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Akerhielm (af Blombacka) Baroness, Sigrid Charlotta

13.1.1875 in Jänköping/Schweden – 7.8.1967 in Bremen

Sigrid, Baroness Akerhielm entstammte einer sozial engagierten Familie. Ihre Kusine war Elsa Brandström (1888-1948), die als Abgeordnete des schwedischen Roten Kreuzes von 1914-1920 das Los der deutschen Kriegsgefangenen in Sibirien linderte und als „Engel von Sibirien“ in die Geschichte einging.

Mit 20 Jahren begann Sigrid Akerhielm am Königlichen Gymnastikinstitut in Stockholm eine zweijährige Ausbildung, die sie mit dem Diplom einer Gymnastikdirektorin beendete. 1897 ging sie nach Deutschland. Sigrid Akerhielm arbeitete zunächst zehn Jahre lang am Schwedischen Gymnastik-Institut in Dresden, bevor sie 1907 nach Bremen übersiedelte und ein Institut für Heilgymnastik eröffnete, das sie bis 1926 betrieb.

Ihr Institut gewann insbesondere im 1. Weltkrieg an Ansehen und Bedeutung, als sie die Heilgymnastik in Bremer Lazaretten unter Assistenz von neun schwedischen Mitarbeiterinnen anwandte. Hierfür wurde sie mit der Deutschen Rote-Kreuz-Medaille ausgezeichnet. Nach Beendigung des 1. Weltkrieges trat Sigrid Akerhielm im Jahre 1919 der neugegründeten Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF) bei und arbeitete unermüdlich, zusammen mit Auguste Kirchhoff, für die gesetzten Ziele. Sie war Vorstandsmitglied der bremischen Sektion und Schatzmeisterin des gesamten deutschen Zweiges. Maria Krüger verwies in einer späteren Niederschrift auf die gelungene Verknüpfung von Berufs- und Friedensarbeit und berichtete, dass für Sigrid Akerhielm der Beruf mehr als Broterwerb war. Sie sei „am ungestörten, in seiner Entwicklung nicht behinderten Körper eines jeden Menschen interessiert“ gewesen, habe den Krieg und seine unausweichlichen Folgen für die einzelnen Menschen und für die Menschheit gehasst und habe die Meinung vertreten, daß „ein Krieg nicht nur den Körper, sondern auch den Geist und die Seele der Menschen“ zerstöre (IFFF S. 43/44).

1933 erlebte Sigrid Akerhielm die Auflösung der Liga durch die Nationalsozialisten. Als Schwedin nutzte sie ihre vielfältigen Beziehungen zu ihrem Heimatland und half Verfolgten des Regimes, vor allem Juden, bei der Umsiedlung und Flucht. Wärend des Krieges erhielt sie von Mitgliedern der IFFF, die in neutralen Ländern lebten, die Briefe Lyda g. Heymaanns.

Nach dem Kriege rief Sigrid Akerhielm zum Neubeginn der Friedensarbeit auf. Sie initiierte einen Arbeitsausschuß, um mit ihm die Ortsgruppe der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit neu zu gründen. Am 16.2.1946 wurde die bremische Sektion genehmigt. Sigrid Akerhielm übernahm den Landesvorsitz der IFFF. Am 4.9.1949 fand aus Anlass des Kriegsbeginns im September 1939 eine Friedenskundgebung in Bremen statt, bei der sich Sigrid Akerhielm als einzige Rednerin in einer Reihe von Männern primär an die Frauen und Mütter wandte. 1950 setzte sie sich angesichts der Frage der deutschen Remilitarisierung im Rahmen der Arbeit in der IFFF für einen Volksentscheid, den sie als „die höchste Ausdrucksform der Demokratie“ betrachtet, ein. Ab 1952 arbeitete die IFFF auch mit der im selben Jahr gegründeten Westdeutschen Frauenfriedensbewegung (WFFB) zusammen, in der in Bremen Marlies Schütte führend tätig war. Beide Frauen gehörten auch zum WFFB-Präsidium, das 1952 in Heidelberg eine Erklärung Friedensvertrag – nicht Generalvertrag abgab. Doch die Sache der deutschen Pazifistinnen war verloren. Am 2.6.1958 unterschrieben sie und mehr als 100 Frauen u.a. Anna Stiegler, Marlies Schütte, die damalige Vorsitzende des IFFF, Grete Henry, Anna Klara Fischer und Minna Specht den Aufruf des „Ausschusses gegen die atomare Aufrüstung“.

Besonders in Schweden wurde die pazifistische und humanitäre Arbeit von Sigrid Akerhielm gewürdigt. 1952 erhielt sie von König Gustav VI. Adolf von Schweden die Vasa-Medaille, 1958 wurde sie auch mit dem Vasa-Orden, der nahezu ausschließlich an Männer vergeben wird, ausgezeichnet.

Sigrid Akerhielm starb geehrt im Hohen Alter von 92 Jahren in Bremen St.Magnus.

Literatur und Quellen:
Butterwegge, Christoph: Friedenspolitik in Bremen, Bremen 1989.
Deutsche Publizistik im Exil, 1933 bis 1945: Personen – Positionen, Festschrift für Ursula E. Koch, München 2000, S. 126 IFFF, Frauenfriedensgeschichte seit 1915, IFFF Berlin 1988.
Weser Kurier 13.1.1955: Almuth Niemann, ein Leben für die Hilfsbereitschaft.
Weser-Kurier 13.1.1956, 10.5.1958, 13.1.65.

Hannelore Cyrus