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Lürssen, Johanna (1881 – 1966)

Berta Johanna Lürssen war eine reformpädagische Lehrerin und Schulrätin.

27.12.1881 in Delmenhorst – 3.3.1966 in Bremen

Die jüngere Schwester von Elisabeth Lürssen absolvierte die Lehrerinnenbildungsanstalt in Wolfenbüttel und arbeitete ab 1902 als Privatlehrerin, dann an den Bürgerschulen in Blankenburg am Harz. Nach einem Studienaufenthalt in England holte sie die Reifeprüfung nach und belegte ab 1910 die Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik an den Universitäten in München und Marburg. 1915 promovierte sie mit einer Arbeit über „Das Hohe Lied in einer mittelniederdeutschen Paraphrase“ und bestand die Prüfung für das Lehramt an Höheren Schulen mit Auszeichnung.

Ihren ersten Wirkungskreis fand sie in Bad Harzburg, dann an der Humboldtschule in Frankfurt am Main. Ab 1917 unterrichtete sie an dem Städtischen Lyzeum Kleine Helle, der ersten staatlichen Studienanstalt für Mädchen in Bremen. Fast ein Jahrzehnt gehörte sie dem Kollegium dieser Schule an und arbeitete an einer Reihe von Neuerungen verantwortlich mit, wie z.B. an der Einführung von Spanisch als dritter Fremdsprache. 1926 wurde Dr. Johanna Lürssen die Leitung der Oberschule für Mädchen an der Karlstraße übertragen. Auch hier setzte sie ihre Reformtätigkeit beim inneren Ausbau der Schule fort, die dem Ziel diente, gleichwertige Bildungschancen für Mädchen zu schaffen.

Als 1932 die Bremer Schulbehörde sie in das Amt eines Schulrats für das Höhere Mädchenschulwesen berief, entschloss sich die begeisterte Pädagogin nur schweren Herzens, ihre Unterrichtstätigkeit aufzugeben, um als erste Frau in diese leitende Position in der Schulbehörde einzutreten

Nur ein Jahr, von Februar 1933 bis Februar 1934, konnte Johanna Lürssen diese Tätigkeit wahrnehmen; dann wurde sie aus der Behörde entlassen – im „Dritten Reich“ war für Frauen kein Platz in herausgehobenen Positionen. Sie arbeitete wieder als Studienrätin an der Kleinen Helle, bis sie nach Kriegsende 1945 erneut in die Behörde berufen wurde. Bis zu ihrer Pensionierung bekleidete sie das Amt einer Oberschulrätin mit Kompetenz und Engagement, auch jetzt noch als einzige Frau im Kreis der Bremer Schulräte.

Der Name Johanna Lürssen ist auch eng mit der deutschen Frauenbewegung verbunden. Als Vorsitzende des Philologinnenverbandes Bremen war sie zugleich im Vorstand des Bremer Lehrerinnen-Vereins und gehörte auch dem Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein an. Bei der Neugründung des Deutschen Akademikerinnen-Bundes nach dem Kriege war sie aktiv beteiligt und konnte den deutschen Zweig 1951 bei der Wiederaufnahme in den Internationalen Akademikerinnen-Bund vertreten, und noch in hohem Alter stand sie 1956-1958 als 1.Vorsitzende an der Spitze des Deutschen Akademikerinnen-Bundes.

Elisabeth Hannover-Drück

Literatur und Quellen:
Wulff, Hinrich: Geschichte und Gesicht der bremischen Lehrerschaft, 2.Bd., Bremen 1950