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Seggel, Sophie, geb. Schmid

13.3.1875 in Bad Reichenhall – 11.4.1961 in Bremerhaven

Die Tochter des königlich bayrischen Hofrats und Badearztes Dr. Adolf Schmid, seit 1902 verheiratet mit dem Chirurgen Dr. Rudolf Seggel (geb. 30.4.1873-2.5.1955), kam 1904 an die Unterweser, als ihr Mann die Position des Chefarztes am Geestemünder Krankenhaus antrat. Der Ehe entstammten zwei Söhne und eine Tochter. Ihr jüngerer Sohn Rolf S. (19.6.1910-7.1.1968) machte sich später als Verkehrsexperte, Direktor der Bremer Straßenbahn AG und Mitglied der Bremischen Bürgerschaft einen Namen.

Seit 1905 Mitglied des Vaterländischen Frauenvereins vom Deutschen Roten Kreuz (VFV), nahm sich Sophie S. schon bald mit Tatkraft und großem Sachverstand sozialer und karitativer Aufgaben an. Einen Schwerpunkt bildete zunächst die Fürsorge für uneheliche Kinder, die sie zu einem Betreuungs- und Beratungssystem ausbaute. Nachdem sie im 1.Weltkrieg die Kriegsfürsorge des Vaterländischen Frauenvereins geleitet hatte, setzte sie sich danach, u. a. durch Vorträge, für die rechtlichen und sozialen Belange von Frauen ein. In diesem Zusammenhang nahm sie von 1919 bis 1924 auch ein Mandat als Bürgervorsteherin (Stadtverordnete) in Geestemünde für die Deutsche Demokratische Partei wahr.

1924 wurde auf ihre Initiative der Stadtfrauenbund, ein Zusammenschluss von 35 Frauenverbänden, gegründet, den sie bis zur Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten 1933 leitete. Es gelang ihr dabei, eine enge Zusammenarbeit zwischen den freien Wohlfahrtsverbänden und den kommunalen Einrichtungen herzustellen. Als Mitgründerin der Arbeitsgemeinschaft Bremerhavener Frauenvereine trug sie nach 1945 wieder zur schnellen Wiederaufnahme der Arbeit freier Wohlfahrtsverbände bei.

Als vornehme Dame mit umfassender Bildung, die in den ersten Nachkriegsjahren regelmäßig auch Kurse über Literatur und Malerei für Jugendliche veranstaltete, ist sie älteren Bremerhavenern noch in Erinnerung. Sie blieb bis ins hohe Alter in der Frauenarbeit – u.a. im Deutschen Evangelischen Frauenbund und im Deutsch-Amerikanischen Frauenclub – aktiv und setzte sich in diesem Rahmen auch für die Völkerverständigung ein.

1955 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Literatur und Quellen:
Bickelmann, Hartmut (Hrsg.): Bremerhavener Persönlichkeiten aus vier Jahrhunderten, Bremerhaven 2.Aufl.2003, S.319-320, Erstveröffentlichung, dort auch Artikel zu Rudolf und Rolf Seggel.
Nordsee-Zeitung, 15.3.1955, 17.4.1961.
StadtA Brhv., Meldekartei Brhv. nach 1945 I.

Hartmut Bickelmann