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Blum, Lisa-Marie, geb. Koch

3.10.1911 in Geestemünde – 16.3.1993 in Hamburg

Die Tochter des Fischgroßhändlers Georg Koch verbrachte in Geestemünde zusammen mit ihren drei Geschwistern unbeschwerte Kindheits- und Jugendjahre. 1929 ging sie nach Berlin, um Malerei und Graphik zu studieren. Dort lernte sie den Maler und Graphiker Fritz Paul Blum (1897-1971) kennen, den sie 1934 heiratete.

Der Nationalsozialismus und vor allem der 2.Weltkrieg trafen den Lebensnerv ihrer beider künstlerischen Aktivitäten. Er verlor sein Staatsatelier in Berlin, und bei einem Bombenangriff 1943 wurden alle Werke des Künstlerehepaares vernichtet. Sie rettete sich zunächst mit ihren zwei kleinen Kindern in ein Dorf an der Oder. Im März 1945 floh sie schließlich mit ihnen zu ihren Eltern nach Wesermünde-Geestemünde. Dorthin folgte nach Kriegsende auch ihr Mann nach. Während dieser nun im Hafengebiet maritime Motive fand, zeichnete seine Frau Märchen- und Kinderbilder.

1950 zog die inzwischen fünfköpfige Familie der besseren Auftragslage wegen nach Hamburg-Winterhude um. Lisa-Marie B. betätigte sich nun vor allem als freie Schriftstellerin. In den folgenden Jahrzehnten veröffentlichte sie zahlreiche meist selbst illustrierte Kinder- und Jugendbücher, Lyrik und Prosa in Zeitungen und Zeitschriften (u.a. in „die horen“) sowie Beiträge in Anthologien. Auch im in- und ausländischen Rundfunk fanden ihre Werke ein Publikum. Viele ihrer Kinderbücher erschienen in mehreren Auflagen. Für die Erzählung „Das Sternbild der Zwillinge“ erhielt sie 1957 den Literaturpreis des Süddeutschen Rundfunks. Die 1959 erschienene Erzählung „Das geheimnisvolle Karussell“, die auf die Auswahlliste zum Deutschen Jugendbuchpreis kam, wurde sogar in mehrere Sprachen übersetzt.

Dass sie trotz ihrer enormen Produktivität, die ihr als dreifacher Mutter nur mit der absoluten Unterstützung ihres Ehemannes möglich war, keine große Karriere gemacht hat, liegt wohl auch an ihrer zurückhaltenden und bescheidenen Art. Prägend für den Stil ihrer Kinderbücher, die gekennzeichnet sind von Humor, Phantasie, Spannung und lustigen märchenhaften Figuren, ist ihre eigene Kindheit gewesen, die sie ohne Zwänge, Verbote und Ängste erlebt hat.

Ein Jahr vor ihrem Tod kam sie noch einmal in ihre Geburtsstadt zurück, um auf Einladung des Kulturamtes in der Reihe „Literatur in der Stadt“ im Historischen Museum Bremerhaven/Morgenstern-Museum aus ihren Werken zu lesen. Eine von ihr in Angriff genommene Biographie ihres Mannes blieb unvollendet. Ihre jüngere Schwester, Gerda Marie Scheidl (1913-2005), machte sich ebenfalls als Kinder- und Märchenbuchautorin einen Namen.

Literatur und Quellen:
Bickelmann, Hartmut (Hrsg.): Bremerhavener Persönlichkeiten aus vier Jahrhunderten, Brhv. 2.Aufl. 2003, S.38-39, Erstveröffentlichung (mit Werkauswahl)
Grapenthin, Elke: Künstler und Künstlerinnen in Bremerhaven und Umgebung 1827-1990, Bremen 1991, S.242-245, 482, 534.
Kürschners Deutscher Literaturkalender 1988, S.102 (mit Werkverzeichnis).

Daniela Stammer
(In der Erstveröffentlichung Geburtsname Daniela Deckwart)