Artikel

Reinken, Margarethe Diederike von

28.3.1877 in Bremen – 20.1.1962 in Bremen

Margarethe stammte aus einer angesehenen Bremer Kaufmannsfamilie. Sie wuchs als jüngstes Kind mit sieben Geschwistern in einem behüteten Elternhaus auf. In einer Zeit, als die Geschäfte des Vaters noch florierten, nahm sie das Studium an der sogenannten Damenakademie in Karlsruhe bei Friedrich Fehr (1862-1927) und Ludwig Schmidt-Reutte auf.

Nach ihrer Ausbildung kehrte sie nach Bremen zurück und ließ sich als freischaffende Künstlerin nieder. Im Hause ihrer Mutter an der Feldstraße richtete sie sich ein Atelier ein. Sie hoffte durch Auftragsarbeiten, vor allen Dingen durch Porträtaufträge, ihre Existenz standesgemäß zu sichern. Doch das war schwierig. Trotz ihres anerkannten Könnens als Zeichnerin und des hervorragenden handwerklichen Rüstzeugs, das sie besaß, sowie eines soliden Renommees und einer Herkunft, die sie eng mit dem angesehenen Bremer Bürgertum verband, machten ihr die Konkurrenz und die Sparsamkeit eines kunstinteressierten Bürgertums, angesichts wirtschaftlicher Instabilität, schwer zu schaffen.

Nach dem Kriegsende verschlechterte sich ihre Situation noch mehr. Sie konnte nicht länger auf die Unterstützung der Familie zählen, da die wachsende Inflation das Vermögen aufgezehrt hatte. Darüber hinaus fiel der ledigen Frau, wie selbstverständlich, die Ver­sorgung ihrer verwitweten Mutter zu.

Die Künstlerin musste sich um einen Broterwerb bemühen. Sie nahm Schülerinnen an. Streng wie sie gegenüber ihrer eigenen Malerei war, soll sie auch ihnen gegenüber gewesen sein. Doch die Gabe, „jungen Menschen die Augen zu öffnen“, machte sie, wie der ehemalige Direktor der Kunsthalle Bremen Günter Busch in der Broschüre zur Ausstellung von Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen in der Kunsthalle Bremen im Jahre 1994 hervorhob, zu einer respektierten Lehrerin. Unter ihren Schülerinnen waren zwei Frauen, Agnes Sander-Plump und Gustava Thölken, die sich später selbst einen Namen als Malerinnen machen sollten.

Doch der Verdienst reichte noch immer nicht aus. Sie sah sich nach einer angemessenen Tätigkeit um und nahm das Angebot des befreundeten Bankiers Plump an, „als ältere Freundin“ das Amt einer „Hausdame“ in seinem großen Haushalt zu übernehmen. 17 Jahre arbeitete sie dort. Dass das ein Hemmnis für die künstlerische Entfaltung war, vermuteten spätere Rezensenten. Dennoch idealisierte Günter Busch die „Familienarbeit“, die sie leistete und die einer ledigen Frau nach allgemeiner Meinung, der eine eigene glückliche Mutterschaft verwehrt war, so gut zu Gesicht stand. Wie sie selbst darüber dachte, wissen wir nicht. Doch die abhängige Rund-um-die-Uhr-Tätigkeit, die ihre schöpferische Kraft absorbierte oder lähmte, dürfte ihr nicht immer leicht gefallen sein. Denn die Frau mit den herben Zügen verstand sich vor allen Dingen als Künstlerin. Auf vielen Bildern präsentierte sie sich, zuweilen in ihren Malerkittel gehüllt, als Malerin mit den Insignien ihrer Profession versehen: Staffelei, Palette und Pinsel.

Sie hatte im kunstsinnigen Hause Plump am Osterdeich einen Raum als Atelier, in dem sie ungestört wirken konnte, auch wenn sie lieber vor der Natur malte. So gelang es ihr, zahlreiche Bilder zum Verkauf oder für Ausstellungen fertigzustellen. Sie erreichte damit, dass der Name Margarethe von Reinken in Bremen nicht vergessen wurde.

Anlässlich der Präsentation von Werken bremischer Malerinnen und Maler in der Kunsthalle Bremen im Jahre 1924 lobte der Rezensent der Weser-Zeitung Margarethe von R. als „eine Meisterin“ und resümierte: „Bewußt wirkender künstlerischer Wille wirkt bei ihr zusammen mit tadellos beherrschtem Handwerk.“[1]

1931 stellte die Künstlerin im Ausstellungsraum der GEDOK[2] aus. Es war eine Übersicht aus der Gesamtheit ihres mehr als 20jährigen Schaffens und umfasste vor allen Dingen Landschaftsbilder und Stillleben, ihre bevorzugten Sujets, und ein Porträt.

Die Rezensentin, Sophie Dorothee Gallwitz, zeigte sich von der Ausstellung angetan. Sie lobte in der Weser-Zeitung den „geschlossenen Wert ihres malerischen Werkes“ und war beeindruckt von „der niemals dekorativen, sondern innerlichsten malerischen Eigenart des jeweils Gegenständlichen.“[3]

Das Porträt aus dem Jahre 1911 war wohl dem besonderen Verhältnis der Künstlerin zu der viel älteren Schriftstellerin Bernhardine Schulze-Smidt (1846-1920), der Enkelin des berühmten bremischen Bürgermeisters Johann Smidt (1773-1857), geschuldet. Die beiden Frauen standen sich nicht nur privat nahe, sondern sie fühlten sich auch durch die gemeinsame Arbeit an einem Buch verbunden. Margarethe von R. hatte Bernhardines historische Erzählung „Die Engelswiege“, mit Zeichnungen und Vignetten von ihr versehen.

1937 wurde die Künstlerin durch die GEDOK in den Ausstellungsräumen des Graphischen Kabinetts zu ihrem 60.Geburtstag mit einer Ausstellung geehrt. Ihre Ölbilder, Aquarelle und Zeichnungen wurden als „überraschend kraftvoll und flott“ und als eine „vorzügliche Leistung“ gewertet, „voll Glanz und Frische“ und mit „viel Licht und Leben.“[4] Auch nach dem Krieg wurde ihrer gedacht. 1947, zu ihrem 70.Geburtstag, brachte die Kunsthalle in Bremen ihr Werk in Erinnerung.

Sie führte bis zu ihrem Tod ein zurückhaltendes, aber – ihres eigenen Talentes sicher – durchaus selbstbewusstes Leben in Bremen. Als ältere Frau siedelte sie in ein Haus der Meta-von-Post-Stiftung in Bremen-Horn über, ab 1947 in das Ilsabeenstift in St.Magnus. Sie starb im Alter von 85 Jahren.

1994 erinnerte die Kunsthalle Bremen noch einmal an das Werk der Künstlerin, indem sie zahlreiche Bilder der Malerin, Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen, im Kupferstichkabinett ausstellte. Im Katalog lobte der damalige Direktor der Kunsthalle, Günter Busch, Margarethe von R.s „absolutes Gehör“ im Bereich der Farbe und würdigte ein Werk und eine Künstlerin „von seltenen Gaben“ und „künstlerischem Verantwortungsgefühl“, „das sich in kritischem Urteil gegenüber dem eigenen Schaffen ausdrückte“. Er befand, dass sie die Strenge, die sie gegenüber anderen anwandte, auch im Hinblick auf sich selbst ausübte und meinte: „Sie ließ sich in ihrer Malerei nichts an Oberflächlichkeit oder Leichtfertigkeit durchgehen. Alles Ungefähre oder Zufällige suchte sie aus ihrer Kunst fernzuhalten.“

Einzelausstellungen:
Ausstellung zum 60.Geburtstag, Graphisches Kabinett Bremen 1937 (ohne Katalog)
Ausstellung zum 70.Geburtstag, Kunsthalle Bremen 1947 (ohne Katalog)

Gruppenausstellungen:
Teilnahme am „Bremer Zimmer“, Werkbundausstellung Köln 1914, diese Ausstellung wurde 1984 noch einmal gezeigt (ohne Katalog)
Kunsthalle Bremen 1924 (ohne Katalog)
Kunsthalle Bremen 1925 (ohne Katalog)
Ab 1924 GEDOK-Ausstellungen im Graphischen Kabinett Bremen (alle ohne Katalog)
Künstlerbund, Kunsthalle Bremen 1929 (ohne Katalog)
Oldenburg 1942 (ohne Katalog)
Hermine Overbeck-Rohte und Bremer Malerinnen um 1900, Kat. Ausstellung Overbeck-Stiftung, Bremen 1992
Bremer „Malweiber“ um 1900 zwischen Tradition und Moderne, Kat. Ausstellung belladonna, Bremen 2003
Kunststiftung Lilienthal 2007 (ohne Katalog).

Anmerkungen:
[1] Weser-Zeitung 13.1.1924.
[2] Die Künstlervereinigung GEDOK wurde 1926 in Hamburg von Ida Dehmel (1870–1942) als „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ gegründet.
[3] Gallwitz, Sophie Dorothee: Ausstellung Margarethe von Reinken in der GEDOK.
[4] Bremer Nachrichten, 19.3.1937.

Literatur und Quellen:
Bremer Frauen in der Weimarer Republik 1919-1933 (Kleine Schriften des Staatsarchivs Bremen,12), Hrsg. StAB, Bremen 2 1991, S.174.
Cyrus, Hannelore: Künstlerischer Wille und tadellos beherrschtes Handwerk, Margarethe Diederike von Reinken (27.März 1877 – 20.Januar 1962). In: Zwischen Tradition und Moderne Künstlerinnen und die bildende Kunst in Bremen bis Mitte des 20.Jahrhunderts, Bremen 2005, S.154-159, dieser Text ist eine gekürzte Fassung aus diesem Artikel.
Gudera, Alice/Holz, Donata/Nachtwey, Birgit/Schönbohm, Bärbel: …und sie malten doch! Geschichte der Malerinnen – Worpswede, Fischerhude, Bremen, Lilienthal 2007.
Hildebrand, Gisela : von Reinken, Margarethe. In: Cyrus, Hannelore u.a. (Hrsg.): Bremer Frauen von A bis Z, Bremen 1991, S.138-142.
Jacob, Inge: Hermine Overbeck-Rohte und die Bremer Malerinnen um 1900. Hrsg. Stiftung Fritz und Hermine Overbeck e.V., Bremen 1992.
Kain, Robert : Ausstellung Elster – Reinken – Schäfer in der Kunsthalle, In: Bremer Nachrichten, 20.1.1924.
Krahé, Frauke: Allein ich will. 20 Malerinnen aus Bremen, Worpswede und Fischerhude, Lilienthal 1990, S.132-139, S.88-91.
Margarethe von Reinken 1877-1962; Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen; Ausstellung in der Kunsthalle Bremen, 24.4.-5.6.1994.

Hannelore Cyrus