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Frauen mischen sich ein: Die Ersten in politischen Gremien

Arbeiter- und Soldatenrat, Bremische Nationalversammlung – FrauenOrt

Ausgelöst durch die Revolte der Kieler Matrosen und die Bildung eines dortigen Soldatenrats griff das Bestreben, die alten Herrschaftsorgane zu stürzen und sie durch basisdemokratisch gewählte sozialistische Räte zu ersetzen, auch auf Bremen über. Vorbereitet war das auch hier durch bereits länger anhaltende politische Entwicklungen auf der politischen Linken. Am 6.November 1918 wurde vom Söller des Rathauses die Bildung eines Arbeiter- und Soldatenrates verkündet. Am 14.November 1918 übernahm er die ausschließliche politische Gewalt im Bremer Staatsgebiet, Senat und Bürgerschaft waren abgesetzt.[1]

Frauen waren in den revolutionären Organen nur als winzige Minderheit vertreten. Offenbar gab es in dem 180 Mitglieder umfassenden Arbeiterrat[2] nur drei Frauen: Käthe Ahrens, Gesine Becker und Minna Otto. Sie waren nicht durch Wahlen in den Betrieben hineingekommen – als Beruf gaben sie nämlich Hausfrau an – sondern auf andere Weise delegiert worden.[3] In den Sitzungen des Arbeiter- und Soldatenrates, der ab 14.November im Rathaus tagte, kümmerten sie sich besonders um sozialpolitische Themen, wollten die Not der Arbeiterfamilien lindern helfen. Als Frauenpolitikerinnen forderten sie Geschlechtergerechtigkeit bei Lohn und Erwerbslosenfürsorge.[4]

Nach Verkündung des Frauenwahlrechts durch den Rat der Volksbeauftragten in Berlin am 12. November 1918 wurden die ersten weiblichen Bremer Abgeordneten am 9. März 1919 in die verfassungsgebende bremische Nationalversammlung gewählt. Diese tagte bis Juni 1920 und erarbeitete die erste demokratische Verfassung Bremens, die am 18. März 1920 verkündet wurde. Von 200 Mitgliedern der Nationalversammlung waren 18 Frauen (9%). Ihre Namen nach Fraktionen geordnet:

Rita Bardenheuer (1877 – 1943), Erna Frank,[5] Hanna Harder (1888 – 1936), Karoline Hasselbach (1883 – 1981), Elise Jensen (1877 – 1924), Clara Jungmittag (1881 – 1961): alle MSPD,[6] Anna Stiegler (1881 – 1963) USPD,[7] Berta Hagedorn (1898 – 1993), Elise Kesselbeck (1870 – 1956) beide KPD,[8] Minna Bahnson (1866 – 1947), Agnes Heineken (1872 – 1954), Luise Koch (1860 – 1934), Henny Möhring, Johanne Runne, Meta Sattler (1867 – 1958), Minna Thiele,[9] alle DDP,[10] Mathilde Plate (1878 – 1963) DNVP,[11] Verena Rodewald (1866 – 1937) DVP.[12]

Literatur und Quellen:
Bremer Frauenmuseum e.V. (Hrsg.): 75 Jahre Frauenwahlrecht zur bremischen Bürgerschaft, Dokumentation zur Ausstellung im Haus der Bürgerschaft (9.3.-28.4.1994), Bremen 1994, S.28 f

Dr. Renate Meyer-Braun

Anmerkungen:
[1] Kuckuk: Bremen in der deutschen Revolution, S.70.
[2] Es wird auch die Zahl 215 genannt.
[3] Schunter-Kleeemann: Gesine Becker (1888-1968), in: Meyer-Brauen, Renate (Hrsg.), Frauen ins Parlament! S.62.
[4] ebda. S.63.
[5] Lebensdaten nicht ermittelbar.
[6] MSPD: Mehrheits-Sozialdemokratische Partei Deutschland.
[7] USPD: Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands.
[8] KPD: Kommunistische Partei Deutschlands.
[9] Alle ohne Angaben wie Anm. 5.
[10] DDP: Deutsche Demokratische Partei.
[11] DNVP: Deutschnationale Volkspartei.
[12] DVP: Deutsche Volkspartei.