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Abt (auch Abbt), Elisabeth Felicitas Katharina, geb. Knecht

18.12.1741 in Biberach – 17.9.1783 in Göttingen

Elisabeth[1] war die Tochter des Wundarztes und Chirurgen Sebastian Knecht und seiner Frau Benigna Friederike geb. Dinglinger. „An ihrem Heimatort trat sie auf der Liebhaberbühne der Bürgerlichen Komödiantengesellschaft auf und traf dort mit dem Schauspieler Carl Friedrich Abt zusammen.“[2]

1765 brannte sie mit dem acht Jahre älteren Daniel Dettenrieder durch, versteckte sich vor ihrer bürgerlichen Familie zunächst in Heilbronn und folgte Abt dann nach Norddeutschland. „Die beiden traten als Ehepaar auf und nannten sich Karl und Felicitas Abt. Ob sie je getraut wurden, ist fraglich.“[3] In den folgenden Jahren trat sie jedoch als Madame Abt in dem Rollenrepertoire der Wanderbühne vom Lustspiel bis zum Trauerspiel, von Opern- und Singspielen bis zum Ballett auf. Obwohl ihr Ehemann zugleich ihr Schauspiellehrer war, hatte sie sich in den Jahren ihres oft mühseligen Wandertheaterlebens einen eigenen und eigenwilligen Spielstil angeeignet, der ihr bewundernde Huldigungsgedichte und die Eifersucht ihres Mannes einbrachte. Überhaupt scheint Felicitas Abt „die vornehmste Stütze der Truppe“ gewesen zu sein bei den ständig scheiternden Versuchen ihres Mannes, eine eigene Schauspieler-Gesellschaft aufzubauen: 1768 in Erfurt, 1769 in Wien, 1772 in Thüringen, Sachsen und Köln, 1773-1777 in Holland, u.a. Den Haag und Amsterdam, 1777-1780 in Münster.

Im Sommer 1780 kam das Ehepaar Abt aus Münster nach Bremen, wo die Schauspieler besondere Anerkennung und ein begeistertes Publikum fanden, das sich für die Einrichtung eines Schauspielhauses einsetzte. Zur theaterfreundlichen Aufnahme in Bremen trug vermutlich auch bei, dass man von der bürgerlichen Herkunft Felicitas wusste und von der Freundschaft, die ihr die Herzogin Anna Amalia in Weimar anlässlich eines Gastspiels angeboten hatte. In Bremen erhielt Abt nun die Erlaubnis des Senats, ein Theater zu errichten.

Der Spielplan der Abtschen Gesellschaft umfasste unterhaltsame Lustspiele, der Schwerpunkt lag auf dem Musiktheater, in dem Felicitas als wirkungsvolle Hauptdarstellerin in Melodramen als Sophonisbe, Ariadne oder Medea mit Gesang und Rezitation der Publikumsmagnet war. Sie trat als erste Frau in der Rolle des „Hamlet“ auf und löste mit ihrem Einbruch in die Domäne der Männerrollen zwiespältige Reaktionen aus zwischen Bewunderung und Ablehnung.

„Als Hauptattraktion der Schauspieltruppe musste Felicitas, ob krank, ob hochschwanger auf der Bühne auftreten. Vergeblich versuchte sie, vom Theaterleben fortzukommen, das ihre Gesundheit immer mehr angriff. Ihren Plan, eine Schule für die „Erziehung junger Töchter“ zu gründen, hat sie nicht verwirklichen können.“[4]

Am 24.6.1783 stand Felicitas Abt zum letzten Mal während eines Gastspiels in Göttingen auf der Bühne. Im September musste Abt seine sterbende Frau in Göttingen zurücklassen, da seine Aufenthaltserlaubnis in der Stadt nicht verlängert wurde.

„Ständig unterwegs, auf zugigen Bühnen, holte sich Felicitas vermutlich die schwere Krankheit (Tuberkulose)“[5], an der sie – erst 42 Jahre alt – starb.

Sie wurde in Göttingen auf dem Kirchhof der Jacobigemeinde beerdigt, nachdem es umstritten war, ob eine „Komödiantin“ auf dem Friedhof begraben werden dürfte.

Ihr früher Tod spricht nicht nur für ein sich verschleißendes Künstlerinnenleben, sondern auch für ein Frauenleben, gekoppelt an den Prinzipal Abt. Die Allgemeine Deutsche Bibliothek weiß über ihn zu berichten: „Er quälte seine Frau zu Tode, war Bigamist, Mädchenverführer, mutmasslicher Mörder und Schuldenmacher, aber einer der besten Schauspieler.“[6]

Karl Friedrich Abt starb knapp 2 Monate später in Bremen, wo er ein ehrenvolles Begräbnis erhielt. Das Ehepaar Abt hinterließ drei Söhne – 14, 12 und 3 Jahre alt – Bremer Theaterfreunde kümmerten sich um die Versorgung der Waisen.

Die Quellen zu ihrer Biographie sind spärlich. Ein Bild von Geyser im Gothaer Theaterkalender von 1780 ist von ihr überliefert, das sie in Haartracht, Kostüm, Haltung und Mimik eher als bürgerliche Frau ausweist. „Ihr schöner Wuchs, der edle Anstand, die reine Sprache, ihr musikalischer Ton, die bedeutende Gestikulation und Gemütsbildung, ihr feines Gefühl, ihre Menschenkenntnis und vielfältige Erfahrung wurden von ihren Kritikern immer wieder hervorgehoben und gerühmt.“[7]

Anmerkungen:
[1] andere Namensformen: Knecht, Felicitas (Geburtsname), Abbt, Felicitas, Abbt, Felizitas.
[2] Felicitas Abt, https://biberach-riss.de/media/custom/451_1766_1.PDF?1126581614, Zugriff 13.9.2015.
[3] ebda.
[4] Rüppel 1996, S.173.
[5] Wie Anm.2.
[6] Pies S.17.
[7] ebda. S.18.

Literatur und Quellen:
Buck, Inge (Hrsg.): Ein fahrendes Frauenzimmer, München 1994.
Keuler, Dotothea: Skandalöse Paare aus Baden- und Württemberg: Aus der Reihe getanzt. Ein glänzendes Elend, Schauspieler-Ehepaar Karl Friedrich und Felicitas Abt, Tübingen/Baden-Baden 2013, S. 52 – 70, 208 – 209.
Pies, Eike: Prinzipale, Düsseldorf, 1973, S.17.
Rüppel, Michael: “Nur zwei Jahre Theater, und alles ist zerrüttet“, Bremer Theatergeschichte von den Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, Heidelberg 1996.
Rüppel, Michael: Von der Wanderbühne zum Schauspielhaus. Die Entwicklung des bremischen Theaters von der Mitte des 18. bis zum Beginn des 19.Jahrhunderts. Beiträge zur Sozialgeschichte Bremens, Heft 10, Bremen 1987
Nachlass der Schauspielerin
Universitäts- und Landesbibliothek <Münster, Westfalen>; Signatur: Sprickmann-Nachlaß: Brief von Felicitas Abt an Anton Matthias Sprickmann, Anton Matthias (1749-1833) Hannover, 3.3.1780-1 Br., 2 Bl.
Brief von Felicitas Abt an Anton Matthias Sprickmann Osnabrück, 13.4.1780–1 Abschiedsgruß, 1 Bl.-Deutsch; Brief; Handschrift, DE-611-HS-39603, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-39603

Inge Buck