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Das Bremer Frauenmuseum zu Gast bei Elke Büdenbender im Bundespräsidentenpalais

Matinee für Louise Ebert

Zum Gedenken und zur Ehrung von Louise Ebert (1873-1955) veranstalteten der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Frau Elke Büdenbender eine Matinee:

Louise Ebert (1873-1955) – Deutschlands erste First Lady und der Kampf um Bildung, Gleichberechtigung und gewerkschaftliches Engagement,

zu der auch das Bremer Frauenmuseum eingeladen wurde.

Solche Briefe bekommt man nicht alle Tage! Anka Bolduan und Marion Reich waren als Vorstandsmitglieder des Bremer Frauenmuseums vom Bundespräsidenten für den 6.September ins Schloss Bellevue eingeladen.

Das Bremer Frauenmuseum – Anka Bolduan und Marion Reich – zu Gast bei Elke Büdenbender im Bundespräsidentenpalais

Nach erstem Staunen wurde uns klar, wie man auf das Bremer Frauenmuseum gekommen sein musste. Denn wer im Internet „Louise Ebert“ eingibt, stößt als erstes auf den zugehörigen Wikipedia-Eintrag. Dort sind als Literatur nur zwei Titel angegeben: der Beitrag aus unseren „Frauen Geschichte(n)“* und ein Artikel aus Heidelberg. Dass es noch mindestens zwei weitere Bücher zum Thema gibt, ist nicht berücksichtigt.

Leicht aufgeregt und voller Vorfreude reisten wir nach Berlin und wurden im Schloss Bellevue mit seinem eleganten Interieur empfangen. Es waren ungefähr fünfzig Besucher anwesend, darunter viele junge Leute, auch der Bürgermeister von Weyhe, zu dem Louise Eberts Geburtsort Melchiorshausen gehört, und ein Urenkel Friedrich Eberts.

Federführend bei dieser Veranstaltung war Frau Büdenbender; ihr Ehemann saß in der ersten Reihe und beschränkte sich aufs Zuhören. Sie begründete dies damit, dass es einmal nicht um das Staatsoberhaupt, sondern um die Frau an seiner Seite gehe. Nach einer kurzen Videoeinführung in das Leben Louise Eberts hielt Frau Büdenbender einen faszinierenden Vortrag.** Sie schilderte den erstaunlichen Aufstieg dieser Frau, aus Armut und Benachteiligung und ohne Bildungschancen, in das Palais des Reichspräsidenten.

Erstaunen machte sich breit, als sie sagte, sie habe bei Buchversendern 250 Bücher und 60 DVDs gefunden – aber nein, da ging es um Eva Braun, Hitlers Gefährtin. Zum Thema Louise Ebert fand sie dagegen nur ein schmales Bändchen. Sie beklagte die Ignoranz gegenüber den Pionieren unserer Demokratiegeschichte. Denn Louise Ebert sei eine echte Pionierin gewesen. Schließlich hatte es vor ihr keine First Lady, sondern nur eine Kaiserin gegeben. Louise Ebert grenzte sich bescheiden ab vom Pomp der Monarchie, hat aber ihr Amt würdig ausgefüllt, denn sie wurde allerseits nicht nur als ausgezeichnete Gastgeberin gerühmt.

Elke Büdenbender zog eine Parallele zu ihrem eigenen Lebenslauf, auch sie stammt aus eher bescheidenen Verhältnissen. Sie betonte die Bedeutung von Bildung und Chancengleichheit für junge Frauen auch in unserer Zeit.

Ihren Vortrag schloss sie mit den Worten: „Wenn wir in diesem Jahr an die Gründung der Weimarer Republik erinnern, sollten wir auch an Louise Ebert erinnern – an die Frau, die unsere erste Demokratie in schweren Zeiten ohne Pomp, aber mit großer Würde repräsentiert hat.“

Diskussion mit Elke Büdenbender u.a.

Anschließend diskutierte sie mit der stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Elke Hannack, und den Auszubildenden und Vorsitzenden der Jugend- und Auszubildendenvertretung Franziska Drees und Sandra Meyer über das Wirken von Louise Ebert und zu aktuellen frauenpolitischen Problemen. Es moderierte Annette Riedel.

Zum Abschluss des ereignisreichen Vormittags, bei köstlichen Snacks, bekamen wir Gelegenheit für ein Erinnerungsfoto mit unseren Gastgebern.

Marion Reich

* Bremer Frauenmuseum e.V: (Hrsg.): Frauen Geschichte(n). Biografien und FrauenOrte aus Bremen und Bremerhaven, Bremen 2016.

** Text der Rede und Foto von Elke Büdenbender unter http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Berichte/DE/Elke-Buedenbender/2019/190906-Louise-Ebert.html