1896 in Wuppertal-Barmen – 22.9.1971 in Bremen
Oberin der Bremischen Schwesternschaft vom Roten Kreuz
Margarethe G. war die Tochter eines Arztes. Ihre Schwesternausbildung begann sie 1916 und wurde nach dem Besuch der Rot-Kreuz-Hochschule in Berlin 1929 vom leitenden Arzt Dr. Georg Strube zur Oberin ernannt. Obwohl noch jung an Jahren, hatte sie sich doch schon das Vertrauen der Ärzte und Mitschwestern erworben.
Sie stand damit in einer langen Tradition der Bremer Schwesternausbildung. Der 1876 gegründete Krankenhausverein zur Schwesternausbildung bot jungen Frauen nach einer gründlichen Ausbildung eine gesicherte Stellung und als Teil einer Genossenschaft ein Leben in familiärem Rahmen. Im Gegensatz zu anderen Bremer Krankenhäusern, wo Diakonissen tätig waren, bestand hier keine konfessionelle Bindung, was eine freiere Organisation ermöglichte.
Das Krankenhaus entwickelte sich seit Mitte der 1920er Jahre vom spezialisierten Lehrkrankenhaus zum allgemeinen Krankenhaus für die Bewohner der Neustadt. Das Schwesternhaus befand sich in der Osterstr.1. Von 1926 bis 1937 nannte es sich vorübergehend nach dem ersten Erzbischof von Bremen „Willehadhaus“, es wurde 1944 zerstört. Heute sind 700 Rotkreuzschwestern und -pfleger Teil des Vereins der Bremischen Schwesternschaft vom Roten Kreuz, seit 2015 unter der Leitung der Oberin Friederike Juchter.
Während ihrer Amtszeit von über drei Jahrzehnten ist es Schwester Margarethe mit hohem persönlichem Einsatz gelungen, schwere Zeiten zu meistern. Sie musste die Mangelzeiten der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren bewältigen. Während der NS-Herrschaft wurden die Rot-Kreuz-Einrichtungen aufgelöst und „gleichgeschaltet“, indem sie in das „Deutsche rote Kreuz“ überführt wurden. Im 2. Weltkrieg ging es darum, eine große Zahl von Schwestern zum Sanitätsdienst bereitzustellen und gleichzeitig den Krankenhausbetrieb aufrecht zu erhalten. Margarethe G. ist es gelungen, die Ideale des Roten Kreuzes aufrecht zu erhalten. Nach 1945 kümmerte Margarethe sich um den Wiederaufbau des Hauses und die Neuorganisation der Schwesternschaft. 1946 fusionierte man mit dem Haus Elisabeth, der Schwesternschaft, die der Städtischen Krankenanstalt angegliedert war. Das ließ Margarethes Aufgabenkreis stark wachsen, denn sie war jetzt für 752 Schwestern zuständig. Um ihre Ziele zu erreichen, engagierte sie sich daneben viele Jahre auf Bundesebene im Deutschen Oberinnenverband.
Die Lebensstellung einer Oberin bringt seit jeher hohes gesellschaftliches Ansehen mit sich. Sie hat weitreichende Befugnisse über die ihr anvertrauten Schwestern und nimmt in Zusammenarbeit mit den leitenden Ärzten Einfluss auf die Gesamtentwicklung des Krankenhauses. Die Zeitgenossen sind sich aber einig, dass das lange Zeit verbreitete Klischee von der autoritären Oberin, die ein strenges Regime führt und bei Schwestern und bei jungen Assistenzärzten gefürchtet wird, auf Margarethe Gerhardt auf keinen Fall zutraf.
Zu ihrem Abschied wurde ihr 1963 vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes als höchste weltweite Auszeichnung für Krankenschwestern die Florence-Nightingale-Medaille verliehen. Sie trägt die Inschrift „als immerwährende und allseitige Auszeichnung für wahre Nächstenliebe und edle Menschlichkeit.“
Margarethe verstarb im Alter von 75 Jahren. In der Traueranzeige der Schwesternschaft hieß es: „Die hohen Ziele des Roten Kreuzes, denen sie sich zutiefst verpflichtet fühlte, bestimmten ihr Wirken. Aus diesem Geist erfüllte sie die Aufgabe ihres Lebens in selbstentäußerndem Dienst am Nächsten zum Segen für viele.“
Marion Reich
Literatur und Quelle:
Archiv Schwesternschaft vom Roten Kreuz