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Kunath, Hanna (verh. Hübner-Kunath)

Hanna Kunath wurde am 11.6.1909 in Bremen geboren. Ihr Vater Arno Kunath war Pädagoge, und als Sportlehrer sehr aktiv. Er initiierte u.a. das Bodenturnen auch für Frauen und Mädchen und gründete das Altersturnen. Sicherlich hat sein sportliches Engagement auch seine Tochter beeinflusst und schließlich zu dem für ein Mädchen ungewöhnlichen Berufswunsch geführt, Pilotin zu werden. Der entstand bei der 13jährigen Hanna, als sie auf die Fahrräder ihres Bruders und Vaters aufpassen musste, während diese im Bremer Flughafen ein Flugzeug bestiegen.

Ihre Ausbildung zur Pilotin begann die 23jährige 1932 – gemeinsam mit zwei weiteren Frauen – mit dem Eintritt in den Bremer Verein für Luftfahrt. Während ihre Kolleginnen wegen massiver Widerstände der Männer diese Ausbildung bald aufgaben, hielt Hanna Kunath stand und wurde zwei Jahre später Bremens erste Pilotin. 1934 erhielt sie ihren Flugzeugführerschein A2 Land für Motorflugzeuge, sie flog auf der Klemm L25 und L26.

Inzwischen wurde es während der NS-Zeit für Frauen immer schwieriger selber zu fliegen, denn jetzt konzentrierte sich die Fliegerei auf die Männer der künftigen deutschen Luftwaffe. Der Verzicht auf das Fliegen von Motorflugzeuge fiel ihr schwer, doch sie begann eine zusätzliche Ausbildung und erwarb 1938 ihren Segelflugschein. Bereits 1936 gründete sie eine Flieger-Frauengruppe im Bremer Verein für Luftfahrt, in der sie in Wildeshausen und Garlstedt junge Frauen zu Pilotinnen ausbildete. Diese Gruppe leitete sie bis 1943.

Als sie 1939 an einer Rallye zur Ostseeinsel Föhr teilnehmen durfte, war sie begeistert: „Ich bekam eine Siebel-Hummel und konnte endlich mal richtig fliegen.“ Doch sie musste während des Fluges auch gewaltige Schrecksekunden erleben: Ihre Co-Pilotin drehte am Startschlüssel, und das Flugzeug stürzte in einen Sinkflug. Zum Glück konnte sie das Flugzeug wieder auffangen und so eine Katastrophe verhindern.

Mit Hilfe von Freunden gelang es ihr ab 1947 heimlich wieder zu fliegen, und als dann wieder geflogen werden durfte, erwarb sie als erste Frau in der Bundesrepublik Deutschland den Luftfahrtschein für Segelflieger und erneuerte 1956 ihren Motorflugschein.

Seit ihrer Heirat mit Werner Hübner hieß sie nun Hübner-Kunath und siedelte 1955 nach Hamburg um, das Ehepaar bekam eine Tochter.

Doch Hanna Hübner-Kunath war weiter im Flugsport aktiv. Mit anderen Pilotinnen gründete sie 1968 die Vereinigung deutscher Pilotinnen und war zehn Jahre lang Referentin der Vereinigung, von 1974 bis 1979 Pressesprecherin und Vorsitzende der Regionen Niedersachsen, Hamburg und Bremen. Die Vereinigung hatte in den 1990er Jahren 300 Mitglieder. Darüber hinaus war sie Govenor der deutschen Sektion der Féderation des Pilotes Européenes und Mitglied in der Flugsportgruppe Airbus, Bremen e.V. (ehemals FSG Focke-Wulf bzw. FSG VFW). Ihr Flugzeug hatte sie vorübergehend auf dem Flugplatz Weser-Wümme (in der Nähe von Posthausen) stationiert.

Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes 1967 wurde sie 1968 Gründungsmitglied des Lauenburger Aero-Clubs und ließ sich trotz ihres hohen Alters nicht vom Fliegen abhalten. Noch mit 84 Jahren saß sie hinter dem Steuerknüppel und war so auch Deutschlands älteste Pilotin. Sie starb am 12.9.1994 im Alter von 85 Jahren in Seevetal bei Hamburg und ist im Familiengrab der Kunath auf dem Riensberger Friedhof begraben (Grabstelle W357a).

In Bremer ist 1995 die Hanna-Kunath-Straße beim Flughafen Bremen nach ihr benannt.

Regina Contzen 

Literatur und Quellen
Bremer Frauenmuseum (Hrsg.): Frauen Geschichte(n) – Biografie und FrauenOrte aus Bremen und Bremerhaven, Bremen 2016

http//pilotinnen.net.

Weser-Kurier 25.9.1979, 3.4.1985, 4.2.1994, 29.2.1994.

Zegenhagen, Evelin: Nur eine Handvoll Wind unter den Flügeln – Deutsche Pilotinnen und kommerzielle Luftfahrt vor 1945 (Teil 2: Ab 1933). Informationen der Vereinigung Deutscher Pilotinnen e.V., http://pilotinnen.net/datenfakten-mainmenu-37/historie-mainmenu-41?task=view von Evelyn Zegenhagen.