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FrauenOrte

Viele Bremer Frauen, die in ihrem Leben, in ihrer Zeit Imponierendes geleistet haben oder ein für ihre Zeit besonderes Schicksal hatten sind inzwischen bekannt: mit ihrem Einsatz für mehr Gerechtigkeit, soziale Verbesserungen, gleiche Rechte für Frauen, das Frauenwahlrecht, Frieden oder die Verwirklichung ihrer künstlerischen Interessen haben sie viel geleistet und oft auch geopfert. Mit ihrem Engagement – ob in politischen, sozialen, kirchlichen, pädagogischen oder künstlerischen Bereichen – haben Frauen Wege geebnet und für ein besseres Leben in den ihnen folgenden Epochen gekämpft. Viele haben dadurch eine mehr oder wenige große Berühmtheit erlangt – doch nicht darum geht es, sondern um die Würdigung dieser Leistungen und/oder Schicksale und dass sie nicht in Vergessenheit geraten.

Während die Lebenswege von über 200 Bremer Frauen in unserem Buch: Frauen Geschichte(n) – Biografien und FrauenOrte aus Bremen und Bremerhaven dokumentiert sind, lernten wir auch Frauen kennen, über die das Forschungsmaterial nicht ausreichte, um einen eigenen Artikel über sie zu verfassen. Ihre ebenfalls besonderen Leistungen – oft gemeinsam mit anderen – stehen hier nicht so sehr als Einzelleistung im Vordergrund, sondern als Ergebnis des Engagements: dies bezeichnen wir als FrauenOrt.

Folgende FrauenOrte haben wir bisher gefunden:
Beginenhof – Frauen-, Erwerbs- und Ausbildungsverein – Bürgerschaft als Symbol für Frauen in der Politik – Isenbergheim – Marthasheim – Ottilie-Hoffmann-Haus – St. Rembertistift – Schulen: Schulgründungen wie Frauenoberschule Kleine Helle und Karlstraße, Lyzeum Vietor.

Die Forschung hierzu ist noch lange nicht abgeschlossen.


Antrag vom 13.08.2004, an den Senator für Bau und Umwelt, Gebäudetafeln an Wohnhäusern bekannter Bremerinnen anzubringen.


Beginen und Beginenhöfe – FrauenOrt

Der Name Beginen ist die Bezeichnung einer Gemeinschaft seit dem 13.Jahrhundert. Zur Herkunft des Namens gibt es unterschiedliche Erklärungen, er könnte von der Hl. Begga, die die Schutzpatronin der Beginenhäuser wurde, herstammen. Möglich ist aber auch eine Herleitung vom Namen eines Priesters und Stifters, der 1180 in einem ihm gehörenden großen Garten in der Nähe der Stadt Lüttich eine Anzahl einzelner Häuschen errichten ließ, die er Jungfrauen und Witwen ohne Unterschied von Stand oder Vermögen unter der Bedingung zu Wohnungen gab, dass sie keusch und züchtig, arbeitsam und verträglich zusammen lebten. Eine weitere Deutung kann darin begründet sein, dass eine entsprechende Bezeichnung von kirchlicher Seite in ungenauer Weise für alle möglichen neuen aus ihrer Sicht ketzerischen Laienbewegungen verwendet wurde.

Ausgangspunkt dieser frühen Beginenbewegung[1] war das Bedürfnis, in urchristlicher Form und Bescheidenheit zu leben. Männer und Frauen, darunter viele alleinstehende Frauen und Witwen, die weder in den Stand der Ehe noch in ein Kloster eintreten wollten, schlossen sich seit dem Beginn des 13.Jhdts. ungeachtet ihres Vermögens oder Standes zu religiösen Gemeinschaften zusammen, ohne jedoch als Laien einer anerkannten Ordensgemeinschaft anzugehören. Als Beginen verzichteten sie auf jeden persönlichen Besitz, führten ein frommes, eheloses Leben in ordensähnlichen Hausgemeinschaften und stellten ihren Unterhalt weitgehend durch Handarbeit sicher. Ohne männliche Bevormundung und ohne männlichen Schutz arbeiteten sie auf vielfältige Weise für die Gemeinden und gewannen über vier Jahrhunderte hinweg einen großen Einfluss auf das Glaubens- und Wirtschaftsleben der Städte. Von der Kirche als häretisch gebrandmarkt, waren sie Schikanen bis hin zu Verfolgung und Inquisition ausgesetzt, bis sie zu Beginn der Frühen Neuzeit, kirchlich integriert wurden oder sich der Reformation anschlossen. Somit können die Beginen – als Teil der Beginen-Bewegung – als der erste weltliche Verein frommer Frauen im Christentum gelten. Der weitere Verlauf der Geschichte führte zu anderen – lebenspraktischen – Nutzungen der Beginenhöfe bzw. Umsetzung ihrer Lebensform. So entstanden z.B. in Hansestädten Gänge-Viertel und Höfe als Formen sozialen Lebens für Witwen von Seeleuten.

Beginen lebten in sogenannten Beginenhöfen. Sie befinden sich in Städten und umfassen um einen Innenhof gruppierte Wohnhäuser. Häufig war der Innenhof als Nutz- und Ziergarten oder Grünanlage gestaltet. Die Anlage wurde durch Mauern oder Wassergräben von der Stadt abgegrenzt. In den Giebeln der Beginenhäuschen befinden sich oft religiöse Sprüche, Heiligen- oder Marienbilder oder die Namen der Schutzheiligen der Bewohnerinnen. Heutzutage werden die Wohnhöfe gerne von Künstlern und Studenten bewohnt. In Deutschland sind Beginenhöfe in Essen und Lübeck bekannt. Sie sind wegen ihres Alters, der Ruhe und der schlichten harmonischen Architektur malerisch und sehenswürdig.

Jede Gemeinschaft war souverän und selbständig. Die Beginen widmeten sich in ihrem Wirken nicht nur sittlich-religiösen, sondern auch praktischen Zwecken, u.a. der Krankenpflege, der Betreuung Verlassener, der Rettung moralisch „Gefallener“ und der Erziehung. Weiterhin betätigten sie sich als Leichenwäscherinnen oder übten das Textilhandwerk aus. Auch wenn die meisten Frauen ursprünglich wohlhabend waren, sorgten sie durch diese Tätigkeiten für ihren Lebensunterhalt. Den Beginen stand es frei, jederzeit den Beginenhof zu verlassen. Mit dieser ganz persönlichen Autonomie nahmen sie in der ständischen Gesellschaft eine Modernität vorweg, die auch heute von Frauen nicht immer voll gelebt werden kann.

Die Bremer Beginen wurden zum ersten Mal 1258 urkundlich erwähnt, als ihnen das Privileg erteilt wurde, bei den Dominikanern im Katharinenkloster die Sakramente zu empfangen und an den Gottesdiensten teilzunehmen. Sie wurden über die Säkularisierung in der Reformation zu Altersruhesitzen für Damen im 19.Jhdt..[2] Im Gegensatz zu anderen Beginen lebten die frommen Bremerinnen in den beiden Konventen St. Nicolai – in der Nähe des Brills – und St. Katharinen (auch „St. Catharin“) – im Schüsselkorb – nicht von „ihrer Hände Arbeit“, also vom Stricken, Nähen, von der Krankenpflegen und Gartenarbeit, sondern vom Erlös ihres Grundbesitzes aus Pachten, Zinsen und Naturalabgaben. Ihr Grundbesitz garantierte ihnen langfristige und sichere Einkünfte. Im Laufe von 200 Jahren kamen sie durch Schenkungen, Mitgiften und Käufe in den Besitz einer Fülle von Ländereien. Im 15.Jahrhundert verfügten die beiden Bremer Beginenkonvente nachweislich über Rechte und Besitzungen in vielen Gegenden Bremens. Für die Bewirtschaftung dieser umfangreichen Ländereien beschäftigten die Bremer Beginen Knechte und Mägde, vergaben Meier Rechte und schreckten auch vor juristischen Auseinandersetzungen bei Streit in Erbschaftsangelegenheiten nicht zurück.

Die Beginen von St. Nicolai zogen 1602 ins Katharinenkonvent. Das Haus an der Hutfilterstraße wandelte die Stadt in das Rote Waisenhaus um, seit 1906 steht dort der Neubau der Bremer Sparkasse. Ein Teil des Vermögens, vor allem das Haus der Beginen von St. Katharinen konnte von den Rechtsnachfolgerinnen über Jahrhunderte gehalten werden. Im Stadtplan von 1866 ist das „St. Catharinen Stifft“ deutlich eingezeichnet. Im Bremer Adressbuch von 1904 werden 21 Frauen namentlich aufgeführt, die im Catharinenstift am Schüsselkorb 3 wohnten. 1911 verkauften sie das Haus an die Stadt, die es später an die Commerzbank veräußerte. Mit dem Erlös erwarben sie das neue St. Catharinenstift an der Parkallee.

Für die heutigen Beginen ist der Gedanke der Autonomie untrennbar verbunden mit der demokratischen Überzeugung auf der Basis des Wertekanons der Menschenrechte, wie sie die UN-Charta formuliert hat. Um den Nebenwirkungen einer immer stärkeren Individualisierung zu begegnen, wagen die Beginen den Versuch, eine Lebensform zu begründen, die die individuelle Autonomie bewusst mit einer neuen Sozialbindung verknüpft: der Wahlverwandtschaft. Anders als in der Familie basieren die Beziehungen auf der Freiheit der eigenen Entscheidung, mit wem und wie frau ihr Zusammenleben in sozialer Verantwortung gestalten will: Wahlverwandtschaft als Zusammengehörigkeit ohne Abhängigkeit und Verantwortung ohne lebenslange Pflichten. [3]

An diese Tradition knüpft auch ein Wohnprojekt in der Neustadt an, das von engagierten Frauen initiiert wurde. Durch Initiative von Dr. Erika Noltenius, die schnell sehr viele Mitstreiterinnen gewinnen konnte, wurde ein Beginenhof-Projekt entwickelt, das eine Wiederbelebung der Beginenkultur mit generationsübergreifenden Wohn- und Wirtschaftsprojekten für Singlefrauen in Bremen realisieren sollte. Trotz vielfältiger, erheblicher Probleme, die einige Frauen in große Nöte gebracht haben, wurde der Beginenhof in der Bremer Neustadt im Sommer 2001 bezogen. Etwa 100 Bewohnerinnen, einige aus anderen Bundesländern, haben hier ihren neuen Lebensmittelpunkt gefunden. Inzwischen wird der Beginenhof von der Gewoba verwaltet, und es wohnen auch einzelne Männer hier.

Beginenhof Bremen, Fotos: Regina Contzen


Neben dem Beginenhof am Kirchweg, Ecke Hardenbergstraße in der Neustadt erinnert noch die Straße Auf dem Beginenlande im Bremer Stadtteil Kattenturm an die einstigen Besitztümer der Beginen.

Anmerkungen:
[1] Die Glaubens- und Lebensform der Beginen wurde auch von Männern (Begarden) gelebt, hier wird nur in der weiblichen Form berichtet.
[2] Cyrus, Hannelore, S.243.
[3] Dachverband, Zugriff 12.10.2015.

Literatur und Quellen:
Bremer Adressbuch 1904
Duby, Georges/Perrot, Michelle: Geschichte der Frauen, Mittelalter, S.316, 333 ff., 440, Frankfurt/M., Wien 1995
BN 28.7.2015
Cyrus, Hannelore: Noltenius, Clara. In: dies. u.a. (Hrsg.): Bremer Frauen, Bremen 1991, S.243
Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter, Frankfurt/M., Wien 1991, S.237 ff
http://www.dachverband-der beginen.de/bremen.php, Zugriff 12.10.2015
http://www.frauenwohnprojekte.de/index.php?id=beginen&no_cache=1&tx_p2fwp_pi1[showUid]=20, Zugriff 12.10.2015
https://de.wikipedia.org/wiki/Beginen_und_Begarden, Zugriff 12.10.2015
Peters, Günther: Die Bremer Beginen im Mittelalter, in: Niedersächs. Jahrbuch für Landesgeschichte 64/1992, S.131-181
Schwaiger, Georg (Hrsg.): Mönchtum, Orden, Klöster, S.82 ff., München 1994
Shahar, Shulamith: Die Frau im Mittelalter, Frankfurt/M. 1983, S.65 ff
Wolf-Graaf, Anke: Die verborgene Geschichte der Frauenarbeit. München, Weinheim, Basel 1994, S.70 ff.

Regina Contzen


Frauen-, Erwerbs- und Ausbildungsverein

Gedenktafel

Schulungsgebäude des Frauen-, Erwerbs- und Ausbildungsverein, 1867 von Marie Mindermann und Ottilie Hoffmann gegründet.

Frauen-, Erwerbs- und Ausbildungsverein
Fotos: Regina Contzen

Im Herbst 2006 wurde am Haus des Frauen- Erwerbs- und Ausbildungsvereins in der Carl-Ronning-Str. 2 eine Plakette mit folgender Aufschrift angebracht: 1951 von dem Bremer Architekten Bernhard Wessel für den Frauen-Erwerbs- und Ausbildungsverein erbaut. Das sichtbare Ziegelmauerwerk mit fein gegliederter Fassade ist charak- teristisch für die frühe Wiederaufbauphase dieses Teils der Innenstadt. Der Verein wurde 1867 von Marie Mindermann (1808-1882) und Ottilie Hoffmann (1835-1925) für die Aus- und Weiterbildung von Frauen gegründet.

www.architekturfuehrer-bremen.de
www.feav-bremen.de


Frauen mischen sich ein:

Die Ersten in politischen Gremien – FrauenOrt

Arbeiter- und Soldatenrat, Bremische Nationalversammlung

Ausgelöst durch die Revolte der Kieler Matrosen und die Bildung eines dortigen Soldatenrats griff das Bestreben, die alten Herrschaftsorgane zu stürzen und sie durch basisdemokratisch gewählte sozialistische Räte zu ersetzen, auch auf Bremen über. Vorbereitet war das auch hier durch bereits länger anhaltende politische Entwicklungen auf der politischen Linken. Am 6.November 1918 wurde vom Söller des Rathauses die Bildung eines Arbeiter- und Soldatenrates verkündet. Am 14.November 1918 übernahm er die ausschließliche politische Gewalt im Bremer Staatsgebiet, Senat und Bürgerschaft waren abgesetzt.[1]

Frauen waren in den revolutionären Organen nur als winzige Minderheit vertreten. Offenbar gab es in dem 180 Mitglieder umfassenden Arbeiterrat[2] nur drei Frauen: Käthe Ahrens, Gesine Becker und Minna Otto. Sie waren nicht durch Wahlen in den Betrieben hineingekommen – als Beruf gaben sie nämlich Hausfrau an – sondern auf andere Weise delegiert worden.[3] In den Sitzungen des Arbeiter- und Soldatenrates, der ab 14.November im Rathaus tagte, kümmerten sie sich besonders um sozialpolitische Themen, wollten die Not der Arbeiterfamilien lindern helfen. Als Frauenpolitikerinnen forderten sie Geschlechtergerechtigkeit bei Lohn und Erwerbslosenfürsorge.[4]

Nach Verkündung des Frauenwahlrechts durch den Rat der Volksbeauftragten in Berlin am 12. November 1918 wurden die ersten weiblichen Bremer Abgeordneten am 9. März 1919 in die verfassungsgebende bremische Nationalversammlung gewählt. Diese tagte bis Juni 1920 und erarbeitete die erste demokratische Verfassung Bremens, die am 18. März 1920 verkündet wurde. Von 200 Mitgliedern der Nationalversammlung waren 18 Frauen (9%). Ihre Namen nach Fraktionen geordnet:

Rita Bardenheuer (1877 – 1943), Erna Frank,[5] Hanna Harder (1888 – 1936), Karoline Hasselbach (1883 – 1981), Elise Jensen (1877 – 1924), Clara Jungmittag (1881 – 1961): alle MSPD,[6] Anna Stiegler (1881 – 1963) USPD,[7] Berta Hagedorn (1898 – 1993), Elise Kesselbeck (1870 – 1956) beide KPD,[8] Minna Bahnson (1866 – 1947), Agnes Heineken (1872 – 1954), Luise Koch (1860 – 1934), Henny Möhring, Johanne Runne, Meta Sattler (1867 – 1958), Minna Thiele,[9] alle DDP,[10] Mathilde Plate (1878 – 1963) DNVP,[11] Verena Rodewald (1866 – 1937) DVP.[12]

Anmerkungen:
[1] Kuckuk: Bremen in der deutschen Revolution, S.70.
[2] Es wird auch die Zahl 215 genannt.
[3] Schunter-Kleeemann: Gesine Becker (1888-1968), in: Meyer-Brauen, Renate (Hrsg.), Frauen ins Parlament! S.62.
[4] ebda. S.63.
[5] Lebensdaten nicht ermittelbar.
[6] MSPD: Mehrheits-Sozialdemokratische Partei Deutschland.
[7] USPD: Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands.
[8] KPD: Kommunistische Partei Deutschlands.
[9] Alle ohne Angaben wie Anm. 5.
[10] DDP: Deutsche Demokratische Partei.
[11] DNVP: Deutschnationale Volkspartei.
[12] DVP: Deutsche Volkspartei.

Literatur und Quellen:
Bremer Frauenmuseum e.V. (Hrsg.): 75 Jahre Frauenwahlrecht zur bremischen Bürgerschaft, Dokumentation zur Ausstellung im Haus der Bürgerschaft (9.3.-28.4.1994), Bremen 1994, S.28 f

Renate Meyer-Braun


Hanewinkel Gang 6 im Dunkakshof

Er war 1916 Wohnort von Frau Neumann, die dort sieben von ihren 11 Kindern großzog. Der Dunkakshof gehört zu den Gängevierteln, in denen die Tabakarbeiter in der Neustadt lebten und arbeiteten.

Foto: Romina Schmitter


Ottilie-Hoffman-Haus – FrauenOrt

heute Cafe Ambiénte am Osterdeich

Gedenktafel

Gedenktafel am ehemaligen Ottilie-Hoffmann-Haus
Foto: Regina Contzen

Das ehemalige Ottilie-Hoffman-Haus, benannt nach der Gründerin des deutschen Frauenbundes für alkoholfreie Kultur Ottilie Hoffmann. Am 2. Mai 2007 wurde am heutigen Cafe Ambiénte, dem ehemaligen Ottilie-Hoffmann-Haus durch den ehemaligen Bausenator Neumeier eine Gedächtnisplakette enthüllt. Diese war auf Initiative des Vereins Bremer Frauenmuseum und des Deutschen Frauenbundes für alkoholfreie Kultur dort angebracht worden. Das Foto stammt aus der Publikation „Komm wir gehen nach Ottilie!“ von Cecilie Eckler-von Gleich (Hrsg.), in der ausführlich die Geschichte der Ottilie-Hoffmann-Häuser geschildert wird.

Ottilie-Hoffmann-Haus 2016
beide Fotos: Regina Contzen


Rembertistift, Pröven

Gedenktafel


In diesem Haus wohnte von 1903 bis 1927 die Reformpädagogin und Frauenrechtlerin Magda Böttner. Im Jahr 2010 wurde eine Gedenktafel angebracht, auf dem Magda Böttner und Marie Mindermann gewürdigt werden.
Die Häuser 14 – 19 , heute 12. und 11 am 9.3.1973.
Im Haus Nr. 26, heute Nr. 7 wohnte von 1856 bis zu ihrem Tode Marie Mindermann zusammen mit ihrer Freundin Caroline Lacroix . Das Bild stammt aus dem Katalog zur Ausstellung „Marie Mindermann und die Revolution in Bremen“.

St. Rembertistift 2016
Fotos:Regina Contzen

St. Remberti-Stift – FrauenOrt

Rembertistraße 27 in Bremen

Das St. Remberti-Stift, dessen Wohnhausanlage zwischen der Straße Am Dobben, der Hoppenbank, dem Rembertiring und dem nördlichen Teil der Rembertistraße gelegen ist, geht auf ein mittelalterliches Hospital zunächst für Aussätzige, seit dem 16.Jahrhundert für Schwerkranke, dann für gesunde, aber alte Menschen zurück, die für die Zahlung einer Einkaufssumme in einem der kleinen Wohnhäuser ein lebenslanges Wohnrecht erwarben.

Ein FrauenOrt wurde das Stift zuerst dadurch, dass seit der 2.Hälfte des 19.Jahrhunderts die „Prövener[1]…zum größten Teil Witwen und unverheiratete Frauen“ waren und „berufstätige Frauen und Männer sowie Ehepaare“ die „Minderheit“ ausmachten.[2]

Ein FrauenOrt von Bedeutung aber wurde das Stift durch die zunehmende Zahl von Bewohnerinnen aus den Sozialen Bewegungen Bremens. Typische Beispiele dafür sind die politische Schriftstellerin Marie Mindermann (1808-1882), die Reformpädagogin und Feministin Magda Böttner (1858-1937) und die Sozialpolitikerin Gertrud Maaß bzw. Maass, geb. Wellhammer. Marie Mindermann kam aus dem Handwerksstand; ihr Vater war Drechslermeister. Da ihr eine über den Besuch von Klipp- und Domschule hinausgehende Bildung aus Kostengründen verweigert wurde, sie aber lernen wollte, entwickelte sie sich zur Autodidaktin. Dass sie als schon ältere Frau damit begann ebenso kenntnisreiche wie satirische Schriften gegen den bremischen Staat und die Kirche zu schreiben, ging auf ihre leidenschaftliche Identifizierung mit den Forderungen der 48er-Revolution zurück. Dass sie als solche bekannt geworden ist – sie schrieb anonym – war eine Folge ihrer Inhaftierung im damaligen Detentionshaus im Ostertor. Ihre Biografin Hannelore Cyrus hat jedenfalls „Zweifel, ob wir heuten wüßten, daß Marie Mindermann die Schriften verfaßt hat, wenn sie nicht durch…(Beugehaft) zur Preisgabe ihres Namens gezwungen worden wäre.“[3]

Die letzten 26 Jahre ihres Lebens – von 1856 bis 1882 – lebte Marie M. zusammen mit ihrer Freundin Caroline Lacroix in dem 3.Haus, das rechts vom Eingang liegt, der vom Rembertiring aus zum Innenhof der Wohnanlage führt. Nach der bis zur Gebäudesanierung von 1986 geltenden Nummerierung hatte das Haus die Nummer 26; danach wurde es mit den Häusern 27 und 28 unter der neuen Nummer 7 zu einer Einheit verbunden.[4]

Als ihre Nachfolgerin Magda B. 1903 im Alter von 45 Jahren in das zur Hoppenbank gelegene Haus Nr.12 einzog, das den rechten Teil der drei Wohneinheiten ausmachte, wäre das nach der alten Nummerierung die Nr.16 gewesen.[5]

Anders als Marie M. kam Marie B. aus einem bildungsorientierten Elternhaus; der Vater war Buchhalter und Lehrer der Handelswissenschaft. Sie hatte Zugang zur Höheren Mädchenschule, besuchte das Lehrerinnenseminar von August und Johanne Kippenberg und war 1881 eine der ersten Lehrerinnen, die der Bremer Senat „versuchsweise“ einstellte. Über ihr Engagement für die damalige Reformpädagogik hinaus engagierte sie sich berufspolitisch im Verein Bremischer Lehrerinnen (VBL) und Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein (ADLV), frauenpolitisch war sie im 1910 gegründeten Frauenstadtbund und in der überregionalen Stimmrechtsbewegung sogar international aktiv, indem sie an entsprechenden Kongressen in Amsterdam und London teilnahm und dort sogar das Banner der englischen Suffragetten führte.

Dagegen erscheint das Leben der aus der Arbeiterschicht kommenden Gertrud M. weniger spektakulär gewesen zu sein, insofern als sie sich auf ihre sozialpolitische Arbeit und darin auf Bremen konzentrierte. Aber vor dem Hintergrund ihrer schlechteren Voraussetzungen ist ihr Einsatz in der Gewerkschaft der ÖTV, in der Partei der SPD und als Mitglied der Bremischen Bürgerschaft (20 Jahre) nicht hoch genug einzuschätzen. Hinzukommt, dass sie als verheiratete Frau und Mutter von zwei Söhnen ständig berufstätig blieb. Entsprechend konnte sie als Politikerin mit ihren lebensnahen Erfahrungen umso überzeugender agieren.

1977 bezog sie – 2 Jahre nach ihrem Ausscheiden aus der Politik – mit ihrem Mann eine Wohnung in dem Gebäude, das parallel zur Straße Am Dobben liegt. Sie „wirkte…viele Jahre im Vorstand des St. Remberti-Stifts, wo ihre langjährige sozialpolitische Erfahrung sehr willkommen war.“[6] Rechts vom Eingangstor von der Rembertistraße aus ist eine Tafel angebracht, die auf die Bewohnerinnen Marie M. und Magda B. und ihre Bedeutung für die bremische Frauenbewegung hinweist.[7] Der Name von Gertrud M. fehlt, aber nur deshalb, weil sie zur Zeit der Beschilderung noch im Stift lebte und die Schilder des Bremer Zentrums für Baukultur (BZB) nur an verstorbene Persönlichkeiten erinnern.

Zum Rembertistift als FrauenOrt gehören aber auch die seit 1971 wiederhergestellte Selbständigkeit, die 1944 an die Stadt abgetreten worden war, sowie der seit 1973 für die Gebäude geltende Denkmalschutz; denn beide gehen auf die Initiative der 1.Bremer Bürgermeisterin Annemarie Mevissen zurück.

Anmerkungen:
[1] “Pröven” sind Wohneinheiten im St. Rembertistift. Sie konnten seit der Mitte des 16.Jhdts. gegen Zahlung einer Einkaufssumme – Ende desselben Jhdts. etwa 150 Taler – lebenslang bewohnt werden. Heizung und Verpflegung kosteten zusätzlich etwa 23 Taler. Nach dem Tod des Pröveners ging dessen Vermögen in den Besitz des Stifts über. Heute sind die “Pröven” Mietwohnungen.
[2] Schwarzwälder, Bd.2, S.722.
[3] Cyrus, S.41.
[4] Großmann, S.86.
[5] ebda.
[6] Meyer-Braun, in: Frauen Geschichte(n), Maaß, Gertrud, S.216.
[7] Auf Initiative des Bremer Frauenmuseum e.V. vom Bremer Zentrum für Baukultur und dem Senator für das Bauwesen angebracht.

Literatur und Quellen:
Cyrus, Hannelore: Mindermann, Marie, in: dies. u.a. (Hrsg.): Bremer Frauen von A bis Z, Bremen 1991, S.40-44.
Großmann, Heike/Großmann, Ruprecht: Das St. Remberti-Stift. Bremens älteste soziale Siedlung im Wandel der Zeiten, Lilienthal o.J. (1998).
Meyer-Braun, Renate: Maaß, Gertrud, geb. Wellhammer, in: Bremer Frauenmuseum e.V., Contzen, Regina/Laudowicz, Edith/Schmitter, Romina (Hrsg.): Frauen Geschichte(n). Biografien und FrauenOrte aus Bremen und Bremerhaven, Bremen 2016.
Schwarzwälder, Herbert: Das große Bremer Lexikon, Bd.2 L-Z, Bremen 2003.
https://de.wikipedia.org/wiki/St.-Remberti-Stift.

Romina Schmitter


Schulen, Schulgründungen – FrauenOrt

Obwohl die Schulpflicht in Bremen 1844 eingeführt worden war, wurden erst 1881 die ersten sechs Lehrerinnen „im bremischen Volksschuldienst…‘versuchsweise‘ (angestellt).“[1] Damit hatten sie offiziellen Zugang zu öffentlichen Schulbauten. Für die Lehrerinnen der Höheren Mädchenschulen war das erst 1922 mit der Verstaatlichung der bis dahin privaten Mädchenschulen der Fall.

Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass es seit Anfang des 19.Jahrhunderts bremische Schulgründerinnen gab. Die erste war die Pianistin und Komponistin Elise Müller (1782-1849), die 1804 ein Erziehungsinstitut eröffnete, in dem sie Töchter der höheren Stände in Geschichte, Geografie, Deutsch, Englisch und Französisch, vor allem aber Musik unterrichtete.[2] Das Institut bestand bis 1820.

Es folgte die Mädchenpädagogin Betty Gleim (1781-1827). Sie begann 1806 mit einer Schule im Spitzenkiel und leitete 1812 vier Klassen mit insgesamt 80 Schülerinnen, die über die von Elise Müller hinaus auch in Physik unterrichtet wurden.[3] Während beide Gebäude – ob sie gemietet wurden oder Eigentum waren, kann hier nicht geklärt werden – nicht mehr existieren, sind die von zwei weiteren Schulgründerinnen – Anna Schomburg (1875-1955) und Anna Vietor (1860-1929) noch heute zu sehen.

Foto: Regina Contzen

Anna Schomburg hatte sich am Lehrerinnenseminar von A.M. Janson in der Wilhadistraße ausbilden lassen und dort seit 1898 unterrichtet. Am 1.4.1909 eröffnete sie eine eigene Höhere Mädchenschule, in deren unteren Klassen auch Jungen aufgenommen wurden.[4] Hintergrund war einmal ihre Kündigung an der A.M. Janson-Schule; wie vier weitere Kolleginnen protestierte sie damit gegen die Entlassung der Lehrerin Agnes Heineken (1872-1945) wegen ihrer Pressekritik des bremischen Mädchenschulwesens; vor allem aber wollte Anna Sch. als Anhängerin der Reformpädagogen Fritz Gansberg und Heinrich Scharrelmann moderne Unterrichtsformen einführen. Nach erfolgreichem Abschluss der Prüfung als Schulvorsteherin im Jahre 1908 eröffnete sie ihre eigene Schule in einem Haus in der Hamburger Straße Nr.8. Nach Anstieg der Schülerinnenzahl und dem Erwerb der Konzessionen für die Unterrichtung der Mittel- und Oberstufe zog sie in ein größeres Haus in der Lüneburgerstraße Nr.11/Ecke Celler Straße um, und als auch dessen Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten, ließ sie „unter großem finanziellem Risiko“[5] von 1912-1914 von dem Architekten Hermann Basselmann in der Hoyaer Straße Nr.11 – mit der Front zum Brommyplatz – ihre Mädchenschule bauen.

Foto: Regina Contzen

Die Schule wurde am 1.5.1914 eingeweiht. Sie war ein „zweigeschossiger Backsteinbau mit ausgebautem Dachgeschoss im ursprünglich schiefergedeckten Mansardenwalmdach“. Über dem Fenster oberhalb des Eingangsbereichs war ein „Flachrelief mit knieenden Mädchen“ angebracht, die sich „zwischen zwei sich über sie biegenden Bäumen mit Blüten und Vögeln“ befinden.[6] Unter dem Fenster ist die Inschrift zu lesen: „Und dein Streben – sei’s in Liebe – und dein Leben – sei die Tat“. Ein zweiter Bauabschnitt, den Anna Sch., für 1917 plante, wurde durch die Kriegsereignisse verhindert.[7] Mit der Verstaatlichung der Höheren Mädchenschulen 1922 wurde die Schule zum „Städtischen Lyzeum Schomburg“. Anna Sch. erhielt „nach Abschluß des Kaufvertrages im Juni 1922…eine Abschlagszahlung von 1.250.000 Mark und ein Jahr später außer einem Betrag für Lehrmittel die Summe von 200.000.000 Mark.“[8] 1939 musste das Schulgebäude den Mannschaften des Sicherheits- und Hilfsdienstes überlassen werden und die Klassen kamen zur Aufbauschule an der Hamburgerstraße. Inzwischen befindet sich in der ehemaligen Anna-Schomburg-Schule das Polizeirevier Hoyaer Straße 11. Seit 1984 steht sie unter Denkmalschutz.

Während nichts an diesem Gebäude an die Bauherrin und Schulgründerin erinnert, weist eine Tafel links vom Eingang der heutigen Grundschule an der Carl-Schurz-Straße in Schwachhausen darauf hin, dass es sich bei dem Gebäude um „die seit 1899 durch die Bremer Pädagogin Anna Vietor (1860-1929) aufgebaute Mädchenschule“ handelt.[9] Wie Anna Sch. leitete Anna V. nach bestandenem Vorsteherinnenexamen ihre Schule zunächst in einem Wohnhaus – Am Dobben 109 – und wie jene ließ sie bei wachsender Schülerinnenzahl ein Schulgebäude errichten, das – wie die Schule in der Hoyaer Straße – aus zwei Geschossen bestand. Allerdings war die nach den Vorstellungen der Bauherrin von den Architekten August Abbehusen und Otto Blendermann gebaute Schule kein roter Backsteinbau, sondern ein weißes Gebäude in klassizistischem Stil mit großen und hellen Räumen. Im Erdgeschoss wurde der parallel zur Straße – damals Bürgermeister-Smidt-Straße – liegende mehrräumige Eingangsbereich durch fünf eine Reihe bildende Klassenräume mit der Turnhalle im Hintergrund verbunden. Im Obergeschoss befand sich über der Turnhalle die Aula, über den Eingangsräumen lagen die Räume für Praktika, Physik und Zeichenunterricht sowie die Aufbewahrung von Lehrmitteln, während die Verbindung zwischen dem vorderen und hinteren Gebäudeteil eine weitere Fünferreihe von Klassenzimmern bildete.[10]

Am 1.10.1913 wurde die Anna-Vietor-Schule eingeweiht; 1922 wurde sie wie alle Höheren Mädchenschulen Bremens verstaatlicht. Sie bestand aber unter dem Namen der Gründerin bis zum 2.Weltkrieg weiter. Danach wurde aus der ehemaligen Mädchenschule die heutige Grundschule an der Carl-Schurz-Straße und die Schülerinnen gingen in die Biermann-Villa an der Schwachhauser Heerstraße, die seit 1953 zum Kippenberg-Gymnasium gehört.[11]

Anmerkungen:
[1] Wulff Bd.2, S.131.
[2] Bösenberg, S.26.
[3] Pöppel; in: Cyrus u.a. (Hrsg.), S.210.
[4] Schwarzwälder Bd.2, S.775.
[5] Hannover-Drück; in: Cyrus u.a. (Hrsg.), S.252.
[6] Gramatzki, o.S.
[7] Rudolf, S.47.
[8] Ebda., S.48.
[9] Auf Initiative des Vereins Bremer Frauenmuseum e.V. vom Bremer Zentrum für Baukultur und dem Senator für das Bauwesen angebracht.
[10] Drechsel, S.27, 28 (Grundrisse des Unter- und Obergeschosses).
[11] Schwarzwälder Bd.2, S.929f.

Literatur und Quellen:
Bösenberg, Sibylla: Ein Glück für mich ist die Musik. Elise Müller, eine Bremer Musikerin in der Zeit der Romantik (Bremen) 2014.
Drechsel, Wiltrud Ulrike: Lehren und Lernen in der Standesschule; in: dies. (Hrsg.): Höhere Töchter – Zur Sozialisation bürgerlicher Mädchen im 19. Jahrhundert/ Beiträge zur Sozialgeschichte Bremens Heft 21, Bremen 2001, S.17-31.
Gramatzki, Rolf: Bauen und Bildung, Bremen 2002 (unveröff. Manuskript).
Hannover-Drück, Elisabeth: Schomburg, Anna; in: Cyrus, Hannelore u.a. (Hrsg.): Bremer Frauen von A bis Z – Ein biographisches Lexikon, Bremen 1991, S.251-252.
Pöppel, Ingrid: Gleim, Betty; in: Cyrus, Hannelore u.a. (Hrsg.): Bremer Frauen von A bis Z – Ein biographisches Lexikon, Bremen 1991, S.209-212.
Rudolf, Philip: Schulgeschichte der Aufbauschule und des Gymnasiums an der Hamburger Straße 1922-1966 mit Lehrerseminar – Jansonschule – Schomburgschule, Bremen 1972.
Schwarzwälder, Herbert: Das große Bremer Lexikon Bd.2, Bremen 2003.

Romina Schmitter

 

Lyzeum Vietor – FrauenOrt

heute Schule an der Carl-Schurz-Straße

Gedenktafel

Diese Schule wurde 1913 von der Pädagogin Anna Vietor (1860-1929) gegründet, die zuvor an anderen Stellen in Bremen (u.a. Am Dobben 109) eine Mädchenschule gründete. Das Gebäude wurde 1912-13 nach Entwürfen der Bremer Architekten August Abbehusen und Otto Blendermann im Geist des Werkbundes in zurückhaltend klassistischem Stil erbaut. Bis 1923 unterrichtete dort auch die Lehrerin, Politikerin und Wissenschaftlerin Käthe Stricker (1878-1979). Sie war eine der ersten Deutschen Akademikerinnen, setzte sich in der DNVP für Frauenrechte ein und gehörte zu den Pionierinnen frauenrelevanter Forschung.

Foto: Regina Contzen

 

Das Mädchengymnasium an der Kleinen Helle – FrauenOrt

Dem Beispiel anderer deutscher Länder folgend, errichtete der Bremer Senat 1916 an der Straße „Kleine Helle“ das erste städtische Mädchengymnasium der Hansestadt, in dem Schülerinnen bis zum Abitur geführt werden konnten. Bis dahin waren in Bremen Mädchen, die das Abitur ablegen wollten, auf Notlösungen angewiesen: Sie mussten sich entweder den Lehrstoff privat aneignen und als Externe die Abiturprüfung ablegen oder eines der Jungengymnasien besuchen, was in Bremen seit 1909 möglich war. So erging es 1912 Elisabeth Forck, der späteren Lehrerin und Direktorin an der Kleinen Helle, die als eine von drei Mädchen ihrer Klasse das Neue Gymnasium besuchte, während einige ihrer älteren Kolleginnen wie die beiden Schwestern Dr. Lürssen und Frau Dr. Horneffer nur auf Umwegen ihre Promotion hatten erlangen können.

Schule Kleine Helle
Foto: Regina Contzen

Der Bau an der Kleinen Helle galt zu seiner Zeit als besonders fortschrittlich: er war schnörkellos und zweckmäßig, neuartig war auch die Einrichtung von naturwissenschaftlichen Räumen für Chemie und Physik. Der Lehrplan der Studienanstalt entsprach dem realgymnasialen Typus. Ab Untertertia, also nach dem siebten Schuljahr, teilte sich die Schullaufbahn. Während die Mehrzahl auf dem herkömmlichen zehnklassigen Lyzeum verblieb, konnten besonders begabte Schülerinnen auf die sogenannte Studienanstalt überwechseln. Dort begann man mit Latein, ab Untersekunda kam eine zweite moderne Fremdsprache hinzu. Eine rein altsprachliche Ausbildung war vorerst für Mädchen nur an Jungenschulen möglich. Um dem abzuhelfen, wurde 1925 in der Studienanstalt ein zusätzlicher altsprachlicher Zweig eingerichtet, in dem in Obertertia (9.Klasse) Griechisch als dritte Fremdsprache hinzukam. Diese Trennung zwischen realgymnasialem und humanistischem Zweig wurde in der Kleinen Helle bis zur Schulreform 1938 in Form von geteilten bzw. Parallelklassen fortgeführt. In der Studienanstalt herrschte ein strenges Arbeitspensum mit anfangs sogar sieben Wochenstunden Latein! Die kleine Helle galt als äußerst anspruchsvoll, wo von den Schülerinnen viel verlangt und besonders streng zensiert wurde. Doch auch der Zusammenhalt der „Kleinen Hellenen“ war sprichwörtlich, die Mädchen fühlten sich doch gewissermaßen als „Elite“. Denn während in den privaten Schulen damals Standesunterschiede eine große Rolle spielten, ging es in der Studienanstalt vor allem um den geistigen Wettstreit.

In den ersten Jahren nach der Gründung übernahm Schulrat Dr. Böhm die Leitung bereits mit dem Ziel, die Schule in die Hände einer weiblichen Kraft zu geben. Dies geschah 1919, als Mathilde Plate (1889 – 1963) – auch sie keine Akademikerin sondern über das Lehrerinnenseminar und private Weiterbildung voran gekommen – die Direktorinnenstellung übernahm. Wegen ihrer eleganten Erscheinung wurde sie die „Fürstin“ genannt, doch hinter ihrem zurückhaltenden Auftreten verbarg sich ein starker Wille, und mit sanfter, aber energischer Hand wusste sie die Schülerinnen zu leiten. Sie durfte sich damals ihr Kollegium selbst zusammenstellen, auch dies trug zu dem hohen Standard der Schule bei.

Nach 1933, als der Schulleitung von dem nun herrschenden Regime immer mehr Steine in den Weg gelegt wurden, gelang es Frau Plate, mit Raffinesse und leisem Widerstand einige Zumutungen abzuwenden, sie konnte aber nicht verhindern, dass ihr ständig neue und oft ohne Ankündigung verhängte Restriktionen im Sinne der nationalsozialistischen Schulpolitik die Arbeit immer mehr erschwerten. Schließlich musste sie zu ihrem großen Kummer miterleben, dass das Gymnasium im alten humanistischen Sinne abgebaut wurde, so dass es zuletzt nur noch zwei Schulformen für Mädchen gab: ein reduziertes sprachliches Abitur mit kleinem Latinum und ein hauswirtschaftliches (im Volksmund: „Puddingabitur“ genannt), das nur noch minimales theoretisches Wissen voraussetzte.

Im Kollegium hat nach übereinstimmender Aussage ihrer Mitarbeiter weiterhin ein liberales, kaum vom neuen „braunen“ Geist beeinflusstes Klima geherrscht. Man wusste sich durch mehr oder weniger offenen Widerstand gegen die staatlichen Maßnahmen zur Wehr zu setzen. Viele Schülerinnen, vor allem die jüdischen Schülerinnen unter ihnen, haben dies ihren Lehrerinnen ihr Leben lang zu danken gewusst.

Mit Kriegsbeginn 1939 wurde es immer schwieriger, einen geordneten Schulalltag aufrecht zu erhalten. Nicht nur fiel durch die äußerlichen Kriegsauswirkungen in der Kleinen Helle immer häufiger der Unterricht aus, er wurde durch schulpolitische Maßnahmen zusätzlich reduziert und in seiner Qualität beeinträchtigt. Allein im Schuljahr 1939/40 entfielen 30% der Stunden.

Im Laufe des Krieges mussten die Schülerinnen mehrfach umziehen. Als das Gebäude von der Marine beschlagnahmt wurde, musste man zur Oberschule an der Karlstraße ausweichen, durch den Raummangel war man zu Schichtunterricht gezwungen. Bis Ostern 1940 war die Kleine Helle im Lyzeum in Walle untergebracht, umgekehrt war 1941 die Kippenbergschule zu Gast, so dass erneut Schichtunterricht fällig wurde. Dennoch reichten die Räume nicht aus, so dass der Unterricht verkürzt oder in Privatwohnungen verlegt werden musste.

Im Dezember 1943 richteten Luftangriffe große Schäden am Schulgebäude an. Die Zimmerdecken in den oberen Geschossen waren explodiert, und die Heizanlage wurde zerstört. Weitere schwere Bombenangriffe trafen die Schule im August 1944. Zusätzlich wurden die Bremer Schulen mehrfach wegen Kohlemangels ganz geschlossen. Das Schulleben spielte sich zwischen Bombenalarmen ab, die Kinder erschienen übermüdet zu den wenigen durch Bunkeraufenthalte unterbrochenen Stunden.

Von August 1943 und Februar 1945 wurden im Rahmen der sogenannten Kinderlandverschickung Schülerinnen erst einzeln, dann in Klassenverbänden in nicht vom Krieg betroffene ländliche Gegenden geschickt, wo die jüngeren in Pflegefamilien, die älteren in lagerähnlichen Unterkünften untergebracht wurden. Die Schülerinnen der Kleinen Helle kamen nach St. Gilgen in Österreich sowie nach Oberhof in Thüringen und später nach Fulda, begleitet von mehreren Lehrerinnen unter der Leitung von Frau Dr. Rhenius. Noch Jahre danach erinnerten sich Lehrer und Schüler gern an diese fröhliche, behütete Gemeinschaft. Die höheren Klassen blieben allerdings in Bremen. In dem heutigen Gebäude der Hermann-Böse-Schule wurden Sammelklassen eingerichtet, wo man sich trotz aller Widrigkeiten auf das Abitur vorzubereiten versuchte. Alle Äußerlichkeiten wie Weihnachtsfeiern, Aufführungen, Ausflüge u.a. hatten natürlich auszufallen. Im November 1944 wurde angeordnet, die Abiturientinnen des Jahrgangs 1943/44 mit einem vorläufigen Zeugnis zum Arbeitseinsatz in der Kriegsindustrie oder Landwirtschaft zu entlassen. Nachdem bereits zuvor ein Schuljahr gestrichen worden war, erhielten diese Schülerinnen so bereits nach elf Schuljahren und ohne Prüfung ihr Abiturzeugnis.

Nach dem Kriege war vorerst an eine Wiederaufnahme des Unterrichts nicht zu denken. Von März bis zum Dezember 1945, als die amerikanische Militärregierung die Gymnasien wieder öffnete, blieben die Kinder zuhause und erhielten bestenfalls Privatstunden. Aber auch dann musste man zuerst an den Wiederaufbau denken. Die Kleine Helle stand zwar noch, von weitem zu sehen als einziges Gebäude inmitten Trümmern, war aber stark zerstört. Kinder und Lehrer räumten per Hand den Hof von Bombentrichtern frei und schleppten Dachziegel. Die Schulstunden fanden in Notunterkünften oder Privaträumen, ohne Heizung, manchmal auch mit Regenschirm statt. Die Schulsituation in Bremen nach dem Kriege lässt sich nur als katastrophal bezeichnen, es fehlte praktisch an allem. Knapp waren nicht nur Räumlichkeiten, sondern auch Lehrmaterial, da erst geklärt werden sollte, welche alten Schulbücher weiter benutzt werden durften. Es hieß nun improvisieren. Aus Altpapier fertigte man Hefte selbst. Da viele männliche Lehrkräfte im Krieg gefallen waren oder sie sich erst vor der Entnazifizierungsbehörde verantworten mussten, kamen auf eine Lehrerin bis zu 100 Schülerinnen. Die Kinder waren unterernährt, ihnen fehlten warme Kleider und Schuhe, sie kamen morgens aus provisorischer Unterbringung zur Schule, ohne zuhause gefrühstückt zu haben; oft war die Schulspeisung die einzige richtige Mahlzeit am Tage.

1949 endete die Ära der mittlerweile bereits 67jährigen Mathilde Plate. Ihre Nachfolgerin wurde Elisabeth Forck (1900 – 1988), seit 1926 an der Kleinen Helle tätig. Etwas widerstrebend nahm sie diese Aufgabe an, denn sie wäre am liebsten Lehrerin geblieben und bedauerte, dass ihr die Verwaltungsarbeit so viel Zeit nahm. Doch auch als Direktorin hat sie ihre Schülerinnen auf deren Lebensweg begleitet und bei manchen von ihnen die entscheidenden Weichen für den weiteren Lebensweg stellen können.

In den kommenden Jahren gab es immer wieder administrative Änderungen (manchmal regelrecht Kehrtwendungen) in der Bremer Schulpolitik, über die hier nur ein kurzgefasster Überblick gegeben werden kann:

1950 brachte das 1.Bremer Schulreformgesetz die Einführung der sechsjährigen Grundschule, gefolgt vom sogenannten Kombinat aus mehreren Schulformen, einer Art Gesamtschule. Die Bezeichnung Gymnasium wurde abgeschafft, es gab nur noch die Oberschule. Für einige Klassen wurde auch in der Kleinen Helle vorübergehend die Koedukation eingeführt.

1954 wurde das Kombinat wieder aufgelöst und die Kleine Helle auf den gymnasialen Zweig (nur Mädchen) reduziert. Ab der siebten Klasse wurde als zweite Fremdsprache Latein oder Französisch angeboten, ab der elften Klasse als dritte Sprache die jeweils zuvor nicht gewählte.

1957 begann die sogenannte Typisierung, d.h. jeder Schule wurde eine bestimmte zweite Fremdsprache zugewiesen, Parallelklassen mit unterschiedlichem Sprachangebot waren jetzt nicht mehr möglich. Für die Kleine Helle bedeutete dies, dass sie zum „neusprachlichen Gymnasium“ deklariert wurde mit Latein als zweiter Fremdsprache nach Englisch und der Wahlmöglichkeit zwischen der dritten Sprache Französisch oder einem musischen Zweig in der Oberstufe.

Diese letzte Reform war neben der Neugründung vieler Gymnasien außerhalb der Bremer Innenstadt eine der Ursachen für den Rückgang der Schülerzahlen in den sechziger Jahren von über 600 bis auf 300 Schülerinnen. So kam es, das der Bremer Senat 1963 erstmals eine Auflösung der Kleinen Helle in ihrer bisherigen Form ins Auge fasste, und zwar alternativ die Schließung oder die Verlegung in eine Vorstadt. Die Folge war ein Proteststurm bei Schülerinnen, Lehrerinnen und in der Bremer Öffentlichkeit. Frau Forcks Versuch, sich der Auflösung ihrer Kleinen Helle zu widersetzen, endete mit einem Fiasko. Zwar durfte die Kleine Helle schließlich doch bestehen bleiben, indem der Senat die Einführung der Koedukation beschloss, aber Frau Forck fand sich in der Konfrontation mit dem Senat tief gedemütigt wieder. Solche Erlebnisse haben ihr die letzten Jahre bis zu ihrer Pensionierung 1963 verbittert, wenn auch Schülerinnen und Kollegen ihr einen überwältigenden Abschied bescherten.

Es dauerte einige Monate, bis 1964 Frau Erika Opelt-Stoevesandt (1919 – 2013) die Leitung der Schule übernahm. Viele Neuerungen im Schulbetrieb sind dieser tatkräftigen Frau zu verdanken. Ein besonderes Anliegen war ihr die 1965 begonnene Einrichtung von zwei Aufbauzügen für Mittelschüler, die die Durchlässigkeit der Oberstufe ermöglichten. Zeitweise gab es zehn Parallelklassen in der Oberstufe, so dass die Schule auf über 1.000 Schüler anwuchs. Dem dadurch entstandenen Raummangel sollte der Mitte 1973 eröffnete, fünfgeschossige Anbau an das alte Gebäude abhelfen, wo drei naturwissenschaftliche Disziplinen, Musik und Sozioökonomie untergebracht wurden. Frau Opelt-Stoevesandt bezeichnete diese Jahre als eine Blütezeit der Schule, indem sie auf die Schaffung eines neuen naturwissenschaftlichen Zweigs, die Zulassung von Kunst und Musik als Abiturfach und die Ausweitung des Fremdsprachenangebots verwies. – Mit dem Ruhestand 1981 verließ Frau Opelt-Stoevesandt die Schule, um sich ihrer neuen Lebensaufgabe, der Gründung eines ökumenischen Gymnasiums, zu widmen.

Inzwischen rückte das endgültige Aus der Schule immer näher. Mehrere Entwürfe des Senats mündeten schließlich in dem Plan, das Gymnasium an der Kleinen Helle zu schließen und das Alte Gymnasium, bisher an der Dechanatstraße, in dessen Räume umziehen zu lassen, wo es sich bis heute befindet. Protestaktionen wie die Besetzung des Gebäudes und Verkleidung der Fassade mit Trauerfolie hatten keinen Erfolg. Unter dem neuen Schulleiter Günther Gerlach feierte die Kleine Helle im Mai 1986 noch mit viel Galgenhumor ihr letztes, das 70. Jubiläum, wohl wissend, dass bald die letzte Zeugnisvergabe und Abschlussfeier stattfinden sollte. Im Herbst 1986 bezogen die ersten rund 300 Schüler des Alten Gymnasiums das Gebäude, mit Beginn des Schuljahres 1987/88 folgten auch die restlichen Schüler, und das Gymnasium an der Kleinen Helle war somit offiziell aufgelöst.

1986 gaben die Schülerinnen und Schüler ihrer Verzweiflung darüber Ausdruck, dass ihre Traditionsschule ein so klägliches Ende finden sollte: Sie fertigten einen Grabstein, der noch heute im Treppenhaus des Gebäudes ruht, leider inzwischen nicht mehr öffentlich sichtbar, auf dem sie die Worte eingravierten:

Ruhe sanft
Kleine Helle
* 1916 Eine sozialreformerische Tat
† 1987 Ein verordneter Tod
Den Lebenden zur Mahnung
Die Ehemaligen.

Literatur und Quellen:
Festzeitschrift zum 70jährigen Jubiläum der Kleinen Helle 1986.
Gerhardt Heidt (Zeitzeuge).
Unterlagen im StAV Bremen.

Marion Reich

 

Frauenoberschule Karlstraße – FrauenOrt

Die Schule in der Birkenstraße entstand aus einer Freischule, der 1912 ein Volksschullehrerinnenseminar angeschlossen war. Ab 1922 wurde sie Deutsche Oberschule für Mädchen an der Karlstraße. Das Kollegium bestand aus Lehrern und Lehrerinnen, darunter viele herausragende Pädagoginnen.

Die Schule hatte bis kurz vor Ende des 2.Weltkriegs ca. 400-430 Schülerinnen und bot ein umfangreiches Programm an: Neben dem regulären Unterricht fanden zahlreiche Schulfeiern, kulturelle Veranstaltungen und jährliche Ausflüge und Wanderungen statt.

Die Machtübernahme Hitlers brachte gravierende Veränderungen mit sich: In den Jahresberichten der Schule, die auch über die Religionszugehörigkeit der Schülerinnen Auskunft geben, werden keine jüdischen Schülerinnen mehr aufgeführt. Die Schulfeiern und Aufsatzthemen wurden mehr und mehr von den nationalsozialistischen Inhalten geprägt. Es gab Gedenkfeiern für die Machtübernahme, Filme zum Reichsparteitag, Ausstellungsbesuche „Erbgut und Rasse“, im Deutschunterricht wurden Stamm- und Sippentafeln angelegt. Aber auch neue Fächer wurden erteilt: Kurzschriftlehrgänge, orthopädisches Turnen und Rudern.

1936-1939 reichten die Räume für die 12 Klassen nicht aus, drei Klassen wurden zur Frauenschule im Frauen-Erwerbs- und Ausbildungsverein in die Pelzerstrasse ausgegliedert. Ab Kriegsausbruch musste die Schule auch noch Schülerinnen der Kleinen Helle aufnehmen. Der Stundenplan wurde gekürzt, der Unterricht in Schichten erteilt. Um Kohle zu sparen, verlängerten die Behörden die Weihnachtsferien. 1940 wurde in die Schule ein Divisionsstab einquartiert und der Unterricht fand fortan an der Oberschule West in einem Nebengebäude der Vietor-Schule statt. Nachdem der Divisionsstab das Gebäude im Oktober wieder verlassen hatte, mussten nun die Räume mit der Rembertischule geteilt werden. Aus diesem Grund fand von 1940-1941 nur ein eingeschränkter Unterricht (Mittwoch und Sonnabend bis 11 Uhr) statt. Ab 1942 begann der Unterricht bei nächtlichen Flugangriffen morgens später, auch der Mangel an Kohle und eine Scharlachepedemie wirkten sich aus. Die Lehrkräfte wurden zu Brandwachen eingeteilt, die Schülerinnen beteiligten sich an Altstoffsammlungen. 1942 reisten die Schülerinnen erstmals im Rahmen der Kinderlandverschickung für sechs Monate nach Rottach Egern, 1944 fuhren 110 Schülerinnen und 12 Lehrkräfte nach Meissen und konnten erst 1945 unter äußerst schwierigen Bedingungen und nur durch den energischen Einsatz ihrer Rektorin Dr. Marie Quincke zurückkehren. Das Schulgebäude war fast vollständig zerstört.

Durch die Entnazifizierung wurden 13 Lehrkräfte entlassen, unter ihnen die langjährige Direktorin Dr. Quincke, die 1937 der NSDAP beigetreten war. Unter der Leitung von Dr. Hermine Ruschmann begann der Wiederaufbau der total zerstörten Schule. Anfang 1945 hatte sie bereits wieder 429 Schülerinnen, der Unterricht fand jedoch in verschiedenen Schulen statt. 1951 konnte dort mit Ausnahme der Fächer Hauswirtschaft und Gartenbau wieder der gesamte Unterricht erteilt werden, allerdings war der bauliche Zustand nicht optimal. Am 30.3.1952 feierte die Schule ihr 30jähriges Bestehen, 1957 wurde die Schule von „Oberschule für Mädchen an der Karlstrasse“ in „Gymnasium an der Karlstraße“ geändert. Sie war immer noch eine reine Mädchenschule, obwohl schon direkt nach dem Krieg die amerikanische Militärbehörde Koedukation angeordnet hatte, die dann in Bremen 1950 gesetzlich festgelegt wurde. Umgesetzt wurde sie aber schrittweise. Erst Ostern 1963 gab es die ersten Schüler. Ab 1961 gab es erste Diskussionen über einen Neubau und Umzug in die Vahr. 1965 begann der Neubau und 1967 zogen die Schülerinnen und Schüler in die nach Kurt Schumacher benannte Schule in der Vahr ein.

Zu fragen bleibt bis heute, warum diese Schule nicht nach einer ihrer bedeutenden Pädagoginnen benannt wurde.

Literatur und Quellen:
Der Kreisel, Schulzeitung des Gymnasiums Karlstrasse, Ausgaben 33-38.
StAB Schulakte, 4,39/42.
Zur Erinnerung an 50 Jahre Abitur am Gymnasium an der Karlstraße, März 1961-April 2011.

Edith Laudowicz