Kunst in der Knochenhauerstrasse

BLICK.ART – Fotografie

Fotoarbeiten von Regina Contzen

29.11.2018 – 21.02.2019
ZGF, Knochenhauerstr. 20-25, 2.Etage, 28195 Bremen

Ursprünglich war die Ausstellung Blick.Art mit zwei Fotografinnen geplant gewesen, doch Gisa Göbel Werner hat ihre Teilnahme aus Krankheitsgründen zurückgezogen. Das war zunächst eine Herausforderung für Regina Contzen, die kurzfristig eine viel größere Anzahl ihrer Werke zur Verfügung stellen musste, insgesamt sind es jetzt 47 Arbeiten. Ein Glück, dass sie unermüdlich und mit großer Leidenschaft fotografiert, so ist bis heute ein riesiges Oeuvre entstanden.

Regina Contzen begreift sich als ambitionierte Autodidaktin. Bereits als junge Frau begann sie mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen, entwickelt und vergrößert wurde im eigenen Fotolabor. Die Kamera war immer dabei, und so entstanden Dokumente ihrer Zeit als Studentin an der Uni, in der Frauenbewegung und als Lehrerin. Nach einem Kunststudium für das Lehramt (der sichere Beruf war ihr wichtig), arbeitete sie an Schulen in Bremen und Bremerhaven, wo sie auch zahlreiche schulübergreifende Projekte mit Ausstellungen an unterschiedlichen Orten durchführte, z.B. mit der Landesgemeinschaft Kunst in Bremen. Sie hatte auch Lehraufträge an der Fachhochschule und der Volkshochschule.

Jahrelang gab sie Fotokalender mit dem Titel „Norddeutsche Landschaft“ im Verlag Atelier im Bauernhaus heraus. In Oldenburg zeigte sie Fotografien mit dem Titel „Impressionen“. Das vom Bremer Frauenmuseum publizierte Frauenlexikon Frauen Geschichte(n). Biografien und FrauenOrte aus Bremen und Bremerhaven bereicherte sie nicht nur mit Texten, sondern auch mit vielen Bildern.
Inzwischen fotografiert sie digital und in Farbe, eine Bildbearbeitung am PC erfolgt nur für Ausschnitte und eine geringfügige Nachjustierung. Das ursprüngliche Bildmotiv soll nicht verfälscht werden.

Ihr bevorzugtes Sujet ist bis heute die Landschaft als Stimmungsbild.
Auf Spaziergängen in der Umgebung und vor allem auf Reisen findet sie immer reizvolle Motive. Meistens hat sie die Kamera dabei und freut sich über Zufallsentdeckungen, Licht und Schattenspiele oder ungewöhnliche Wolkenformationen, die dann gleich fotografisch festgehalten werden.
Manchmal kehrt sie auch an Orte zurück, um die Motive zu einer anderen Tageszeit aufzunehmen. Nicht die Idylle zählt, sondern das Unkontrollierte und zufällig Gewachsene in der Landschaft.

Regina Contzen bezieht sich in der Ausstellung vorwiegend auf norddeutsche Landschaften, sie ist oft auf Amrum, reist aber auch gerne in andere europäische Länder und dokumentiert ihre visuellen Erlebnisse in Fotobüchern.

Blick.Art umfasst 47 Fotografien als Serien mit Titeln wie: Blattwerk, Holzwerk, Naturwerk, SandArt, StrandArt, Wandwerk, Hauswerk, NaturArt, LandArt, WolkenArt. Es handelt sich hier um eine Auswahl aus einer Fülle an Arbeiten, die die Künstlerin im Laufe ihres Lebens geschaffen hat.

Die „Wandwerke“ im Eingangsbereich wirken wie Gemälde, kunstvoll komponiert, in leuchtenden Farben. Es sind aber konkrete Gegenstände, Mauern von teils verfallenen Gebäuden. Reste von bemalten Kacheln oder blaue Farbe einer Wand zeugen davon, dass sie einmal bewohnt waren. Der abgeblätterte Putz hat zufällige Linien und Strukturen erzeugt, dazwischen wuchern Pflanzen und erobern sich allmählich ihren Raum zurück. Gekonnt werden Bildausschnitte gewählt, um spannende Details zu betonen.

Hier und bei den anderen Fotografien zeigt sich, dass Regina Contzen mit einem künstlerischen Blick für das Besondere unterwegs ist. „Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera“, sagte Gisèle Freund einmal.

Auch in den Serien Naturwerk und Holzwerk geht es um das Verhältnis von Natur und Zivilisation, von Ordnung und scheinbarer Unordnung. Wir sehen einen Holzstapel, der schon von Grünspan und Moos befallen ist, die Bretterwand einer Scheune, die herabgefallenen Äste auf einer gelben Plane, die neue Strukturen bilden. Offensichtlich spielt Farbe eine wesentliche Rolle: das satte Grün des Efeus trifft auf eine gelbe Farbfläche, selbst der Holzstapel ist von einer intensiven Farbigkeit, von Grau, Rot und Grün bis hin zu tiefem Schwarz.

Offensichtlich ist auch die Faszination für Reihungen und Schichtungen in vielen der Serien. In „Blattwerk“ finden sich zarte und filigrane Elemente von malerischem Reiz. Meereslandschaften inspirieren die Künstlerin immer wieder zu stimmungsvollen Bildern: Strukturen und Muster im Watt, die Vielfalt der Farben von Wasser und Sand. Die zahlreichen Wolkenbilder zeigen, wie gern Regina Contzen in den Himmel schaut und nicht genug von den wechselnden Formen und Farben bekommen kann.
Sie lädt uns ein, anhand des Perspektivwechsels von Weite und Nähe, von Bekanntem und Unbekanntem die eigene Wahrnehmung zu sensibilisieren.

Auch wenn sie keine konkreten Botschaften vermittelt, verstehe ich ihre Arbeiten als Appell an uns, die Schönheit der Natur zu erhalten und nicht zu zerstören.
Schließen möchte ich mit einem Zitat von Albrecht Dürer:
„Willst du wissen, was Schönheit ist, so gehe hinaus in die Natur, da findest du sie.“
Ich wünsche Ihnen viel Freude mit dieser Ausstellung, die hiermit eröffnet ist.

Monika Brunnmüller
28.11.2018