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Lange, Anna (1785 – 1867)

Anna Lange, geborene Raschen, war als Werftbesitzerin Unternehmerin auch Mutter von zwölf Kindern.

24.7.1785 in St. Magnus – 22.3.1867 in Vegesack

Anna entstammte einer Schiffbauerfamilie aus St.Magnus. Als 18-Jährige heiratete sie am 23.September 1803 in Lesum den 10 Jahre älteren Schiffszimmermann Johann Lange (1775 – 1844). Am 10.Januar 1804 gebar sie ihren ersten Sohn Johann, am 28.Juli 1824 ihr zwölftes Kind, ihren 8.Sohn Gerhard. Fünf ihrer Kinder lebten nicht sehr lange.

Anna Lange

Seit ihrer Kindheit mit dem Schiffbau und dem Werftbetrieb vertraut, konnte sie – ohne Ausbildung als Kauffrau oder „Schiffbauerin“, ohne ein Studium an einer Hochschule, neben der Erziehung ihrer sieben Kinder – ihrem Ehemann, der später besonders als Werftbesitzer, Reeder und Kaufmann in Erscheinung trat, beratend zur Seite stehen und ihn zu immer neuen und erfolgreichen Unternehmungen ermutigen.

In dieser Ehe galt sie als kaufmännisches Genie und war dadurch gewiss eine unentbehrliche Mitarbeiterin und Ratgeberin. Sie galt als kluge und für ihre Zeit ungewöhnlich selbstbewusste Frau. In den Chroniken über die Langesche Werft in Vegesack – Vorläufer der 1893 gegründeten Großwerft Bremer Vulkan – lässt sich sehr viel über die Werft und ihren Gründer erfahren, doch relativ wenig über sie. Aber in der überwiegend von Männern verfassten Geschichtsschreibung muss zwischen den Zeilen gelesen werden, um ein aufschlussreicheres Bild dieser Frau zu erhalten, die einen erheblichen Teil zum Aufstieg ihres Mannes beigetragen hatte und nach seinem Tod in der Lage war, im Familienunternehmen entscheidende Impulse zu geben.

Anna Lange

Nach dem Tod ihres Mannes 1844 wurde die Firmenleitung auf zwei Söhne, Johann und Carl, übertragen, die von den sieben Kindern schon sehr früh für diese Aufgabe ausersehen und vorbereitet worden waren. Wenn die Leitung rechtlich nunmehr auch in den Händen der Söhne lag, so ist doch anzunehmen, dass die eigentliche Führung noch längere Zeit bei der Mutter verblieb. Sie war weiterhin an sämtlichen Entscheidungsprozessen, die Firma betreffend, beteiligt. So erkannte sie früh die zukunftsweisende Bedeutung des Eisenschiffbaus und sah ferner in der Passagierschifffahrt auf der Unterweser ein ausbaufähiges Geschäft.

Bemerkenswert ist das von ihr gezeigte Durchhaltevermögen im Konkurrenzkampf zwischen der eigenen Dampfschifffahrt und dem Norddeutschen Lloyd. Als sie die Passagiere zuletzt zu Dumpingpreisen beförderte und somit viele Fahrgäste von anderen Linien abzog, versuchte der Norddeutsche Lloyd, ihr die Fahrgäste abzukaufen. Doch sie muss eine solche unnachgiebige, zähe Verhandlungspartnerin gewesen sein, dass später von ihr gesagt wurde, in Vegesack gäbe es nur einen Mann und das sei eine Frau.

Werft Johann Lange, Vegesack 1837

Nach den Recherchen von Ulf Fiedler waren damals nur zwei Frauen im Gebiet von Elbe, Weser und Ems im Bereich der Schifffahrt als Unternehmerinnen tätig. In Hamburg war es Philippine Kleudgen, die Inhaberin der hannoverschen Dampfschifffahrtslizenzen war, und in Vegesack Anna Lange. Nach ihrem Tod wurde das Unternehmen von der Firma „Johann Lange Witwe Erben” weitergeführt, bis 1872 der Norddeutsche Lloyd die Raddampfer aufkaufte und die Firma erlosch.

1893 wurde die Lange’sche Werft in die Aktiengesellschaft „Bremer Vulkan, Schiffbau und Maschinenfabrik” umgewandelt mit Franz Schütte als Hauptaktionär.

Eine Anna-Lange-Straße gibt es leider (noch) nicht, aber die Johann-Lange-Straße befindet sich im Stadtteil Bremen-Aumund.

Literatur und Quellen
Almers, Curt: Johann Lange 1775-1844, Hildesheim 1954.
Bessel, Georg: Bremer Vulkan, Bremen Vegesack 1955.
Fiedler, Ulf: Bedeutende Persönlichkeiten in Bremen-Nord, in: Jahrbuch der Wittheit zu Bremen, Band 31, Bremen 1889.
Müller, Fritz/Harten, Johann von: Grohn in Vergangenheit und Gegenwart, Vegesack 1926.
Raschen, Hermann: Die Weser. Das erste deutsche Dampfschiff und seine Erbauer, Berlin 1908.
Informationen der Familie, Felix Ruyter und Dr. Carl Michael Ruyter

Helga Fuhrmann (2016)
mit Ergänzungen (2020)