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Stemmermann, Anna Wilhelmine

12.10.1874 in Altenbruch – 14.4.1928 in Bremen

Anna, Tochter des Arztes Wilhelm Stemmermann und seiner Frau Marie Henriette Wilhelmine, geb. Wohlers, hatte zwei jüngere Brüder und eine Schwester, die jedoch früh verstarb.

Nach der Höheren-Töchter-Schule in Otterndorf und der Bringemannschen Schule in Bremen besuchte sie zunächst das Lehrerseminar in Wolfenbüttel und arbeitete als Hauslehrerin, später als Lehrerin an der privaten Höheren Töchterschule ihrer Tante Ida Wohlers, um dann von 1896 bis 1899 ein Gymnasium in Berlin zu besuchen und mit einer Externen-Prüfung am Alten Gymnasium als erste Abiturientin Bremens ihre allgemeine Hochschulreife zu erwerben. Ihr Medizinstudium an den Universitäten in Göttingen, Freiburg im Breisgau und in Bonn schloss sie hier 1905 mit dem Staatsexamen ab.

Sie arbeitete als erste Assistenzärztin am St.-Jürgenasyl in Ellen, der Irrenanstalt Bremens, als Volontärin an der gynäkologischen Poliklinik der Charité in Berlin, als Assistentin am Diakonissenhaus für Frauenkrankheiten und am Kinderspital Siloah in Pforzheim. Doch statt der Chirurgie strebte sie nun die Allgemeine Medizin an. So promovierte sie 1906 zum Dr. med. in Leipzig, um 1907 ihre eigene Praxis in Bremen Mitte, Fedelhören 87 zu eröffnen, die sie bis zu ihrem Tod führte. Sie war die erste und bis 1920 einzige in Bremen zugelassene Ärztin.

Mit großem sozialen Engagement setzte sie sich für arbeitslose und arme Menschen ein, engagierte sich beim Aufbau der Jugendfürsorge sowie im Bremer Hausfrauenverein und unterrichtete im Frauen-Erwerbs- und Ausbildungsverein (FEAV) und an der Ida-Wohlers-Schule. Außerdem war sie Vertrauensärztin der Erholungshilfe für Hausfrauen und Vertrauensärztin für die Kriegerwitwen und -waisen.

Im Alter von 54 Jahren starb sie 1928 an Leberkrebs. Durch die nach ihrem Tod gegründete Dr.-med.-Anna-Stemmermann-Stiftung konnten soziale Projekte finanziert werden, wie z.B. ein zentraler Mittagstisch für Bedürftige und Berufstätige oder ein Ruheraum für berufstätige Frauen im Ottilie-Hoffmann-Haus. Die Stiftung konnte bis 1949 wirken, als durch die Währungsreform ihre Mittel verloren gingen.

Literatur und Quellen

Freie Universität Berlin, Dokumentation Ärztinnen im Kaiserreich: http://web.fu-berlin.de/aeik/HTML/rec00927c1.html, Zugriff 1.3.2020

http://www.exxtraseiten.de/stemmermann, Zugriff 1.3.2020.

Schöck-Quinteros, Eva (Hrsg.) unter Mitarbeit von Sigrid Dauks: In Bremen war sie die erste Ärztin. Dr. med. Anna Stemmermann. In: Buten un Binnen, Wagen un Winnen. Erste Bremerinnen, Berlin 1998. 2.Aufl.

Schwarzwälder, Herbert: Das große Bremen-Lexikon. 2., aktualisierte Auflage, Bremen 2003

Bremer Frauenmuseum e.V.