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Bahnson, Minna Johanna Henriette, geb. Drenkhahn

12.3.1866 in Altona – 2.5.1947 in Bremen

Minna war die jüngste der vier Töchter der Emma Sophie Marie geb. Meyer, und des Kaufmanns Friedrich Ernst Heinrich Drenkhahn. Sie besuchte eine der Höheren Töchterschulen in Altona und verbrachte die für bürgerliche Mädchen übliche Pensionszeit in der ostpreußischen Stadt Marienwerder. 1896 heiratete sie den Beamten und späteren Oberbaurat Carl Erasmus Bahnson, mit dem sie 1903 nach Bremen umzog.

Ihre politische Laufbahn, der sie sich als kinderlose Ehefrau eines fortschrittlich eingestellten und der Bewegung der Lebensreform angehörenden Mannes uneingeschränkt widmen konnte, begann mit dem Besuch eines Vortrags über die Stellung der Frau im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Er wurde von Marie Stritt (1855-1928), Mitglied im Vorstand des 1894 gegründeten Bundes Deutscher Frauenvereine (BDF) und Expertin in Frauenrechtsfragen, 1896 in Hamburg gehalten.

Sie ging in den Vorstand des Verbandes Norddeutscher Frauenvereine, ließ sich im Dezember 1903 zur Schriftführerin im Bremer Frauen-Erwerbs- und Ausbildungsverein (FEAV) wählen. 1904 trat sie in die in demselben Jahr gebildete Ortsgruppe des Deutschen Verbandes für Frauenstimmrecht ein. 1906 gründete sie mit Auguste Kirchhoff den Verein Mütter- und Säuglingsheim, der drei Häuser für ledige Mütter und deren Kinder eröffnete. 1908 übernahm sie von ihrer politischen Freundin Ottilie Hoffmann die Aufgabe, die Kommunikation zwischen dem FEAV und dem BDF fortzusetzen. Sie arbeitete im 1910 gebildeten Frauenstadtbund und gründete 1915 mit Auguste Kirchhoff und Helene Neesen den Bremer Hausfrauenverein. 1919 wurde sie als Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), der sie seit deren Entstehung in demselben Jahr angehörte, in die Bremer Nationalversammlung, 1920 in die Bürgerschaft gewählt. Als Abgeordnete war sie in der Deputation für Gesundheitswesen und Schule, in den Kommissionen für gerichtsärztliche Honorare und die Unterstützung von Rentnern, den Ausschüssen für Grund- und Gebäudesteuer und für die Straßenlinie am Dom, der Behörde für das Wohlfahrtswesen und im Pflegeamt tätig.

Minna B. gilt als Sozialpolitikerin. Diese Einschätzung ist insofern richtig, als das Engagement für die Benachteiligten der Gesellschaft in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielte. Aber der Schwerpunkt ihrer Politik war die Gleichberechtigung der Frauen. Als Bremer Mitglied im Deutschen Stimmrechtsverband war sie vor dem 1.Weltkrieg maßgeblich an der Auseinandersetzung um den §3 der Reichssatzung beteiligt, der das „allgemeine, gleiche, geheime und direkte aktive und passive Wahlrecht für beide Geschlechter zu den gesetzgebenden Körperschaften und den Organen der Selbstverwaltung“ forderte. Im Gegensatz zu ihrer langjährigen Mitstreiterin Auguste Kirchhoff vertrat sie die Ansicht, dass „es wünschenswert“ sei, „daß der §3…gestrichen wird“[1], weil das Frauenwahlrecht nicht über das jeweils für Männer geltende Wahlrecht – in vielen Ländern des Kaiserreichs wurde nach Klassen gewählt – hinausgehen dürfe.

Ihre konservative Orientierung in der Stimmrechtsdebatte setzte sich in ihrer Einstellung zu Fragen der Sexualpolitik fort. Sie distanzierte sich von der „Neuen Ethik“ des Bundes für Mutterschutz und Sexualreform, dessen Gründerin, Helene Stöcker (1896-1943), die bürgerliche Ehe kritisierte und für die Abschaffung des §218 eintrat. Aber im Kampf gegen die reglementierte Prostitution, für die das „Bremer System“ der Helenenstraße in der Weimarer Republik zum Vorbild aufstieg, erwies sie sich als ebenso konsequent wie radikal und vertrat die Forderung der Bremer Frauenvereine, die Helenenstraße abzuschaffen, von Beginn ihrer parlamentarischen Tätigkeit an in der Bürgerschaft. In der Sitzung vom 27.6.1919 wies sie auf das Elend ihrer „Mitschwestern“ aus der Bremer Kontrollstraße hin und stellte den Antrag, die Aufgaben der Sitten- und Gesundheitspolizei einem „Volkswohlfahrtsamt“ zu übertragen. Am 30.4.1926 wurde ihr Antrag angenommen, die Helenenstraße zu schließen, die Geschlechtskrankheit nicht nur bei den Prostituierten, sondern ebenso bei ihren Kunden zu verfolgen und die sogenannten „Kontrollmädchen“ statt der Polizei der Fürsorge zu unterstellen.

Die Kenntnisse über Prostitution hatte sie aus der Lektüre von Fachbüchern und dadurch, dass sie sich persönlich bei den Frauen in der Helenenstraße über deren Situation informierte. Als ein Abgeordneter der Fraktion der Deutschen Volkspartei 1930 für die Rückkehr zur Reglementierung eintrat, da „anständige Damen“ die Faulenstraße nicht mehr unbelästigt passieren könnten, sagte sie in der Bürgerschaft, dass „ich…mit anderen Damen…nachts zwischen 11 und 12 Uhr durch die Faulenstraße gegangen (bin), ohne daß wir belästigt worden wären“[2], und sie schlug vor, Frauen und Mädchen erst durch vernünftige Arbeitsplatzbeschaffung vor der Prostitution zu bewahren.

In der Zeit des Nationalsozialismus arbeitete sie im Kirchenkreis um Elisabeth und Tusnelde Forck, Maria Schröder, Hedwig Baudert, Anna Dittrich und Magdalene Thimme zusammen. Sie war eine der bedeutenden Frauen der Bremer Frauenbewegung. Nach dem 2.Weltkrieg trat sie in die Bremer DDP ein.

Noch als Achtzigjährige trat sie „als alte Vorkämpferin gegen Prostitution und Bordellwesen“ auf, als sie im Mai 1946 auf Einladung des Behördenbeirats für das Wohlfahrtswesen zur Frage „Kasernierung oder heimliche Prostitution?“[3] referierte.

Der Minna-Bahnson-Weg im Bremer Stadtteil Kattenturm wurde am 30.7.1968 durch Senatsbeschluss nach ihr benannt.

Publikationen
Bahnson, Minna: Ist es wünschenswert, daß der §3 aus der Satzung des Deutschen Verbandes für Frauenstimmrecht gestrichen wird? Bremen 1912

Literatur und Quellen
Bachmann, Elfriede: Minna Bahnson, in: Bremische Biographie, Bremen 1969, S.22-24
Schmitter, Romina: Minna Bahnson, in: Meyer-Braun, Renate (Hrsg.): Frauen ins Parlament!, Bremen 1991, S.31-52
Verhandlungen der Bremischen Bürgerschaft (VBB), 1930, (1919), 1926
WK 25.5.1946

Romina Schmitter

[1] Bahnson, S.8.
[2] VBB, 27.6.1930, S.248.
[3] WK, 25.5.1946.