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Hadeln, Sophie Freiin (1869 – 1945)

23.12.1869 Treuenbrietzen – 20.4.1945 Bremen

Sophie Freiin von Hadeln war Oberin der Bremer Diakonissenanstalt

Sophie wurde als ältestes von sieben Kindern des Freiherrn von Hadeln und seiner Frau Ida geboren. Die Malerin Marie von Hadeln war ihre jüngere Schwester. Der Vater bekleidete hohe Ämter: als Hofmarschall in Waldeck, ab 1882 beim Großherzog in Weimar und ab 1895 als Finanzpräsident beim Großherzog von Luxemburg in Wiesbaden.

Sophie verlebte eine standesgemäße Kindheit. Sie wurde zuhause durch Erzieherinnen unterrichtet und 1888 am Weimarer Hof eingeführt, wo sie an den Hoffestlichkeiten teilnahm. Als erwachsene junge Frau jedoch entschied sie sich für einen anderen Lebensweg und wählte den Beruf einer Diakonisse. Dies wäre auch im Sinne ihres verstorbenen Vaters gewesen, der die Töchter vor dem „Hofdamenberuf“ gewarnt hatte. Sophie trat als Johanniterschwester in das Diakonissenmutterhaus Paulinenstift in Wiesbaden ein, dem sie von 1905 bis 1918 angehörte. Zehn Jahre lang leitete sie während dieser Zeit die renommierte Pagensterchersche Augenheilanstalt in Wiesbaden, und zusätzlich während des 1. Weltkriegs das dort untergebrachte Reservelazarett.1

In der evangelischen Diakonissenanstalt Bremen wurde sie 1918 zur Oberin berufen und im November dort eingeführt. Diese Einrichtung, Vorgängerin des heutigen DIAKO in Gröpelingen, war nach Kaiserswerther Vorbild2 1867 in der Fichtenstraße erbaut worden und 1880 in die Nordstraße 116 verlegt.

Sophie v.H. amtierte bis 1944 als Oberin der Anstalt. Sie wird als lebhafte Frau von großer Entscheidungskraft geschildert. Sie war nicht nur für die ihr unterstellten Krankenschwestern verantwortlich, deren Zahl in ihrer Amtszeit von 160 auf 253 wuchs, sie engagierte sich auch für die Erweiterung und Modernisierung des Hauses. Eine Reihe von Jahren vertrat sie die Schwesternschaften der gemeinnützigen Krankenanstalten im Gesundheitsrat des bremischen States. Bei häufiger Abwesenheit des vorstehenden Pastors Constantin Frick lastete die Gesamtorganisation oft allein auf ihren Schultern. So musste sie die äußeren Bedrohungen – Inflation, Arbeitslosigkeit, Hunger, Kriegszerstörungen – allein bewältigen. 1934 wurde sie vom Vorstand gebeten, auch nach ihrem 65. Lebensjahr im Amt zu bleiben.

Der noch heute existierende Bunker wurde 1942 für das nahegelegene Diakonissenkrankenhaus gebaut. Hinter den zwei Meter dicken Betonwänden suchten Krankenhausbedienstete mit ihren Patient:innen sowie Anwohner:innen Schutz vor Fliegerangriffen. Bei jedem Luftalarm mussten die Kranken über viele Treppen in den Bunker transportiert werden. Als im August 1944 bei dem großen Bombenangriff auf den Bremer Westen das Krankenhaus zerstört wurde, blieb nur der Bunker stehen. In einem der sogenannten Bunkerrundbriefe, die Sophie v.H. regelmäßig an die dem Haus angehörigen Diakonissen verschickte, gab sie im Oktober 1944 ihrer Dankbarkeit Ausdruck, dass alle Schwestern und Pfleglinge unversehrt aus den Flammen gerettet werden konnten.

Die ständige Sorge für die Kranken bei mangelnder Ernährung und oft gestörter Nachtruhe, das anstrengende Treppensteigen im Bunker, dies alles zehrte an ihren Kräften, so dass ihre Schwester Marie von Hadeln gebeten wurde, bei ihr im Bunker zu bleiben.

Im Alter von 76 Jahren erlag sie einem Schlaganfall.

Ein Nachruf des Vorstands würdigt sie: „.. in warmherziger Hilfsbereitschaft für Kranke und Notleidende ist sie vielen zum Segen geworden.“

Marion Reich

Anmerkungen

  1. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um die Stellung als Oberin der Schwesternschaft.
  2. Der evangelische Pfarrer Theodor Fliedner eröffnete 1836 in Kaiserswerth die erste Diakonissenanstalt. Unverheiratete Frauen erlernten hier einen Beruf in der Krankenpflege und Erziehungsarbeit. Im Diakonissenmutterhaus lebten sie in einer engen Glaubens- und Lebensgemeinschaft.

Literatur und Quellen:
Detlefsen, Wilhelm (ed.): Diakonie an Weser und Ems, Hundert Jahre Evangelisches Diakonissenhaus in Bremen, 1968.
Blätter aus dem Diakonissenhaus, Erinnerungen an Sophie Freiin von Hadeln, April 1950.