Artikel

Kassen, Frieda, geb. Laschke

2.11.1885 in Neuhof bei Berlin – 10.7.1970 in Bremen

Frieda war die Tochter eines Bauarbeiters. Die Familie zog oft um, da der Vater – aus politischen Gründen häufig entlassen – ständig einen neuen Arbeitsplatz suchen musste. Nach dem frühen Tod des Vaters hielt die Mutter die Familie mit einer Arbeit als Waschfrau über Wasser.

Frieda lernte den Beruf einer Verkäuferin, arbeitete in den zwanziger Jahren lange in einer Strumpffabrik in Görlitz, wo sie zur Betriebsratsvorsitzenden gewählt wurde. In den vierziger Jahren arbeitete sie wieder als Verkäuferin. 1922 war sie in die SPD eingetreten. Nach 1945 wurde sie Stadtverordnete in Görlitz und Vorsitzende der dortigen Handels- und Transportgewerkschaft.

Als ehemalige Sozialdemokratin hatte sie aber Schwierigkeiten mit der SED und ging 1949 in den Westen, genauer: nach Bremen. Hier betätigte sie sich gleich wieder auf parteipolitischer und gewerkschaftlicher Ebene. Im Juni 1952 rückte sie für ein ausscheidendes Mitglied der SPD-Fraktion in die Bürgerschaft nach. Bis 1967 blieb sie Abgeordnete und arbeitete in den Deputationen für das Wohlfahrtswesen, für das Bauwesen und für Wiedergutmachung mit.

Ihrem Selbstverständnis und ihrem Werdegang entsprechend, vertrat sie das gewerkschaftliche Element im Bremer Landesparlament. Neben ihrer Abgeordnetentätigkeit leitete sie den Kreisfrauenausschuss des DGB und die Frauenarbeit in der Einzelgewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Stets versuchte sie, mehr Frauen für die Gewerkschaftsarbeit zu motivieren. Noch mit 70 Jahren nahm sie als Delegierte an dem Gewerkschaftstag der NGG im Jahre 1966 teil. Sie starb im 75.Lebensjahr.

Literatur und Quellen:
Adamietz, Horst: Die fünfziger Jahre. Bremer Parlamentarier 1951-1959, Bremen 1978.
Bremer Bürger Zeitung 17.9.1966.
Bremer Nachrichten 14.7.1970.
Handbuch der Bremischen Bürgerschaft, 4.Wahlperiode (1955-1959).

Renate Meyer-Braun