Kunst in der Knochenhauerstrasse

Marlies Nittka: Der gelbe Hof

Stoffdruck und Arbeiten auf Papier
Ausstellung vom 23. Mai bis 23. August 2018
Führung / Künstleringespräch: 14. Juni 2018, 17 Uhr

Marlies Nittka ist in Lübeck geboren und studierte von 2000 – 2005 Freie Kunst an der Hochschule für Künste Bremen bei Prof. Paco Knöller. Sie schloss ihr Studium mit Diplom und Auszeichnung ab und war anschließend von 2005-2006 Meisterschülerin bei Prof. Paco Knöller. Seit 2004 hat sie in zahlreichen Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen ihre künstlerischen Arbeiten gezeigt. Außerdem nahm sie an mehreren Arbeitsstipendien in Deutschland und Dänemark teil.

In dieser Ausstellung zeigt Marlies Nittka Arbeiten auf zwei unterschiedlichen Untergründen. Da sind  die Arbeiten auf Papier, die sie mit Ölfarben und Graphit bemalt und mit flüssigem Wachs tränkt. Diese Arbeiten werden häufig in gereihten Stapeln bearbeitet und immer wieder neu verdichtet. Ihre Motive sind meist abstrakt, lassen Assoziationen zu wie unbekannte Flugobjekte, Wurzeln, Zellstrukturen, Organe, Flechtwerk, Insekten usw. Sie selbst beschreibt sie als dreidimensionale oder flächige „verdichtete Formen, die aus der mechanischen, organischen und vegetativen Formenwelt kommen“. Als Farben verwendet sie eher gedeckte Braun-, Rot-, Grün-, Gelb- oder Schwarztöne. Die Verwendung von ölhaltigen Farben auf Papier hinterlässt manchmal einen gelben Hof, da das Papier das Öl aufnimmt und aufsaugt. Dieses Phänomen hat die Künstlerin zum Titel ihrer Ausstellung gemacht.

Das flüssige Wachs lässt einen opaken Farbraum zurück. Die zarten Zeichnungen mit Graphit bilden Netze und Flächen und verbinden einzelne Objekte der Komposition, verlieren sich aber auch ins Unendliche, wenn sie am Rand des Formats enden und doch durch den Betrachter weitergedacht werden können. Marlies Nittkas scheinbares Spiel mit Formen, Farben, Schichtungen hinterlässt eine zugleich verwirrende wie faszinierende Leichtigkeit und drückt eine Freude aus im künstlerischen Arbeitsprozess. Sie selbst sagt über ihr Tun: „Malen ist für mich das Betreten eines offenen Raumes…Substanzen, flüssig-weiche Ölfarben, erhitztes Wachs, saugendes Papier lassen mich abtauchen in einen Finde-Prozess, ein „Imaginäres Strömen“.

In den letzten Jahren hat Marlies Nittka neue, großformatige Arbeiten auf und mit Stoff geschaffen. Das Arbeiten mit Textil ermöglicht einen ganz anderen Schaffensprozess: maschinelles nähen, sticken, schneiden, reißen, bedrucken, färben, bemalen usw. Das Material wird in den Arbeiten von Marlies Nittka gleichzeitig zum Bilduntergrund und auf Keilrahmen aufgespannt. Doch zuvor werden Formen aus einfarbigen oder gemusterten Stoffen – ganz unterschiedlicher Struktur sowie neu oder gebraucht – geschnitten und auf- oder zusammengenäht. Oder sie werden anschließend bedruckt. Marlies Nittka wendet auf der Fläche die ganze Klaviatur des textilen Gestaltens an, ohne in die textile Handwerkskunst zu verfallen. Nähte haben nicht nur die Funktion, eine größere Fläche zu erzeugen oder das Material zu verbinden, in der Gesamtkomposition erscheinen sie dann auch als Linien oder füllen partiell durch die eng eingestellte Stichlänge der Nähmaschine Formen aus.

Marlies Nittka bleibt auch in ihren textilen Arbeiten ihrer künstlerischen Handschrift treu: die von ihr geschaffenen Figuren und Strukturen geben ihre Geheimnisse nicht preis. Sie verharren zwischen bekannt und unbekannt und fordern daher zu immer neuer Lust am Betrachten, Enträtseln und Assoziieren heraus.

Zitate aus: Katalog Marlies Nittka, Das warme Bad, Bremen 2006, S. 2

Anka Bolduan

Marlies Nittka, Einladungskarte

Vier Arbeiten je 35 x 50 cm, o.T., Ölfarbe, Grafit, Wachs auf Papier. c. Marlies Nittka