Artikel

Schmitter, Romina: Prostitution – das älteste Gewerbe der Welt?

Fragen der Gegenwart an die Geschichte
Romina Schmitter,  Schardt-Verlag Oldenburg 2004

Inhalt:

Vorwort

  1. Priesterinnen, Tempeldienerinnen und Sklavinnen – Sexuelle Tempelkulte und Prostitution im Alten Orient
  2. Hetären, Auletriden und Kurtisanen – Dikteriaden und Lupae – Sexuelle Kultur und Bordellsklaverei in der griechischen und römischen Antike
  3. Frauenhäuser -Gewerbeähnliche Prostitution in mittelalterlichen Städten
  4. Von der Dirne zur Hure – Bekämpfung der Prostitution zur Zeit der Reformation
  5. Reglementierung, Kasernierung und “Sittenwidrigkeit” – Prostitution im 19. und 20. Jahrhundert
  6. Prostitution – Laster oder Beruf? – Der Umweg zum Prostitutionsgesetz (2002)
  7. Fazit

Anmerkungen
Literaturverzeichnis
Register

Vorwort
Die Meinung, Prostitution sei das “älteste Gewerbe der Welt”, wird nicht nur am Stammtisch vertreten. Sie fungiert auch als Titel entsprechender Veröffentlichungen, z. B. der des gleichnamigen Werkes des Journalisten, Sachbuchautors Lujo Bassermann, das 1965 erschien.’ Selbst Lexika – wie der mehrbändige “Encyklopedia Americana” – gehen davon aus, dass – Prostitution, oft als ältestes Gewerbe der Welt bezeichnet… in der gesamten aufgezeichneten Geschichte nachweisbar ist”.

Angesichts dieser Übereinstimmung von Stammtisch, Publizistik und Wissenschaft muss der Eindruck entstehen, dass der Handel mit sexuellen Dienstleistungen meist weiblicher Menschen eine Art Naturerscheinung Die Tatsache allerdings, dass es sich dabei um einen sozialen Misstand handelt, der – von Ausnahmen abgesehen – mit Zwang, Ausbeutung und Diskriminierung verbunden ist, führt zu der Frage, ob Prostitution wirklich das “älteste Gewerbe der Welt” ist, dies um so mehr, als sich spätestens seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts Prostituiertenverbände gegen die Rechtlosigkeit und Stigmatisierung der beteiligten Frauen haben. Dabei impliziert diese Frage als weitere die, ob – und . wann – Prostitution ein Gewerbe im Sinne einer selbständigen – zum Zweck des Lebensunterhalts war bzw. ist.