28.8.1913 Hamburg – 19.7.2001 in Bremen
Clara Bockholt fotografierte das Milieu an der „Bremer Küste“
Carla, geb. Kalkbrenner, später verh. Deppe und dann Bockholt, wuchs im Waisenhaus auf. Sie arbeitete zunächst als Küchenhilfe bei Kaffee HAG. Kurz vor dem 2. Weltkrieg heiratete sie den Feinmechaniker Heinz Deppe, mit dem sie die Kinder Heinz jun. und Marion bekam.
Da ihr Ehemann an Tuberkulose erkrankt war und nicht zum Lebensunterhalt der Familie beitragen konnte, sah Carla sich gezwungen, ihre Familie mit Gelegenheitsarbeiten und Schwarzmarktgeschäften durchzubringen. Eines Tages entdeckte sie die Fotografie als Einnahmequelle. „Bewaffnet“ mit einem Eisbärenfell begann sie in der Stadt und auf Jahrmärkten gegen Vorkasse „Menschen mit Eisbär“ zu fotografieren.
Nach ihrer Scheidung 1948 nahn Carla wieder ihren Mädchennamen Kalkbrenner an. Mit ihrem zweiten Ehemann Friedrich Karl Bockholt, dem Geschäftsführer des „Golden City“, des wohl berühmtesten Nachtlokals im Bremer Hafen, lebte sie bis zu ihrem Tode im Jahre 2001 zusammen. Aus dieser Ehe entstammte ihr Sohn Hartmut.
Ab 1949 zog sie an der „Küste“ im Bremer Westen durch die Lokale und fotografierte auf Bestellung. Ihre Kunden waren z.B. Seeleute, die ein Passbild benötigten. Sie ließ die Bilder noch nachts entwickeln und gab sie morgens auf den Schiffen ab. Sie gewann das Vertrauen der dort tätigen Animierdamen und Prostituierten, die sich ebenfalls gern von ihr ablichten ließen, und übernahm bei ihnen gelegentlich die Rolle der Seelentrösterin. Viele ihrer Aufnahmen finden sich in dem Band „Die Taschen waren voller Geld“ von Frauke Wilhelm. Carlas Sohn Heinz Deppe jun. verwaltet ihren Nachlass, ein einzigartiges Archiv aus Zeiten des Hochbetriebs im Hafen der 1950er und 1960er Jahre.
Marion Reich
Literatur und Quelle:
Wilhelm, Frauke: Die Taschen waren voller Geld, Bremen 2011.