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Frauen wählen (sich) selbst. Vom Frauenwahlrecht zur Genderdiskussion

Unter diesem Titel präsentiert das Bremer Frauenmuseum zum 100-jährigen Bestehen des Frauenwahlrechts 2018 vier Veranstaltungen an verschiedenen Orten in Bremen.

Am 26.Mai 2018 fand in Kooperation mit dem City 46 und mit Förderung des Senators für Kultur Bremen im City 46 die zweite Veranstaltung dieser Reihe unter dem Titel Mitten im Malestream – 1968 und die neue Frauenbewegung statt.

Vor circa 50 Jahren begann die neue Frauenbewegung – 50 Jahre nach Erlangung des Frauenwahlrechts in Deutschland. Im Februar 1968 besuchten auf Einladung der Bremer Jungsozialisten die Filmemacherin Helke Sander und Marianne Herzog eine Veranstaltung in der Lila Eule in Bremen. Beide Frauen hatten Anfang 1968 den Berliner Aktionsrat zur Befreiung der Frau gegründet, eine selbstständige Frauengruppe, in der Männer nicht mitarbeiten durften. Ihr erstes Ziel war es, eine gemeinsame Kinderbetreuung zu organisieren und dafür ein pädagogisches Konzept zu erarbeiten. 1969 gründete sich auch in Bremen ein Weiberrat. Ein Teil der Gruppe nahm an der Planung eines antiautoritären Kinderladens teil, die anderen „begannen im Mai (1969) Unterschriften gegen den Paragraphen 218 zu sammeln und gehörten damit indirekt zu den Initiatorinnen der bundesweiten Aktionen gegen den § 218.“ (Romina Schmitter: Zur neuen Frauenbewegung in Bremen, Bremen 1998).

Helke Sander, renommierte Filmregisseurin, drehte 2004 den Filmessay „Mitten im Malestream – Richtungsstreits in der neuen Frauenbewegung“. Als Rahmen für den Film diente eine zweitägige Diskussion, an der acht Aktivistinnen der Frauenbewegung teilnahmen. In dem gezeigten 92-minütige Film werden Originalfoto- bzw. Filmdokumente aus der Zeit präsentiert und in einer Diskussionsrunde die Kernfragen der neuen Frauenbewegung behandelt: Mütterpolitik, Selbstverständnis von Männern als Väter, die § 218-Kampagne, der real existierende Gebärstreik von Frauen, die politische Auseinandersetzung der Frauenbewegung mit den beiden christlichen Kirchen.

Im Anschluss an die Filmvorführung folgte eine lebendige Publikumsdiskussion mit Zeitzeuginnen – u.a. Prof. Dr. Ute Gerhard, Luise Scherf und Romina Schmitter – und den Besuchern zu dem Thema: Welches waren die Fragen der damaligen Bremer Frauenbewegung, welche Forderungen konnten umgesetzt werden und welche sind auch heute nach 50 Jahren noch aktuell?

Unsere nächste Veranstaltung dieser Reihe findet statt am
27.09.2018 – 19 Uhr  – Belladonna
(in Kooperation mit Belladonna)
Thema:
Die „Wiedervereinigung“ und die Frauen.