiche Künstlerinnen – ob in Einzel- oder in Gemeinschaftsausstellungen – bekannter gemacht und gefördert werden, etliche Bilder fanden ein neues Zuhause – und auch die ZGF wurde so vielen weiteren Menschen bekannt.

Regina Contzen würdigte Frau Hauffes Engagement: „Kunst in der Knochenhauerstraße: Diese originelle Idee ist von dir kreiert und in ihrer Umsetzung stets unterstützt worden. Leider ist dies nun heute deine letzte Ausstellungseröffnung in deiner Funktion – wir hoffen aber, dass dieses Format erhalten bleibt und wir dich weiterhin oft bei Ausstellungseröffnungen begrüßen können! Wir danken dir heute – auch im Namen der Künstlerinnen – ganz herzlich! Die Zusammenarbeit mit dir war immer sehr bereichernd und sie hat uns viel Spaß gemacht.“

Im Anschluss führte Anka Bolduan  in die Ausstellung ein und dankte der Künstlerin.

Zur Ausstellung:

Der Titel der Ausstellung „In all den Jahren“ verweist auf die lange künstlerische Tätigkeit der Künstlerin und auf einen Überblick über ihr Werk in einem Zeitraum von circa 12 Jahren. Es sind Arbeiten auf Leinwand und auf Papier zu sehen, die sich mit den Themen Wasserlandschaften, Garten und Stillleben beschäftigen. Eine besondere Kategorie sind dabei die „Nähbilder“. Sie verwendet hauptsächlich Acrylfarben als Malmittel. Es wird aber auch geklebt, gezeichnet, mit Kohle gearbeitet – und genäht.

In ihren „Garten“bildern arbeitet die Künstlerin mit alten (kopierten) Zeichnungen von Parkanlagen, die sie collagenartig der Leinwand oder dem Papier hinzufügt, übermalt, erweitert und so zur Neugestaltung eines Flächenplans eines eigenen „Schreber“gartens macht. Diese Pläne bleiben in ihrer Darstellung abstrakt. Als Symbole werden Kreise, Linien, Kurven oder Schwünge verwendet. Die gesamte Komposition erscheint leicht und sinnlich.

Ihre „Wasserlandschaften“ gehen auf eigene Erfahrungen beim Schnorcheln unter Wasser zurück. In verschiedenen Blau-/Grüntönen sowie weiteren Farben gestaltet sie mit Acrylfarben Unterwasserwelten mit Riffs, transparenten Pflanzen- und Tierwesen. Große Flächen entstehen durch Farbschichtungen und erzeugen Dreidimensionalität. Durch eine Vielfalt von Formen wie Kreise, Ellipsen (Fische) und Linien entsteht Durchsichtigkeit, aber auch Dichte.

Die „Näh“bilder entstehen auf Leinwand, auf die collagenartig Tuch oder bemalte rechteckige Papiere aufgeklebt wurden. Anschließend werden die Formen malerisch und durch Zeichen verbunden. Zusätzlich werden Flächen mit Fäden in der Leinwand befestigt oder es werden Linien genäht. Die Künstlerin löst sich damit vom Tabu, die Leinwand nicht zu zerstören bzw. nicht zu durchdringen und schafft eine neue Dimension der Arbeit an der Leinwand.

Christiane Scholz-Stenull sagt über ihre Arbeit: „Der Arbeitsweg eines Kunstwerks ist ein stetiges Ausloten zwischen intuitivem Machen, Abstandnehmen, sich wieder einlassen und im wertfreien Schaffen zu bleiben. Für mich ist Kunst harte Arbeit, eine intensive Form der Auseinandersetzung mit sich selbst. Es ist immer wieder die Suche nach der Form, des Farbklangs, des Ausdrucks, der Sinnlichkeit und des richtigen Zeitpunkts der Beendigung des Schaffensprozesses.“

Christiane Scholz-Stenull hat nach vielen Berufsjahren als Dipl.-Sozialpädagogin an der Freien Kunststudienstätte in Ottersberg studiert. Seit 1995 arbeitet sie als Künstlerin in ihrem eigenen Atelier. Von 2000 bis 2017 zeigte sie ihre künstlerischen Arbeiten in zahlreichen Gemeinschafts- und Einzelausstellung in Bremen und Umgebung, sowie in Lettland und war bisher bereits an zwei Gemeinschaftsausstellungen in der ZGF beteiligt.

Donnerstag, 12.10.2017 – 17 Uhr: Führung und Künstlerin-Gespräch in der Ausstellung.